Gymnasien in Stuttgart Wann steht die neue Schule am Steinenberg?

Die Schülerzahlen an den Stuttgarter Gymnasien steigen kontinuierlich, viele sind schon jetzt voll. Foto: dpa/Armin Weigel

In den Oberen Neckarvororten ist man dem Bau des seit Langem geforderten neuen Gymnasiums einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Doch wie ist Stuttgart insgesamt aufgestellt, sollte es eine Rückkehr zu G9 geben?

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Für Paul Wurm ist es ein „zukunftsweisenden Projekt“. Er ist der Sprecher des Fördervereins Schulcampus Hedelfingen. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, auf die Einrichtung eines zweiten Gymnasiums in den oberen Neckarvororten hinzuwirken. Bisher gibt es in diesem Bereich lediglich das Wirtemberg-Gymnasium in Untertürkheim. Diesem sei es aber in der Regel nicht möglich, alle interessierten Fünftklässler aufzunehmen. „Darum können viele nicht in den Oberen Neckarvororten zu Schule gehen, obwohl sie hier wohnen. Sie müssen nach Cannstatt, Sillenbuch, in den Landkreis Esslingen oder auf Privatschulen ausweichen“, sagt Paul Wurm.

 

Die Situation ist seit Langem bekannt. Bereits bei der 2010 vorgestellten Schulentwicklungsplanung hieß es, dass in den oberen Neckarvororten Plätze am Gymnasium fehlen. Und die Zahlen steigen weiter, insbesondere aufgrund von Aufsiedlungen, schreibt die Pressestelle der Stadt in einer schriftlichen Stellungnahme, und ergänzt: „Es ist absehbar, dass das bestehende Gymnasialangebot nicht ausreichend sein wird, um diese Bedarfe zu decken. Dementsprechend muss das gymnasiale Schulangebot ausgebaut werden.“ Der nächste Schritt in diese Richtung ist getan. Der Gemeinderat hat in seinen Haushaltsberatungen 250 000 Euro für eine Machbarkeitsstudie bereitgestellt. Die Entscheidung fiel einstimmig. „Die Sache ist politisch angekommen“, freut sich Paul Wurm. Das Thema sei auch dank dem Insistieren des Fördervereins, des Bezirksbeirats und des Bezirksvorstehers Kai Freier in der Prioritätenliste ganz nach oben gewandert.

Diese Fragen sollen in der Machbarkeitsstudie geklärt werden

In der Machbarkeitsstudie wird untersucht, wie die beiden Bestandsgebäude der Steinenbergschule saniert und für eine Ganztagsgrundschule umstrukturiert werden sollten, gleichzeitig ein neues Gymnasium aufgebaut werden kann – und was das alles kostet. „Dabei sollen Synergien zwischen beiden Schulformen am künftigen Campus aufgegriffen und die Raumbedarfe beider Schulen miteinander verknüpft werden“, zum Beispiel mit einer gemeinsamen Mensa, ergänzt die Pressestelle der Stadt.

Eine neue Schule zu planen, braucht freilich Jahre. Wenn die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorliegen, könne 2026 der Vorprojektbeschluss für einen, im Wesentlichen gymnasial genutzten Neubau gefasst werden. Die nächsten Schritte bis hin zur Baugenehmigung dauern dann wohl weitere drei Jahren. Vorausgesetzt, dass der Gemeinderat Geld zur Verfügung stelle, könne danach mit dem Bau begonnen werden, nennt die Pressestelle einen möglichen Zeitplan.

Parallel dazu sei zu beachten, dass noch bis Sommer 2026 die komplette Werkrealschule der Wilhelmschule Wangen in die Steinenbergschule ausgelagert ist. Erst, wenn diese wieder ausgezogen sei, könne mit der Sanierung des Grundschulbereichs begonnen werden, welche etwa zwei Jahre dauere. Danach, also nach heutiger Einschätzung im Schuljahr 2028/2029, könne der Aufbau einer Außenstelle für das neue Gymnasium am Steinenberg in Betracht gezogen werden. Denn: „Auf Grund der relevanten Gesichtspunkte für die Genehmigung eines weiteren Gymnasialstandorts ist der Weg zur Neugründung über den Aufbau einer Außenstelle eines bereits bestehenden Gymnasiums zu wählen“, stellt die Pressestelle klar. Diese Außenstelle würde idealerweise in den dann sanierten Bestandsgebäuden untergebracht, während ein Neubau für das Gymnasium entsteht. Der Förderverein Schulcampus Hedelfingen wünscht sich langfristig ein eigenständiges Gymnasium mit einem eigenen Profil.

Insgesamt geht es an den Stuttgarter Gymnasien eng zu. Durch die Reduzierung von neun auf acht Gymnasialjahre waren zwar Raumkapazitäten gewonnen worden, weil es einen Jahrgang weniger gab. Allerdings seien diese Ressourcen zwischenzeitlich größtenteils wieder aufgebraucht, unter anderem durch die gestiegenen Schülerzahlen, die veränderten Raumprogrammvorgaben sowie durch die Rückkehr zu G9 an Modell-Gymnasien, fasst die Pressestelle zusammen und fügt hinzu: „Eine gänzliche Rückkehr zu G9 wäre daher unter räumlichen Gesichtspunkten an den Stuttgarter Schulstandorten ad hoc nicht umsetzbar, ohne zum Beispiel die Kapazität der einzelnen Schulen zu reduzieren.“ Das Schulverwaltungsamt werde die aktuellen Raumbestände hinsichtlich der Einführung einer zusätzlichen Klassenstufe bewerten. „Aber tief greifende Analysen zu den Raumbedarfen und Planungen können erst dann vorgenommen werden, wenn konkrete politische Entscheidungen zu dieser Frage getroffen wurden.“ Bei baulichen Entwicklungen an Gymnasien werde jedoch „auf Basis von Erfahrungs- und Kennwerten vorsorglich eine zusätzliche Flächenoption für künftige Entwicklungen geprüft“.

Immer mehr Kinder besuchen ein Gymnasium

Zahlen
Die Gesamtschülerzahl an den öffentlichen Stuttgarter Gymnasien ist in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Schuljahr 2012/13 waren es 15 476 und im Schuljahr 2022/23 bereits 16 634 Mädchen und Jungen. Die Übertrittsquote auf Gymnasien liegt gesamtstädtisch auf einem hohen Niveau zwischen 57 und 60 Prozent.

Anpassung
Die Stadtverwaltung Stuttgart muss auf die steigenden Zahlen reagieren. Wo möglich, werden bestehende Standorte baulich erweitert, um mehr Klassen bilden zu können. Wo das nicht oder nicht im ausreichenden Maß geht, müssen andere Optionen geprüft werden – wie zum Beispiel im Bereich Bad Cannstatt/Oberer Neckar.

Weitere Themen