Hausgeräte Immobilienkrise bremst Bosch-Tochter BSH aus

Backofen-Montage im BSH-Werk in Traunreut Foto: osch

Bei Europas größtem Hausgerätehersteller ist der Umsatz 2023 um mehr als eine Milliarde Euro zurückgegangen. Der angekündigte Stellenabbau läuft, an den deutschen Standorten will die Bosch-Tochter BSH Hausgeräte festhalten.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)

Bei der Bosch-Tochter BSH Hausgeräte, zu der Marken wie Bosch, Siemens, Neff oder Gaggenau gehören, folgt die Ernüchterung nach dem Coronaboom – zumindest was die Zahlen angeht. Der Umsatz ist 2023 um sieben Prozent auf 14,8 Milliarden Euro zurückgegangen.

 

Das Management gibt sich dennoch optimistisch. Wechselkursbereinigt sei man nahezu auf Vorjahresniveau. Auch sei das Unternehmen profitabel. Konkrete Ergebniszahlen werden nicht genannt. Matthias Metz, der seit 2022 an der Spitze von Europas größtem Hausgerätehersteller steht, spricht zwar von einem „herausfordernden Jahr“, man habe aber besser abgeschnitten als der Markt. Der schwächelt weltweit. „Wir verfolgen einen klaren Zukunftsfahrplan, mit dem wir nicht nur die aktuellen Herausforderungen meistern, sondern darüber hinaus unsere Stärken weiter ausbauen können“, sagt er.

Ein Kochfeld, das unsichtbar verschwindet

Er will vor allem auch mit Innovationen bei Konsumenten punkten. Wenn Metz über neue Produkte redet, schwingt Begeisterung mit. Dazu zählt etwa eine Küchenmaschine mit Kochfunktion mit dem Namen Cookit oder der Backofen, der Künstliche Intelligenz und eine eingebaute Kamera nutzt, um Gerichte automatisch zu erkennen und passende Backeinstellungen vorzuschlagen, etwa „damit die Pizza perfekt bräunt“. Oder ein Kochfeld, das unsichtbar unter der Arbeitsplatte aus gepresstem Sandstein verschwindet und Designern und Architekten ganz neue Gestaltungsräume für die Küche bietet. Rund 850 Millionen Euro hat BSH 2023 für Forschung und Entwicklung ausgegeben, sowie weitere 600 Millionen für Investitionen.

2024 rechnet die Bosch-Tochter allerdings noch nicht mit einer Trendwende, denn der Hausgerätemarkt bleibe unter Druck. Der angekündigte Jobabbau, wonach bis 2027 weltweit rund 3500 Stellen wegfallen sollen, läuft bereits, betriebsbedingte Kündigungen schließt Metz derzeit aber aus. Allein in diesem Jahr sollen in Deutschland mehr als 400 Stellen abgebaut werden. Derzeit hat BSH weltweit noch rund 60 000 Mitarbeiter, davon etwa 17 000 in Deutschland. An den sechs deutschen Werken will der Hausgerätehersteller festhalten, doch müssten sich die Rahmenbedingungen verbessern, sagt Metz. Weltweit hat die Bosch-Tochter insgesamt 37 Werke.

Neue Fabriken in Ägypten und Mexiko

„Wir wollen in allen BSH-Regionen weiterhin erfolgreich wachsen und bauen dafür unsere Präsenz in lokalen Märkten weiter aus“, so Metz. In Ägypten hat BSH in eine neue Herdfabrik investiert, die den afrikanischen Markt beliefern soll, in Mexiko geht Mitte des Jahres eine Kühlgerätefabrik für den nordamerikanischen Markt an den Start.

2023 geriet der Hausgerätehersteller vor allem in Nordamerika und China unter Druck. In den USA und Kanada gingen die Umsätze insbesondere wegen Rabattschlachten um 11,3 Prozent zurück, in China um 10,5 Prozent, was Finanzchef Gerhard Dambach vor allem mit negativen Währungseffekten und der Abschwächung der chinesischen Wirtschaft begründete.

Die BSH sei nach wie vor der größte nicht-chinesische Hausgerätehersteller in China, stehe jedoch in einem harten Preiswettbewerb mit asiatischen Anbietern, so Dambach. In Europa machte der Einbruch der Immobilienmärkte und die damit verbundenen Auswirkungen auf das wichtige Einbaugeschäft zu schaffen, wodurch die Zahl der verkaufen Hausgeräte zurückging. Dambach sprach allerdings von einem stabilen Preisgefüge, sodass das Umsatzminus mit 6,3 Prozent nicht so stark ausfiel. Negative Umsatzauswirkungen hatte auch der mehrwöchige Stillstand der Fabrik in Slowenien, die aufgrund eines Unwetters unter Wasser stand, sodass Kleingeräte und Kaffeevollautomaten nicht produziert werden konnten. Man arbeite derzeit die letzen Rückstände auf, so Dambach.

Am geringsten fielen die Umsatzrückgänge in Osteuropa, dem Mittleren Osten und Afrika aus. Ohne Berücksichtigung des aufgegebenen Russlandsgeschäfts – BSH machte dort einst 500 Millionen Euro Umsatz und hat sich komplett zurückgezogen – entwickelte sich das Geschäft vor allem in der Türkei positiv.

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