Zum Tod von Karlheinz Hartmann Der Wüterich, den man lieben musste

Karlheinz Hartmann (1950–2023; links) mit seinem Bühnenpartner Albin Braig Foto: Peter Morlok

Als Schultes in tiefer schwäbischer Provinz schrieb er großartige TV-Geschichte. Nun ist der Schauspieler Karlheinz Hartmann gestorben.

Kultur: Tim Schleider (schl)

Wie oft hat man diesen Ruf gehört? „Dr Hannes soll reikomma!“ Und wie oft musste man schon an dieser Stelle loslachen, obwohl eigentlich noch gar nicht viel passiert war? Aber genau das gehörte ja zum Erfolgsrezept dieser Fernsehreihe, dass sich der Zuschauer in ihr im wahrsten Sinne des Wortes daheim fühlen konnte. Daheim und bestens unterhalten.

 

„Hannes und der Bürgermeister“, das war über rund 30 Jahre stets eine knappe halbe Stunde lang ein tiefer, ein ironischer, ein bissiger, aber summa summarum immer doch ein liebevoll-freundlicher Blick in das Amtszimmer und das Amtsleben eines schwäbischen Schultes, der sich in der Regel einen Tick zu wichtig nahm (nein, die Serie spielte nicht in Tübingen) und deswegen früher oder später auf die solidarische Unterstützung seines schlitzohrigen Amtsboten Hannes angewiesen war. Karlheinz Hartmann als Bürgermeister und Albin Braig als Amtsbote gaben dieses Traumpaar der deutschen Kommunalpolitik. Im vergangenen Jahr waren die beiden auf Abschiedstournee unterwegs, im Dezember zeichnete der SWR noch die letzte Folge auf. Nun wurde bekannt, dass Karlheinz Hartmann am 29. August im Alter von 73 Jahren in Herrenberg gestorben ist.

Ausbildung bei Standard Elektrik Lorenz

Hartmann war ein Allrounder. Eigentlich ein Techniker, ein Unternehmer: Nach der Ausbildung bei Standard Elektrik Lorenz gründete der gebürtige Stuttgarter gemeinsam mit seinem Schulfreund Albin Braig ein Unternehmen der Messtechnologie. Was für eine schwäbische Erfolgsgeschichte schon hier: Beim elektronischen Fortschritt immer ganz vorn mit dabei, entwickelte sich der Betrieb Karlheinz Hartmann Elektronik GmbH im Laufe der 1990er Jahre zum bedeutenden Marktplayer.

Aber da hatten Hartmann und Braig längst mit ihrer zweiten schwäbischen Erfolgsgeschichte begonnen: dem Künstlerleben. In der Mäulesmühle bei Stuttgart entwickelten sie ihr kleines Geschichtenreich: auf der Bühne ein Amtszimmer mit viel Hell- und Dunkelbraun, einem Schreibtisch und hinten an der Wand einer spitzblättrigen Bodentopfpflanze. Im Kern brauchten und wollten sie nicht mehr.

Und in diesem, neudeutsch gesprochen: stark fokussierten Setting dann nur die beiden Kerle im alltäglich-burlesken Miteinander – der eine, der immer zu viel will, und der andere, der ihm aus der Patsche hilft. Ein bisschen war das über die Jahre wie bei Richard Burton und Liz Taylor, aber natürlich ohne Ehe. Ein ständiges Auf und Ab von Wutausbruch und Wiederversöhnung. Das knitze Scheitern als vollendete Lebensform. Häufig mündete der Sketch in die Einladung zum „Schnäpsle“. Darauf die Erwiderung: „Ich höre mich nicht Nein sagen.“ Hegel hat das alles nur komplizierter ausgedrückt.

Kalkulierbarer Schwäbisch-Einsatz

Seit 1994 hatte der Südfunk Stuttgart die Reihe im TV-Programm. Und glaube niemand, die Fans von „Hannes und der Bürgermeister“ häbe es nur im Südwestdeutschen gegeben. Dank eines insgesamt kalkulierbaren Schwäbisch-Einsatzes konnten auch TV-Zuschauer in Hessen oder Hamburg herzlich über die beiden lachen.

Der SWR-Intendant Kai Gniffke hat Grund genug, Karlheinz Hartmann im Nachruf zu danken für Verdienste „um die Mundart und die regionale Kultur“. Vom Land Baden-Württemberg gab es 2017 einen Verdienstorden. Aber viel wichtiger, dessen darf man sicher sein, war Karlheinz Hartmann zeit seines Künstlerlebens das Lachen des Publikums, das bei den TV-Aufzeichnungen vor der Bühne saß. Sie tun immer so, als wenn sie es nicht gern hören, aber es stimmt: Schwaben können herrlich lustig sein. Karlheinz Hartmann war herrlich lustig.

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