Mit besten Absichten ist es errichtet worden. Und vielen Plänen, von denen nicht alle verwirklicht wurden. Das 2006 gebaute Carl-Benz-Center hat schon einiges erlebt, nun wird die Veranstaltungshalle im Bauch des Centers, die Carl-Benz-Arena, von einem neuen Team betrieben. Einem mit viel Expertise für Veranstaltungen in dieser Stadt.
Was hat Nicer mit dem Neckar zu tun?
Das wird schon im Namen deutlich. Nicer Spaces heißt die Gesellschaft, die die Arena mit Platz für 2000 Zuschauer in eine bessere Zukunft führen soll. Klar, ein nicer space, also ein netterer Platz soll es werden, denn noch steht das Carl-Benz-Center tief im Schatten der großen Nachbarn im Neckarpark, der Schleyerhalle und der Porsche-Arena. Aber Nicer heißt auf Latein Neckar und verweist auf die Wurzeln der Macher. Alle haben sie Lokalkolorit. Gesellschafter sind Oliver Meyer, Martin Frey und Stefan Bartsch von der Agentur Tailormade, zudem Ex-Nationaltorwart Timo Hildebrand. Der seine ersten beruflichen Schritte abseits des Fußballplatzes bei Tailormade gemacht hat.
Das Suchen nach Veranstaltungsstätten
Geschäftsführerin ist Carolin Ingelfinger, die vorher beim VfB und bei der Landesmesse gearbeitet hat. Und nicht zuletzt will man mit dem Wizemann kooperieren, dessen Geschäftsführer Matthias Mettmann auch bei der Vorstellung mit dabei war. Die im Natan stattfand. Dem Café, das die Hilfsorganisation Stelp betreibt. Und die am 2. Oktober zum Comedy-Abend in die Carl-Benz-Arena einlädt. Wofür es die Halle umsonst gibt und wofür auch alle Beteiligten ohne Gage arbeiten.
Da sind also viele Menschen an Bord, die sich untereinander und die Stadt kennen. Und aus eigener Erfahrung wissen, dass es an Orten fehlt für Live-Musik, Kultur und Veranstaltungen. Tailormade sei oft vergeblich auf der Suche nach Orten für Firmenveranstaltungen, sagte Oliver Meyer, in anderen Städten sei das weitaus leichter, „in Stuttgart ist da Luft nach oben, das Angebot ist geringer als der Bedarf“. Was bedeutet: Veranstaltungen wandern ab.
Fruchtbarer Austausch
Was also tun? Sie nehmen sich ein Beispiel an Matthias Mettmann und Chimperator. Was macht man als Musiklabel, wenn es zu wenige Orte gibt für die eigenen Künstler, um aufzutreten? Genau, man schafft einen eigenen Ort: das Wizemann.
So ist es kein Wunder, dass Nicer Spaces und das Wizemann kooperieren wollen. „Viele Anfragen aus der Industrie können wir gar nicht bedienen“, sagt Mettmann. Doch womöglich findet sich ein Plätzchen in der Carl-Benz-Arena. Und 1500 Quadratmeter Fläche und 2000 Zuschauer sind auch für Konzerte interessant. Allerdings sind ein Hotel mit 150 Betten und die VfB-Jugendakademie ebenfalls im Carl-Benz-Center untergebracht, und die Gäste und die Nachwuchsspieler wollen in Ruhe schlafen. Also gibt es Grenzen für das Veranstalten von Konzerten.
Was ist geplant?
Am 1. Juli starten die Nicer Spaces den Betrieb, geplant ist nicht nur der Comedy-Abend, sondern beispielsweise der Verbandstag des Württembergischen Fußballverbandes, Veranstaltungen von Daimler Trucks und der Jugendhausgesellschaft. Und der Blick geht nach vorne. Oliver Meyer deutet an, dass Nicer Spaces weiter wächst. Im Blick habe man drei, vier Orte, die man gerne unter die Fittiche nehmen möchte. Namen will er noch keine nennen, aber er lässt keinen Zweifel, dass die Carl-Benz-Arena erst der Anfang sein soll.
Wechselhafte Geschichte
Das Carl Benz-Center hat ja eine wechselhafte Geschichte. Gebaut wurde es 2006 von Rudi Häussler, als Zuckerle für den VfB und seine Fans, weil der Umbau des Stadions in eine reine Fußballarena undenkbar schien. Der Fanshop, das Kundencenter und eine Sports Bar zogen ein. Mehr war geplant. Mit einem Gastronomiekonzept etwa sollte das Gebäude bespielt werden, mit sieben Themenrestaurants – vom schwäbischen Brauhaus über ein brasilianisches Rodizio bis zum Mongolian Barbecue, wo der Gast die Filets auf Schilden gegrillt bekommen sollte. Gegrillt wurde nie. Zwei Jahre später gelang das Undenkbare doch, das Stadion wurde umgebaut. Fortan wurde viel gestritten, Häussler verklagte die Stadt wegen des Umbaus und des damit einhergehenden Lärms. Er scheiterte krachend. 2010 war die Häussler-Gruppe insolvent. 2011 folgte der endgültige Rückzug aus dem Carl-Benz-Center.
Die Betreiber der Arena wechselten. Nun wollen die Nicer Spaces diesen Ort aus ihrem Schattendasein holen.