In Rutesheim fühlen sich die Menschen besonders sicher – sicherer zumindest als anderswo im Gebiet Leonberg-Strohgäu. Ganz anders sieht es in Korntal-Münchingen aus: Die Stadt belegt den letzten von neun Plätzen, mit doch einigem Abstand zum Achtplatzierten, zu Leonberg. Auf einer Skala von der schlechtesten Bewertung Eins bis zur positivsten, Zehn, erreicht Rutesheim 6,96, Leonberg 6,29 und Korntal-Münchingen 5,88.
„Wir können das Ergebnis nicht nachvollziehen. Denn sowohl die Zahlen der Kriminalstatistik als auch unsere Beobachtungen decken sich nicht mit dem Ergebnis des Heimatchecks“, sagt Korntal-Münchingens Bürgermeister Alexander Noack.
Unterschiedliche Stadtteile prägen die Stadt
Korntal-Münchingen sei ein „sehr sicherer Ort“, sagt der Bürgermeister. Er verweist dabei auf die Kriminalstatistik aus dem Jahr 2022. „Wir haben in der Kriminalitätsbelastung eine Häufigkeitsziffer von 3745 Straftaten pro hunderttausend Einwohner. „Damit liegen wir deutlich unter dem Landesschnitt von 4944 und dem Schnitt des Landkreises Ludwigsburg von 3927.“ Bezogen auf den Kreis Ludwigsburg rangiert die Stadt in der Wahrnehmung der Bürger im letzten Drittel des Rankings von 39 Kommunen.
Die aus mehreren Ortsteilen bestehende Stadt ist bis heute vor allem geprägt durch sehr unterschiedliche Stadtteile. Während das einstige Bauerndorf Münchingen weiterhin dörfliche Strukturen aufweist, ist Korntal seit jeher zur Landeshauptstadt hin orientiert. Möglicherweise spielt auch dies eine Rolle beim Thema Sicherheitsgefühl.
Das Sicherheitsgefühl der Rutesheimer ist ein anderes. Die Stadt kommt auf einen Wert von 6,96 und liegt an der Spitze.
Für die Rutesheimer Bürgermeisterin Susanne Widmaier liegen die guten Werte für ihre Stadt auch in der Bevölkerungsstruktur begründet. „In Rutesheim haben wir noch eine sehr intakte Gesellschaft: Man kennt sich und unterstützt sich. In größeren, anonymeren Städten ist das sicher viel schwieriger, aber in Rutesheim halten die Bevölkerung und die Nachbarschaft zusammen.“
Für die Polizei indes ist die Diskrepanz zwischen Zahlen und subjektiver Wahrnehmung nicht ungewöhnlich – und auch kein örtlich begrenztes Phänomen. „Die Polizei des Landes verfolgt stetig landesweit verschiedene Ansätze, um das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger zu stärken“, heißt es dazu vom Landeskriminalamt. Flächendeckend entwickelten Präventionsbeamtinnen und -beamte in den landesweit 13 Polizeipräsidien gemeinsam mit Kommunen und anderen Institutionen lokale Präventionsstrategien. Dazu gehören unter anderem die polizeiliche Beteiligung an Planungsprozessen, Ortsbegehungen und Bürgerbefragungen sowie die sichtbare Präsenz an belebten Orten.
Nicht immer sind große Veränderungen erforderlich, um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen. So spielt neben diesen Aspekten auch die Beleuchtung eine zentrale Rolle – sind Wege und Straßen in der Nacht hell genug? Geht es allein danach, so ist etwa der Verbindungsweg zwischen Korntal und Münchingen aus Sicht mancher Umfrageteilnehmer unzureichend beleuchtet. Der Fußweg ist im Wesentlichen die einzige Verbindung zwischen den beiden Ortsteilen.
Nicht zu unterschätzen ist auch die Sauberkeit in einem Ort – ein Aspekt, der weit mehr umfasst, als die achtlos weggeworfene Zigarettenkippe oder Verpackungsschachtel. „Unser Ordnungsamt und der Bauhof arbeiten eng mit der Polizei zusammen“, sagt Rutesheims Bürgermeisterin Widmaier. „Sobald Verschmutzungen, Graffiti oder Beschädigungen festgestellt werden, wird dies sofort zur Anzeige gebracht und entfernt.“
Damit allein ist es freilich nicht getan. Personen, die öfters unangenehm auffallen, erhielten einen Platzverweis oder ein Aufenthaltsverbot, sagt die Rutesheimer Bürgermeisterin. „Wichtig ist aus unserer Sicht: Nicht wegsehen, sondern aktiv handeln.“
Zusätzliches Personal für die Sicherheit
Das gelingt sowohl in Rutesheim als auch in Korntal-Münchingen mithilfe von weiterem Personal. „Wir haben seit Jahren eine Citystreife beauftragt, die mehrmals die Woche viele Örtlichkeiten anfährt und nach dem Rechten sieht, auch offene Türen und Fenster verschließt. Sie arbeitet aktiv mit der Polizei zusammen“, sagt Widmaier. Ihr Amtskollege Noak verweist auf die Präsenz des eigenen Vollzugsdienstes, der Kooperation mit einem Sicherheitsdienst. Künftig sollen außerdem Streetworker verstärkt auf auffällige Jugendliche zugehen, um ihnen Angebote in der Stadt zu machen.