Handarbeitscafé Reichenbach Stricken für den guten Zweck

Jeden Donnerstag wird im Handarbeitscafé eifrig mit den Nadeln geklappert. Foto: /Katja Eisenhardt

Jeden Donnerstag wird in der Reichenbacher Siegenbergkirche mit den Nadeln geklappert. Die selbst gefertigten Stücke verkaufen die Frauen des Handarbeitscafés für den guten Zweck.

Reichenbach - Kaum hat man die evangelische Siegenbergkirche in Reichenbach betreten, dringen durch die Tür des Gemeinschaftsraumes fröhliche Stimmen. Dort hat sich wie jeden Donnerstag die Gruppe des Handarbeitscafés eingefunden. 13 Frauen sind es an diesem Nachmittag. Nach Kaffee und selbst gebackenem Kuchen in geselliger Runde glühen anschließend die Stricknadeln. Während bei manchen ein neues Paar Socken entsteht, sitzen andere an einem Pulli, Mützen oder Schals. „Eigentlich sind wir 18 Frauen im Handarbeitscafé, manche stricken von zuhause aus“, erklärt Aurelia Roos, die 2017 die Leitung der 2009 gegründeten Gruppe übernommen hat. Das Stricken ist das gemeinsame große Hobby der Frauen, im Handarbeitscafé nadeln sie für den guten Zweck.

 

Stand auf dem Wochenmarkt

Jedes Jahr an einem Termin im November werden die fertigen Werke dann an einem Stand auf dem Reichenbacher Wochenmarkt verkauft. Der Erlös kommt verschiedenen sozialen Projekten, Vereinen oder Einrichtungen zugute. „Beim letzten Markt, auf dem wir waren, kamen stolze 2800 Euro zusammen, das ist der bisherige Rekord“, erzählt Aurelia Roos. Von den Einnahmen konnten für die Bambini des örtlichen Fußballvereins beispielsweise neue Bälle angeschafft werden, neben weiteren Vereinen und deren Jugendarbeit seien zudem die Ganztagsschule, Kirchen im Ort oder auch Rückenwind Esslingen, der Verein pflegender Mütter von behinderten Kindern, unterstützt worden. Letztere Kooperation bestehe schon länger, berichtet Aurelia Roos. Auch für den Erlös des kommenden Verkaufs im November haben die Frauen schon eine Idee. Sie wollen die Flutopfer im Ahrtal gezielt unterstützen und sich bei einer betroffenen Gemeinde vor Ort nach dem aktuellen Bedarf erkundigen. Meist sind es Geldspenden, die das Handarbeitscafé-Team verteilt, teils wurde aber auch schon direkt Gestricktes für den guten Zweck verschenkt, so etwa Mützen und Socken für Frühchen.

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Die Jüngste in der Runde ist 55 Jahre alt, Maria Kok ist mit ihren 90 Jahren die älteste Strickerin. An diesem Nachmittag ist sie gerade mit einem neuen Paar Socken beschäftigt. Die Handgriffe und Stricktechniken beherrscht die rüstige Seniorin im Schlaf. „Das Stricken habe ich noch in der Schule gelernt. Früher konnte man ja auch nicht so viel zukaufen wie heute, da hat man seine Kleidung selbst genäht und gestrickt“, erzählt die 90-Jährige. Kürzlich habe sie sogar eine „Auftragsarbeit“ angenommen, sagt Maria Kok und schmunzelt: „Mein Urenkel wollte gern rote Socken für den Waldkindergarten, die er dann auch bekommen hat.“

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Das Stricken gehört für die Frauen wie auch das wöchentliche Treffen zum Alltag. Während der Lockdowns, als der Donnerstagstreff pausieren musste, haben sie einfach fleißig zuhause weitergestrickt. „Sonst hätten wir ja noch Entzugserscheinungen bekommen“, sind sich alle einig. Renate Peters ist eine der Handschuhexpertinnen in der Runde – jede hat ihr eigenes Steckenpferd. „Fäustlinge gehen schnell, komplizierter wird es dann bei den Fingerhandschuhen“, erklärt sie.

Taschen aus Kaffeeverpackungen

Von Anfang an ist Renate Peters mit von der Partie: „Ich habe schon immer gestrickt und genäht. Man kann dabei prima abschalten und schläft vor dem Fernseher schon nicht ein, wenn man parallel strickt“, sagt sie und lacht. Gegenüber von ihr sitzen Walburga Hübner und Regina Engl. „Beim Stricken sieht man einfach direkt, was man gemacht hat und wofür es nützlich ist. Allein schon deshalb macht es großen Spaß“, findet Walburga Hübner und die anderen Damen nicken zustimmend. Regina Engl beschreibt das Stricken mit einem Augenzwinkern fast schon als Sucht: „Ohne gestrickt zu haben, gehe ich abends nicht ins Bett, das geht hervorragend neben dem Fernsehschauen bis die Nadeln rauchen.“ Immer mal wieder bekommt die Gruppe Wolle gestiftet oder kauft sie selbst in größeren Mengen nach. Auf der Bühne der Kirche lagern mehrere volle Kisten mit fertigen Stücken für den nächsten Verkauf.

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Doch nicht nur Gestricktes für groß und klein, auch selbst gefertigte Tragetaschen aus recycelten Kaffeepackungen oder Kalenderblättern hat die kreative Frauenrunde zum Beispiel schon gefertigt, die Ideen gehen den Strickerinnen so schnell nicht aus. Und wenn dann in der Kaffeekasse genug Geld beisammen ist – wöchentliche Spenden aus der Runde – dann geht es gemeinsam zum Essen oder auf einen Ausflug, denn der Gemeinschaftsgedanke spielt neben der Handarbeit eine zentrale Rolle.

Treffen
 Die Gruppe des Handarbeitscafés in der Reichenbacher Siegenbergkirche trifft sich jeden Donnerstag von 14 bis 17 Uhr.

Verkauf
Die gestrickten Waren kann man das nächste Mal auf dem Reichenbacher Wochenmarkt vor dem Rathaus am Samstag, 20. November, am Stand des Handarbeitscafés kaufen. Mit dem diesjährigen Erlös sollen die Flutopfer im Ahrtal unterstützt werden.  

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