Hacker-Angriff auf Esslinger Unternehmen Eberspächer holt Mitarbeiter nach und nach aus Kurzarbeit

Bei Eberspächer wird nach einem Angriff daran gearbeitet, die Systeme wieder hochzufahren. Foto: Roberto Bulgrin/ Bulgrin

Kürzlich ist der Esslinger Automobilzulieferer Eberspächer Opfer eines Hackerangriffs geworden. Mit Informationen zu dem Vorfall war das Unternehmen bislang zurückhaltend. Nun heißt es: Die meisten Fabriken können liefern.

Reporterin: Greta Gramberg (gg)

Esslingen - Fast zwei Wochen nach einem Hacker-Angriff auf die IT-Infrastruktur von Eberspächer werden die Systeme stufenweise wieder hergestellt. Das teilt der Esslinger Automobilzulieferer auf seinem Twitter-Account mit. „Die meisten Eberspächer-Werke weltweit beliefern unsere Kunden“, schreibt das Unternehmen außerdem. Es reagiert damit auf Medienberichte über mögliche Lieferprobleme für die Autoindustrie, die der Angriff nach sich ziehen könnte. Unter anderem in einem Artikel in der „Wirtschaftswoche“ wurden Experten zitiert, die wochenlange Produktionsstörungen bei Eberspächer befürchteten.

 

„Wir stehen in engem Kontakt zu unseren Kunden“, sagte eine Sprecherin. Während die Systeme nach und nach wieder hochgefahren werden, können auch immer mehr Mitarbeitende aus der Kurzarbeit zurückkehren, die nach dem Hacker-Angriff für den Stammsitz in Esslingen mit der Gewerkschaft IG Metall vereinbart worden war.

Keine Einschränkung im Saarland

Wie viele Mitarbeiter derzeit infolge des Cyberangriffs nicht arbeiten können und wie lange der Wiederaufbau dauern wird, dazu macht Eberspächer keine Angaben. „Es ist ein fließender Prozess“, sagte die Sprecherin. Bei dem Autozulieferer arbeiten die eigenen IT-Fachkräfte zusammen mit externen Sicherheitsexperten an Gegenmaßnahmen, um die Gefährdung zu beseitigen.

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Über mögliche Produktionsausfälle gibt das Unternehmen ebenfalls weiter keine Auskunft. Hintergrund ist eine Informationssperre, um die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden nicht zu gefährden. Auch Details zum Angriff nennt Eberspächer nicht. Früheren Angaben der Staatsanwaltschaft Stuttgart zufolge wird wegen des Verdachts der Computersabotage und der versuchten Erpressung ermittelt. In Esslingen befindet sich die Produktion von Standheizungen derzeit ohnehin in der Auflösung, bis Jahresende sollen mehr als 200 Stellen abgebaut sein. Künftig sollen am Stammsitz noch Forschung und Entwicklung, Verwaltung und die Steuerung des Unternehmens angesiedelt sein. Am Standort für Abgastechnik im saarländischen Neunkirchen gibt es der Eberspächer-Sprecherin zufolge dagegen keine Kurzarbeit in der Produktion.

10 000 Mitarbeiter weltweit

Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 10 000 Mitarbeiter, in Esslingen etwa 1000. Eberspächer ist auf Abgastechnik, Klimaanlagen und Heizungen in Autos sowie Fahrzeugelektronik spezialisiert. Der Mittelständler erlebte 2020 ein Krisenjahr mit einem Verlust von 35 Millionen Euro. 73 Prozent des Nettoumsatzes kamen aus der Abgastechnik, der Rest aus den Bereichen Klimatisierung und Fahrzeugelektronik.

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