Gute-Nacht-Geschichte vom Synchronize-Festival-Team Randale im Hotel, Gebisse im Club

Julian Roeder, Fabian Seewald, Patrice Grad, Tom Gabriel und Deniz Keser bringen das Synchronize Festival in die Staatsgalerie Stuttgart. Foto: /Petra Xayaphoum

Techno trifft Kunst: Dieses Wochenende findet zum ersten Mal das Synchronize Festival unter anderem mit Gheist und Super Flu in und vor der Staatsgalerie Stuttgart statt. Uns verraten die Festival-Macher ihre denkwürdigsten Geschichten aus dem Nachtleben.

Stadtkind: Petra Xayaphoum (px)

Nachts im Museum, aber ohne Ben Stiller und nicht so cringe: Mit dem Synchronize Festival verwandelt sich die Stuttgarter Staatsgalerie dieses Wochenende in eine Festival-Bühne. Bis zum Morgengrauen wird am 1. Juli im Stirling-Bau zu elektronischer Musik geravt. Uns erzählen die Macher ihre wildesten Geschichten aus dem Nachtleben.

 

Rave im Museum – indoor und open air

Das Wochenende in Stuttgart wird wild, das zeigt der Blick auf den Event-Kalender. Eines der Highlights ist das erstmals stattfindende Synchronize Festival in der Staatsgalerie Stuttgart. Dabei wird der Außenbereich des Traditionshauses bereits ab 14 Uhr bespielt. Wer früh genug dran ist, kann übrigens bis 17 Uhr mit seinem Festival-Ticket kostenfrei die aktuelle Cindy-Shermann-Sonderausstellung besuchen. Ab 22 Uhr geht’s dann im Inneren des Stirling-Baus weiter. Und zwar bis 5 Uhr morgens, bis die Wolken wieder lila sind.

Weil’s bei dem Ganzen um die Verschmelzung von Hoch- und Subkultur geht, wie Deniz Keser, Julian Roeder, Patrice „Patze“ Grad und Fabian Seewald von Dundu aus dem Veranstalter-Team erklären, wurde als Titel Synchronize gewählt.

Nach dem Festival ist vor dem Festival

Und der 1. Juli ist erst der Anfang. Am 21. Juli übernimmt das Team um Deniz Keser auch die Weekend-Warm-up-Reihe der Staatsgalerie, bei der regelmäßig zu neuen Sonderausstellungen Partys nachts junges Publikum in die heiligen Hallen der Kunst ziehen. „Das nächste Weekend-Warm-up am 21. Juli wird passend zur aktuellen Sonderausstellung ‚Anti Fashion‘ von Cindy Shermann gestaltet“, verrät Tom Gabriel von der Staatsgalerie.

Doch die Festival-Macher, die teils auch hinter der SEMF und dem On Air Festival stecken, haben noch mehr vor. Nach und nach ist eine Ausweitung des Festivals auf weitere Locations der Kulturmeile geplant. Fürs nächste Jahr wurde etwa bereits ein Auge auf das Stadtpalais ein paar Hausnummern weiter geworfen.

Aber zurück zum hier und jetzt: Angekündigt für das Festival dieses Wochenende in und um das monumentale Kulturdenkmal haben sich unter anderem Gheist (live), Ninetoes und Superflu. Support an den Decks bekommen die Headliner von Glanzlichtern der hiesigen Techno-Szene, Alyne, Beyond us, Eliano, Minimalte & Karaat, you name it.

Techno und Performances im Stirling-Bau

Dazu wird es auch Erstaunliches zu sehen geben, unter anderem von Fabian Seewald und dem Dundu-Team, das die von vielen Festivals bekannte übergroße Licht-Puppe zum Leben erwecken und durch die Menschenmenge führen wird. Eine Kunst-Performance zum Anfassen und Erleben quasi. „Beim Synchronize Festival möchten wir den Spirit erwecken, verschiedene Welten eins werden zu lassen“, erklärt Fabian.

Cool: Das Ticket-System kennt drei Eintrittskarten-Kategorien. Ein Day-Ticket (14-22 Uhr), ein Night-Ticket (22-5 Uhr) und ein Kombi-Ticket (14-5 Uhr). So kann man seinen Besuch individuell planen und zahlt nichts, was man am Ende nicht hört. Für Getränke und Food ist natürlich auch gesorgt, nicht, dass bei der Hitze noch wer den Koller kriegt.

Und jetzt Butter bei die Fische, Leute. Was ist euch in den zahlreichen Jahren Nachtleben Verrücktes passiert?

Randale im Hotel

„Ich hatte mal einen Live-Act für die Romy S. gebucht“, erinnert sich Patze Grad. „Schon als sie ankamen, waren sie richtig angezündet – der Sound-Check hätte eine Stunde dauern sollen, am Ende waren es dann fünf Stunden.“ Doch das war noch nicht alles, womit sich der Booker und Veranstalter hat herumschlagen müssen. Denn nach dem irgendwie über die Bühne gebrachten Auftritt ging’s bei der Band noch mal richtig los. „Nach dem Auftritt habe ich sie zwar direkt aus dem Club ins Taxi gesetzt, weil ihr Flieger gleich ging. Aber am Montag darauf bekam ich dann einen Anruf vom Hotel: ‚Patrice‘, hieß es, ‚wir schicken dir jetzt mal eine DVD.‘“

Auf der besagten DVD befanden sich Aufnahmen vom mit Aschen-Graffiti verwüsteten Hotelzimmer. „Die hatten also mit Wasser und Asche Graffiti an die Wand gemalt, dann den eigentlich festgemachten Badezimmerspiegel abmontiert – keine Ahnung, wie sie das geschafft haben – und dann waren noch alle Bilder im Hotel abgehängt und versteckt“, erinnert sich Patze immer noch fassungslos. „Zwei von den vieren sind auf der Fahrt zum Flughafen wohl aus dem Taxi ausgestiegen, zurück ins Hotel und haben dort richtig gewütet. Die haben dann natürlich auch ihren Flieger verpasst. Und das Hotel musste dann das Zimmer eine Woche lang renovieren.“

Schlafzimmer oder Hotelflur?

Eine weitere Story aus Patrice‘ Nachtleben spielte sich auch im Hotel ab: „Wir haben die Hip Island City-Beachbar in Heilbronn bespielt und haben dann im Anschluss noch im Club One eine Show gespielt mit den ganzen Acts.“ Der wilde Abend nahm auch hier im Hotel noch ein skurriles Ende: „Einer aus der Artist-Begleitung hat den Hotelflur mit seinem Zimmer verwechselt und es sich dort zum Schlafen wohnlich gemacht: Fein säuberlich die Schuhe ausgezogen und platziert, sein Handy angesteckt und so weiter. Auch da habe ich vom Hotel einen Anruf bekommen: ‚Patrice, deine Gäste schlafen im Gang‘“, schmunzelt der Stuttgarter.

Skurrile Fundstücke der Nacht

Die skurrilsten Fundstücke aus dem Nachtleben sind für Patrice auch klar: „Ich habe mal den gefühlt kleinsten Stöckelschuh der Welt in der Romy S gefunden: Schuhgröße 35. Die Dame hat sich später aber noch gemeldet und den Schuh nach der Party wieder abgeholt. Bei den Kollegen vom Climax wurde auch schon mal ein Gebiss gefunden“, erzählt er schmunzelnd.

Nachts auf dem Tahrir-Platz

Eine denkwürdige Geschichte aus dem Nachtleben, an die sich Fabian Seewald vom Stuttgarter Licht-Puppen-Performance-Projekt Dundu gerne zurückerinnert, ist ihm am 1. Januar 2013 in Ägypten auf einer Dundu-Tour passiert: „Wir hatten uns entschieden, das Resort zu verlassen, in das wir eingebucht waren und haben nachts am 1. Januar zwischen den beiden Revolutionen mit Dundu auf dem Tahrir-Platz gespielt. Mit Licht, Kunst, Musik und Bewegung konnten wir dann dort einen ganz besonderen Moment kreieren“, erzählt der Performance-Künstler begeistert. „Wir haben einen Raum des gemeinsamen Staunens geschaffen, an dem Menschen zusammengekommen sind und der, aus meiner Sicht, viel größer war als die ganzen Unterschiede zwischen ihnen.“

Das blieb bei Fabian hängen. „Und das konnte ich auch auf meiner weiteren künstlerischen Reise lernen: Dass Kunst Menschen verbindet, synchronisiert und es schafft, sie aus unterschiedlichsten Welten zusammenzubringen. Und indem wir solche Räume schaffen, wie auch hier beim Synchronize Festival, habe ich das Gefühl, dass wir einen Beitrag leisten zu einer vernetzten, friedlicheren und besseren Welt.“

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