Heimat-Check Kreis Ludwigsburg Wo ist die Lebensqualität am größten?

Besigheim rangiert in der Kategorie „Lebensqualität“ im Vergleich der Städte und Gemeinden im Kreis Ludwigsburg auf dem ersten Platz. Viele Kommunen erreichen ein gutes Ergebnis. Foto: Ralf Poller/Avanti

Im Rahmen unserer Heimat-Check-Umfrage konnten Menschen ihre Städte und Gemeinden bewerten. Wo im Kreis Ludwigsburg lebt es sich besonders gut? Der erste Platz ist keine Überraschung.

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Was macht das Leben lebenswert? Was bedeutet Lebensqualität? Leicht zu greifen ist das nicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert sie als „subjektive Wahrnehmung einer Person über ihre Stellung im Leben in Relation zur Kultur und den Wertsystemen in denen sie lebt und in Bezug auf ihre Ziele, Erwartungen, Standards und Anliegen“.

 

Wo ist die Lebensqualität im Kreis Ludwigsburg am höchsten? Das ist unserer Heimat-Check-Umfrage zu entnehmen, an der Menschen aus allen 39 Städten und Gemeinden teilgenommen haben. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, liefert aber ein Stimmungsbild. Die Fragestellung dazu lautete: „Wie bewerten Sie die Lebensqualität in Ihrer Stadt?“ Und: „Wie wird Ihre Stadt von Außenstehenden wahrgenommen?“

Besigheim thront ganz oben im Ranking

Es zeigt sich, Gründe zu beschweren gibt es viele, aber offenbar leben die meisten Menschen insgesamt gut und gerne im Kreis Ludwigsburg. Viele Kommunen erreichen in der Kategorie einen Wert jenseits von sieben Punkten. Ganz oben im Ranking landet mit Besigheim eine Kommune, die auch in vielen anderen Listen als besonders schön und besuchenswert eingestuft wird. Bei unserem Heimatcheck erreicht Besigheim in der Kategorie (1 bis 10 Punkte) einen Durchschnittswert von 8,78. Bürgermeister Steffen Bühler freut sich: „Für mich ist das aber nichts Neues“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Das gute Abschneiden der Kommune führt er auch auf Faktoren zurück, die unabhängig von Politik und Wirtschaft sind. Besigheim liegt zwischen zwei Flüssen, eingebettet in Steillagenhänge. Bis ins Grüne sind es für viele Bürger wenige Hundert Meter. „Und im Ort haben sie alles, was sie brauchen.“

Überraschender ist schon der Zweitplatzierte: Gerlingen (8,53). Denn mit Weinbergen und Flüssen kann die Strohgäu-Kommune nicht punkten. Für Rathauschef Dirk Oestringer ist es „das Gesamtpaket aus Leben und Arbeiten“, das seine Stadt ausmacht. „Es herrscht eine gute Grundstimmung, und das bringen die Menschen auch zum Ausdruck.“ Ein Teilnehmer unserer Umfrage formuliert es so: „Ich lebe einfach gerne in Gerlingen!“

Bottwartal-Kommunen liegen eng beieinander

Die Bottwartal-Kommune, die unter den durchweg guten Ergebnissen in dieser Gegend am besten abschneidet, ist Murr (8,22/Rang 5 im Kreisvergleich). Auch Oberstenfeld erreicht einen Wert über 8, es folgen Erdmannhausen (7,87), Großbottwar (7,75) und Affalterbach (7,68). Neben aktiven Vereinen, Festen, guten Einkaufsmöglichkeiten und den Naherholungsmöglichkeiten ringsum pickt Bürgermeister Torsten Bartzsch eine mögliche Erklärung heraus, die überrascht: die Topografie. „Bei uns ist es eben. Gerade für Senioren ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor“, sagt Bartzsch. Der Dorfplatz sei weiter „gut belebt“, überhaupt müsse sich die Gemeinde für das, was sie in Anbetracht ihrer Größe biete, „nicht verstecken“. Eine Lesermeinung bestätigt das: „An Murr gibt’s nichts zu meckern. Wir sind aufgestellt wie manche Städte.“

Dass es in Ludwigsburg, der größten Stadt im Kreis, viel zu tun gibt, zeigen die mehr als 120 Verbesserungsvorschläge, die allein aus der Barockstadt eingegangen sind. „Gemessen an vielen Gemeinden in Deutschland geht es einem in Ludwigsburg sehr gut“, heißt es beispielsweise. Der Wert von 7,97 (Rang 8) zeigt auch insgesamt eine hohe Zufriedenheit. Oberbürgermeister Matthias Knecht hebt besonders den Zusammenhalt in den Stadtteilen hervor, außerdem die Möglichkeiten zur Naherholung: allen voran das Blüba. Die Gartenanlage loben auch Leserinnen und Lesern mehrfach.

In Kornwestheim muss man mit den Gegebenheiten umgehen

Zu wenig Grün hingegen ist einer der Gründe dafür, dass Kornwestheim im Vergleich einen der hinteren Ränge belegt (6,48). „Mehr Fläche darf nicht zubetoniert werden. Wir brauchen Natur, Frischluft-Schneisen und unsere Parks zur Erholung“, merkt ein Teilnehmer an. Der Erste Bürgermeisters Daniel Güthler kennt das Problem und bringt es auch selbst in puncto Lebensqualität vor: „Wir sind eine der am stärksten versiegelten Kommunen“, so Güthler. Das schränke die Aufenthaltsqualität natürlich ein, aber „mit diesen Grundstrukturen“ gelte es klarzukommen. „Aber das Miteinander ist gut“, sagt Güthler, „das ist auch ein Faktor.“

Am schlechtesten im Kreis schneidet Sachsenheim in puncto Lebensqualität ab (5,65). „Wir kennen unsere Schwächen“, sagt Sprecher Arved Oestringer. In erster Linie seien die Menschen mit dem Zustand der Innenstadt unzufrieden, ein Stadtentwicklungskonzept soll die Situation verbessern.

Worum es beim Heimat-Check geht

Stimmungsbild
 Der Heimat-Check unserer Zeitung in Kooperation mit dem Unternehmen Umfrageheld hat ein Stimmungsbild in allen 140 Kommunen der Kreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr erhoben. Vom 10. Juni bis zum 2. Juli konnte online das Votum abgegeben werden. Insgesamt 15 120 Menschen nahmen teil. Den Anspruch, repräsentativ zu sein, erhebt der Heimat-Check ausdrücklich nicht.

Systematik
 In 14 Kategorien wurden je zwei Fragen gestellt, die auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 10 (sehr gut) beantwortet werden konnten. Dabei ging es um die Themen Lebensqualität, Gastronomie, Immobilienmarkt, Sport und Vereine, Familienfreundlichkeit, Gesundheitsversorgung, Sauberkeit, Sicherheit, Einzelhandel, Verkehr, Nahverkehr und Radwegenetz, Seniorenfreundlichkeit, Kultur und Freizeit sowie Digitalisierung, Energie und Klima.

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