Heimat-Check Kreis Esslingen Radverkehr wird vielerorts ausgebremst

Wendlingen ist laut Bürgermeister Steffen Weigel gut an den Schienenverkehr angeschlossen. Foto: Ines Rudel

Angesichts des Klimawandels wollen viele Menschen für die Verkehrswende in die Pedale treten oder öfter Bus und Bahn nutzen. Doch mancherorts ist das nicht leicht. Der Ruf nach mehr Radwegen und einem besseren öffentlichen Nahverkehr hallt quer durch die Kommunen im Kreis Esslingen.

Die Richtung ist klar: Angesichts des Klimawandels streben die Kommunen im Landkreis Esslingen die Verkehrswende an. Ziel ist es dabei, immer mehr Menschen zum Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn oder auf das Fahrrad zu bewegen – und damit den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid zu verringern. Doch das ist nicht immer leicht. Denn mancherorts fehlt es an sicheren Fahrradwegen, einem durchgängigen Radnetz oder einem gut getakteten öffentlichen Nahverkehr.

 

So zumindest sehen es viele, die am Heimat-Check unserer Zeitung teilgenommen haben. Gefragt wurde dabei, wie gut die jeweilige Gemeinde an den öffentlichen Nahverkehr angebunden ist und wie zufrieden die Teilnehmer mit dem Radwegenetz in ihrer Gemeinde sind. Insgesamt kam der Landkreis bei der Bewertung auf 5,85 Punkte auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) und liegt damit im Mittelfeld. Dass es bei dem Thema noch Luft nach oben gibt, zeigen auch die Kommentare der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. So wurden quer durch die Kommunen mehr und sicherere Radwege, eine bessere Anbindung mit Bus und Bahn sowie eine engere Taktung der öffentlichen Verkehrsmittel gefordert.

Selbst beim Spitzenreiter sieht man noch Verbesserungspotenzial

Selbst in Wendlingen, das mit 7,28 von möglichen 10 Punkten am besten abgeschnitten hat von den Kommunen im Kreis Esslingen, scheint man noch Verbesserungspotenzial zu sehen. „Die Berücksichtigung des Radverkehrs ist ausbaufähig“, schreibt etwa ein Wendlinger. „Es wird leider immer noch zu wenig für sichere Radwege unternommen“, ein anderer. Oder: „Anschluss an die Bahn zum Flughafen wäre super.“

Auf den Spitzenreiter Wendlingen folgt mit nur wenig Abstand (7,25 Punkte) Kirchheim auf Platz zwei. Auch die Plätze drei bis sechs liegen nah beieinander, angeführt von Lenningen mit 7,18 Punkten, gefolgt von Bissingen mit 7,17 Punkten sowie Ostfildern (7,14 Punkte) und Plochingen (7,08 Punkte). Schlusslicht bei den Städten im Kreis ist Aichtal mit 5,29 Punkten, das damit auf Platz 34 von 44 landet. Noch schlechter schneiden nur Gemeinden ab, etwa Neuhausen mit 4,66 Punkten (Platz 40). Nürtingen fährt mit 5,47 Punkten (Platz 32) das schlechteste Ergebnis der Großen Kreisstädte ein. Esslingen liegt mit Platz 23 (6,02 Punkte) im Mittelfeld.

In Wendlingen freut man sich über den Spitzenplatz und führt diesen unter anderem auf eine laut Bürgermeister Steffen Weigel sehr gute Anbindung ans Schienennetz zurück. Wendlingen sei über den Metropolexpress sowohl in Richtung Tübingen als auch in Richtung Stuttgart sehr gut angebunden sowie über die S 1 nach Kirchheim und Stuttgart. Zudem habe man in den vergangenen Jahren Verbesserungen beim innerörtlichen Busverkehr erreicht, die durch Verbindungen in Umlandkommunen sowie einen Bürgerbus ergänzt würden. Hinzu komme ein Car-Sharing-Verein und die gute Anbindung an überörtliche Radwege sowie der Ausbau des Radwegenetzes. Allerdings fehlt laut Weigel noch die direkte Verbindung auf die Fildern, sowohl beim Rad- als auch beim Schienenverkehr.

In Kirchheim geht man davon aus, dass die gute Bewertung damit zu tun haben könnte, dass man sich seit vielen Jahren mit der Verkehrswende beschäftige. Am Bahnhof seien Busse und Bahnen gut aufeinander abgestimmt, zudem spiele die Nutzung des Fahrrads auf Alltagswegen eine wichtige Rolle. Es gebe Radabstellanlagen, ein konsequent beschildertes Radwegenetz und Aktionen zur Sensibilisierung der Bevölkerung – allerdings auch noch Verbesserungspotenzial, das man angehen wolle.

Nürtingen führt Noten auf Zustand des Omnibusbahnhofs zurück

In Nürtingen glaubt man, dass die vergleichsweise schlechten Noten mit dem Zustand des Zentralen Omnibusbahnhofs zusammenhängen könnten, der demnächst saniert und neu gestaltet werden soll. Auch die Verspätungen und Ausfälle von Zügen aufgrund des Bahnstreiks Anfang des Jahres hätten wohl zur Unzufriedenheit beigetragen, sagt der Rathaussprecher Clint Metzger. Beim Radverkehr hingegen habe man zuletzt stetig Verbesserungen umgesetzt.

Aus Esslingen teilt Stadtsprecherin Nicole Amolsch mit: „Grundsätzlich arbeiten wir kontinuierlich daran, die Infrastruktur für umweltfreundliche Mobilität in Esslingen zu stärken – trotz des oftmals begrenzten Raums.“ Einer Bevölkerungsbefragung aus dem Jahr 2022 zufolge sei die Mehrheit der Esslinger zufrieden mit dem öffentlichen Nahverkehr – ein Drittel aber nicht zufrieden mit der Situation für Fahrradfahrende.

Worum es beim Heimat-Check geht

Stimmungsbild
 Der Heimat-Check unserer Zeitung in Kooperation mit dem Unternehmen Umfrageheld hat ein Stimmungsbild in allen 140 Kommunen der Kreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr erhoben. Vom 10. Juni bis zum 2. Juli konnte online das Votum abgegeben werden. Insgesamt 15 120 Menschen nahmen teil. Den Anspruch, repräsentativ zu sein, erhebt der Heimat-Check ausdrücklich nicht.

Systematik
In 14 Kategorien wurden je zwei Fragen gestellt, die auf einer Skala von eins (schlecht) bis zehn (sehr gut) beantwortet werden konnten. Dabei ging es um die Themen Lebensqualität, Gastronomie, Immobilienmarkt, Sport und Vereine, Familienfreundlichkeit, Gesundheitsversorgung, Sauberkeit, Sicherheit, Einzelhandel, Verkehr, Nahverkehr und Radwegenetz, Seniorenfreundlichkeit, Kultur und Freizeit sowie Digitalisierung, Energie und Klima.

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