Heimat-Check Leonberg und Strohgäu Die Menschen wollen mehr als nur einkaufen

Themen wie die lange Einkaufsnacht kommen gut an – sind aber nicht allein verantwortlich für zufriedene Kundschaft. Foto: Jürgen Bach Foto:  

Die Stadt Gerlingen erreicht beim Heimat-Check im Altkreis-Ranking den Spitzenwert von 7,65 in der Kategorie Einzelhandel, Korntal-Münchingen belegt abgeschlagen den letzten Platz. Eine attraktive Innenstadt bietet aber nicht bloß Einkaufsmöglichkeiten.

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Für Heike Bischoff ist klar, warum der Einzelhandel in Gerlingen punktet, obwohl die Angebotspalette nicht vollständig sei. „Die vielen Fachgeschäfte bieten persönliche und individuelle Beratung mit unterschiedlichster Serviceleistung“, sagt die Vorsitzende des Stadtmarketingvereins „Mein Gerlingen“. Sehr engagiert seien die oft inhabergeführten Einzelhändler bei den Veranstaltungen und Aktionen – der Kulturnacht, dem Nachtschwärmen, den Abendspaziergängen, der Eisbahn. „Alle haben im Blick, die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt noch weiter zu verbessern“, sagt Heike Bischoff, die damit auch die Stadtverwaltung und den Gemeinderat meint.

 

Beim Heimat-Check unserer Zeitung belegt Gerlingen im Gebiet Leonberg-Strohgäu beim Einzelhandel mit einem Wert von 7,65 Platz eins (von neun Plätzen). 6,51 ist der Durchschnittswert – der besser ist als der Wert der gesamten Region Stuttgart (5,87). Auch im Kreis Ludwigsburg liegt Gerlingen mit Platz vier weit vorn (bei 39 Plätzen).

Veranstaltungen gehören dazu

Gerlingen arbeitet laut Bischoff gezielt daran, auch externe Einzelhändler von der Attraktivität der Stadt zu überzeugen und anzusiedeln. Ein Wunsch sei, dass das Angebot in den Segmenten Herrenausstattung und -schuhe sowie Kochkultur und Haushaltswaren vertieft würde, sagt die Frau vom Stadtmarketing. Maßnahmen wie mehr Grün helfen dabei, das „Wohlfühlen beim Einkaufsbummel“ noch zu steigern. „Auch das neue Mobilitätskonzept wird positive Impulse für die Erreichbarkeit der Innenstadt, das Parken oder eine bessere Verknüpfung mit dem Nahverkehr erzeugen.“

Fast so gut wie Gerlingen steht Rutesheim da. Der Wert von 7,60 beschert der Stadt auch im Kreis Böblingen Platz zwei bei 26 Kommunen. Rutesheim zeichnet laut der Bürgermeisterin ein „sehr guter Branchenmix und so gut wie kein Leerstand“ aus. „Im Zentrum macht es Spaß, zu bummeln oder sich kulinarisch verwöhnen zu lassen“, meint Susanne Widmaier. Das Mobilitätskonzept bescheinigt ausreichend kostenlose Parkplätze im Zentrum. Am Ortsrand finden die Menschen neben Lebensmitteln einen Drogerie- und Baumarkt sowie andere Märkte. Zudem hat die Stadt erfolgreich für den Erhalt des Wochenmarkts gekämpft und regelmäßig Veranstaltungen wie zuletzt der beliebte „Sommer im Städtle“.

Worauf es bei der Innenstadtentwicklung ankommt

Dass ein großes Einkaufscenter nicht automatisch die Bestnote bringt, zeigt Leonberg. Trotz des Leo-Centers schneidet die Stadt im Gebiet Leonberg-Strohgäu mit 6,53 schlechter ab als Gerlingen, Rutesheim, Renningen und Weil der Stadt. Sindelfingen kommt trotz des Breuningerlands oder Stern-Centers nicht überragend weg (5,71).

Um attraktiv zu sein, brauchen Orte mehr als nur (guten) Einzelhandel. „Die Mischung macht’s“, sagt Gerhard Beck, Geschäftsleiter bei der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung in Ludwigsburg. Gastronomie, Dienstleister, Ärzte, öffentliche Einrichtungen, aber auch das Wohnen würden für die Innenstädte an Bedeutung gewinnen. „Das Ganze noch verbunden mit ansprechender Gestaltung und Aufenthaltsmöglichkeiten auch im konsumfreien Raum kann auch kleinere Innenstädte attraktiv machen.“

Was sich die Leonberger wünschen

Leonbergs Citymanagerin Nadja Reichert verweist auf die Teilnahme am Förderprojekt „IHK-Innenstadtberatung“, um das Zentrum weiterzuentwickeln und zukunftsfähig zu machen. Die Bürger würden sich noch kleine, inhabergeführte Läden mit Fachsortiment wünschen oder einen zentralen Biergarten mit Kinderspielbereich. Anders als viele andere Kommunen, sagt Nadja Reichert, bestehe der Einzelhandelsstandort Leonberg aus gleich drei gewachsenen, ganz individuellen Bereichen – Altstadt, Stadtmitte und Eltingen. Hinzu komme der zentrale Food-, Drogerie- und Baumarktbereich in der Römerstraße. Das Leo-Center ist laut Reichert ein „zentraler Einkaufstreffpunkt“ und „wichtiger Frequenzbringer“.

Korntal-Münchingens Rathauschef Alexander Noak versteht das schlechte Ergebnis (4,68) „nur teilweise“. Man stärke die Mitten seit Langem. In Münchingen könnte Ursache sein, dass ein Vollsortimenter fehlt – noch, er entsteht gerade. Die zentrumsnahen Vollsortimenter böten Basis und Chance für eine weitere Belebung der Mitten. Münchingens Durchfahrt wird umgebaut, die Stadt kämpft für eine Drogerie. In Korntal wird die Haupteinkaufsstraße, die Johannes-Daur-Straße, umgestaltet. Der Bürgermeister sieht aber auch die Bürger in der Pflicht. „Wir appellieren dazu, lokal einzukaufen.“ Die Verbraucher hätten durch ihre Kaufentscheidungen den größten Einfluss auf den Markt.

Worum es beim Heimat-Check geht

Stimmungsbild
 Der Heimat-Check unserer Zeitung in Kooperation mit dem Unternehmen Umfrageheld hat ein Stimmungsbild in allen 140 Kommunen der Kreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr erhoben. Vom 10. Juni bis zum 2. Juli konnte online das Votum abgegeben werden. Insgesamt 15 120 Menschen nahmen teil. Den Anspruch, repräsentativ zu sein, erhebt der Heimat-Check ausdrücklich nicht.

Systematik
 In 14 Kategorien wurden je zwei Fragen gestellt, die auf einer Skala von eins (schlecht) bis zehn (sehr gut) beantwortet werden konnten. Dabei ging es um die Themen Lebensqualität, Gastronomie, Immobilienmarkt, Sport und Vereine, Familienfreundlichkeit, Gesundheitsversorgung, Sauberkeit, Sicherheit, Einzelhandel, Verkehr, Nahverkehr und Radwegenetz, Seniorenfreundlichkeit, Kultur und Freizeit sowie Digitalisierung, Energie und Klima.  

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