Der Verein „Frauen helfen Frauen Filder“ setzt bei der Beratung und Betreuung von Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind, auch auf die aktive Hilfe.

Filder - Eine Standard-Lösung für Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt werden, gibt es nicht. Jede Geschichte ist individuell, eine Trennung vom Mann nicht immer der beste Weg. „Es ist wichtig, genau hinzuschauen“, sagt eine Mitarbeiterin der Beratungsstelle von „Frauen helfen Frauen Filder“ in Bernhausen.

Die Arbeit des ehrenamtlich geführten Vereins ist im freiwilligen Sozialhilfedienst angesiedelt. Sie wird durch den Landkreis Esslingen, die Kommunen Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen und Ostfildern sowie durch Spenden finanziert. Seit 17 Jahren bietet der Verein eine Anlaufstelle für Frauen mit unterschiedlichsten Gewalterfahrungen. Dies können körperliche Übergriffe sein, aber auch subtilere Formen der Gewalt wie Drohungen oder Erniedrigungen. Im vergangenen Jahr haben die Sozialpädagoginnen in der Beratungsstelle 67 Frauen beraten. Zudem standen sie mit 25 Frauen in Kontakt, die nach einem Polizeieinsatz bei häuslicher Gewalt mit der Weitergabe ihrer Kontaktdaten einverstanden waren.

Polizei und Ordnungsamt können einen Mann, der seine Frau schlägt, bis zu 14 Tage aus einer Wohnung verweisen – auch aus der eigenen. Als Interventionsstelle kann der Verein bei einem solchen Platzverweis proaktiv handeln und mit den Frauen innerhalb von 48 Stunden Kontakt aufnehmen. Die Erfahrungen sind positiv.

Modellprojekt wird zum Regelbetrieb

Der Platzverweis verschafft den Gewaltopfern einen Schutzraum, in dem sie sich in Ruhe überlegen können, wie es weitergehen soll. Die Beratungsstelle vermittelt die nötigen Hilfen und Kontakte. Seit zweieinhalb Jahren finanziert der Landkreis das Modellprojekt, das nun zum Regelbetrieb wird. Nach Aussage der Vereinsvorsitzenden Claudia Moosmann stimmte der zuständige Kreisausschuss jüngst zu, die Interventionstätigkeit weiter zu bezahlen.

„Betroffene Frauen gibt es überall“, berichtet die Mitarbeiterin der Beratungsstelle, „in allen Schichten, Nationalitäten und Altersgruppen.“ Erfahrungsgemäß hat die Hälfte der Frauen, die beraten werden, keine deutsche Staatsbürgerschaft. An Sprachbarrieren ist bislang aber noch keine Beratung gescheitert.

Seit 2000 betreibt der Verein auch ein Frauen- und Kinderschutzhaus. „Ziel der Beratung ist, dass Frauen nicht ins Frauenhaus müssen“, sagt Moosmann. Doch häufig finden Betroffene nur dort Schutz vor gewalttätigen Männern. Laut Jahresbericht wurden 2011 im Frauenhaus 20 Frauen und 20 Kinder betreut. 35 Prozent der Frauen zogen nach ihrem Aufenthalt in eine neue eigene Wohnung. 140 Personen mussten abgelehnt werden, weil das Haus voll belegt war.

Für die Kinder ist der Aufenthalt im Haus oft schwierig: Sie leiden unter dem Streit der Eltern, müssen Freunde verlassen und die Schule oder den Kindergarten wechseln. Um ihnen beispielsweise Ausflüge zu ermöglichen, sammelt der Verein nun Spenden und stellt dafür in Geschäften auf den Fildern rote Kässchen auf.