Hausschäden durch Stuttgart 21 Bewohner des Kernerviertels fordern Bahn-Infos

Der Bereich über dem gelben Verbau wird abgerissen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Nach dem angekündigten Abriss eines durch den Tunnelbau von Stuttgart 21 beschädigten Hauses sei im Kernerviertel „Feuer unter dem Dach“, sagt ein Sprecher des Anwohner-Netzwerks. Vor allem eine Aussage der Bahn ärgert ihn sehr.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Stuttgart - Bei den Anwohnern des Kernerviertels schrillen die Alarmglocken: Nach der Ankündigung der Bahn, einen beim Tunnelbau für Stuttgart 21 beschädigten Teil des Hauses Kernerstraße 30 abzureißen, sei nun „Feuer unter dem Dach“, sagt Frank Schweizer vom Netzwerk Kernerviertel, der unweit des betroffenen Hauses wohnt. Am Montagmorgen standen bereits Möbel auf dem Gehweg des betroffenen Hauses.

 

Eigentümer und Mieter verunsichert

In einem Schreiben an die Bahn-Projektgesellschaft Stuttgart–Ulm (PSU) sowie an die städtische Bürgerbeauftragte für Stuttgart 21 fordert das Netzwerk eine Veranstaltung, auf der über den Stand der Dinge informiert wird. „Eigentümer und Mieter sind verunsichert, was noch auf sie zukommt. Daher ist es höchste Zeit, dass kurzfristig eine Informationsveranstaltung durchgeführt wird“, schreibt Schweizer und erinnert daran, dass mit der Bürgerbeauftragten „mindestens eine Informationsveranstaltung pro Jahr“ vereinbart worden sei. Bisher habe man sich dabei „häufig mit Prognosen beschäftigt, jetzt müssen wir uns den Tatsachen zuwenden“, schreibt Schweizer.

Nach seiner Beobachtung würden seit Wochen im Kernerviertel täglich Messungen durchgeführt. Schweizer weist darauf hin, dass weitere Gebäudeeigentümer an der Kerner- und an der Werastraße Bauschäden melden würden.

Fragenkatalog an die Bahn geschickt

Die Bahn hatte angekündigt, einen Gebäudeteil der Kernerstraße 30 abzureißen. Im Februar hatten sich Risse in der Fassade gezeigt. Der Tunnelbau sei Auslöser der Schädigungen. „Das Ausmaß des Schadens ist jedoch auf eine nicht fachgerechte Ausführung beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg zurückzuführen“, hatte ein Projektsprecher auf Anfrage gesagt. Eine Sichtweise, die Schweizer so nicht stehen lassen will. „Wie kann man so etwas behaupten. Ob das Gebäude nicht fachgerecht ausgeführt wurde, sieht man doch erst, wenn es abgerissen ist.“ 70 Jahre sei das Gebäude ohne Schäden da gestanden – „und womöglich wäre das auch noch einmal 70 Jahre so gewesen“, sagt Schweizer. Unter dem Kernerviertel verzweigen sich die vom künftigen Bahnhof kommenden Tunnel in vier Röhren ins Neckartal und auf die Filder.

Schweizer und seine Mitstreiter haben der Bahn einen Fragenkatalog vorgelegt, der mehr als 20 Punkte umfasst. Auskunft verlangt das Netzwerk zu den Punkten „Tunnelvortrieb und Messungen“, „Hebungsinjektionen“ und „Bauschäden“. Zwar veröffentlicht die Bahn im Wochenrhythmus, um wie viel Meter das Tunnelgeflecht angewachsen ist. „Die auf der Webseite der PSU veröffentlichten Grafiken des Vortriebsstands sind nicht aussagekräftig, Veränderungen des Vortriebsstands nicht ablesbar und daher als Information völlig unzureichend“, schreibt Schweizer. Im März hätten er und andere Anwohner an einer Führung in den Tunneln teilgenommen. Dabei hätten Bahnmitarbeiter auf ihren Smartphones detaillierte Informationen darüber abrufen können, wo sich der Tunnelfortschritt aktuell befindet.

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