Hannover Messe Maschinenbauer wollen Geschäfte in China ausweiten

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Der Branchenverband VDMA plädiert auf der Hannover Messe für ein Abkommen mit Peking. Deutsche Firmen sind vom Handelskonflikt zwischen USA und China betroffen.

Großer Andrang beim Branchentreff der Maschinenbauer in Hannover. Foto: Hannover Messe
Großer Andrang beim Branchentreff der Maschinenbauer in Hannover. Foto: Hannover Messe

Hannover - Normalerweise verbreiten Aussteller auf Messen Zuversicht. Doch die weltweiten Handelskonflikte drücken auf die Stimmung in Hannover, wo die weltgrößte Industrieschau ihre Pforten eröffnet hat. Die Investitionslaune der Unternehmen ist gedämpft. Dies spürt vor allem der Maschinen- und Anlagenbau. „Zwar puffert die vorhandene Auftragsreichweite von durchschnittlich 8,5 Monaten die Produktion“ ab, sagt Carl Martin Welcker, der Präsident des Maschinenbauverbands VDMA in Hannover, dennoch hat der Verband seine Produktionsprognose für das laufende Jahr von bisher zwei auf nunmehr ein Prozent halbiert. Die Konjunkturdynamik habe sowohl im Inland wie auch im Ausland nachgelassen. „Die politisch verursachten Risiken auf wichtigen Absatzmärkten zeigen Wirkung, ohne dass Lösungen in Sicht seien“, sagt Welcker. Wie deutlich die Geschäfte nachgelassen haben, zeigt folgende Zahl: Ursprünglich hatte der VDMA für 2018 ein Produktionsplus von fünf Prozent vorausgesagt; tatsächlich sind es zwei Prozent geworden.

Das hat auch mit Personalengpässen zu tun, so Welcker. Und der Brexit sei zusätzlich „nur ein trauriges Thema“. Dieter Kempf, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), wird deutlicher. Sollte es zu einem ungeregelten Brexit kommen, sagte er, werde dies das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit mindestens einem halben Prozentpunkt belasten. „Unsere BIP-Prognose von derzeit 1,2 Prozent müssten wir dann anpassen – und mit nur noch 0,7 Prozent Plus rechnen.“ Der deutsche Maschinenbau erzielt fast 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie fordert ein härteres Vorgehen gegen China

Nicht nur der schwelende Handelsstreit zwischen der EU und den USA belastet hiesige Maschinenbauer. Sie sind auch von dem chinesisch-amerikanischen Konflikt betroffen. Es gebe deutsche Maschinenbauer, die in China für den US-Markt produzierten, so Welcker. In welchem Umfang dies der Fall ist, sagt er nicht. Er fordert die Politik auf, für ein „vernünftiges Handelsabkommen“ mit den USA einzutreten. „Und wir wünschen uns auch ein Abkommen mit China“, so der VDMA-Präsident. Der Bundesverband der Deutschen Industrie hatte vor einigen Monaten ein härteres Vorgehen gegen China gefordert. Der VDMA, der hinter diesem Papier stehe, will dies nicht als Abwehrpapier verstanden wissen. Vielmehr gehe es ihm darum die Geschäfte mit der Volksrepublik auszuweiten. „Manchmal ist es ein Foulspiel der Chinesen.“ Selbstkritisch sagt Welcker, dass die Industrie künftig lauter werden müsste, wenn es um offene Themen mit Chinesen gebe.

Harsche Kritik übt BDI-Chef Kempf an der Bundesregierung. Diese gebe „unser aller Geld falsch aus“, sagt er. Damit meint er „gefährliche Alleingänge“ etwa in der Energie- und Klimapolitik: „Das Ziel, Treibhausgas-Emissionen um 95 Prozent bis 2050 zu reduzieren, wie es das Bundesumweltministerium wünscht, ist im nationalen Alleingang schlichtweg nicht zu stemmen.“ Kempf ruft die Bundesregierung dazu auf, den „Investitionsturbo“ zu starten – nicht nur beim Klimaschutz, sondern auch bei der Digitalisierung.

Umfrage des Technologieverbands VDE: Bei KI haben die USA und China die Nase vorn

Die Künstliche Intelligenz (KI) ist ein großes Thema in Hannover. „Andere Länder wie China oder die USA mögen uns in der Grundlagenforschung zur Künstlichen Intelligenz voraus sein. Aber der Mehrwert entsteht erst durch die zielgerichtete Kombination von Algorithmen mit realer Physik. Darin liegt die Stärke des Maschinenbaus“, sagt Welcker. Doch der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) malt ein anderes Bild. Eine Umfrage unter 1300 Unternehmen zeige: Die USA und China haben bei der KI die Nase vorn. Größte Bremsfaktoren in Deutschland seien das mangelnde Wissen über KI, der Fachkräftemangel und gesetzliche Hürden. „Das Grundproblem ist, dass sich die deutsche Industrie lange auf ihrem Status quo ausgeruht hat und damit schlichtweg in vielen Bereichen den Anschluss an die USA und China verpasst hat, die die Digitalisierung auf allen Ebenen vorantreiben“, sagt Ansgar Hinz, Chef des VDE. Er fordert finanzielle Unterstützung: „Die drei Milliarden Euro, die die Bundesregierung im Rahmen ihrer KI-Strategie in den nächsten Jahren investieren will, sind im internationalen Vergleich nur Spurenelemente.“