Heimat Stuttgart: Uhlbach Sorge um ein Stück Heimat

Sie lieben ihren Ochsen. Uta und Elke Wagner fürchten allerdings, dass es in Uhlbach, ebenso wie im Einzelhandel, künftig auch in der Gastronomie schwieriger wird. Foto: Steinert
Sie lieben ihren Ochsen. Uta und Elke Wagner fürchten allerdings, dass es in Uhlbach, ebenso wie im Einzelhandel, künftig auch in der Gastronomie schwieriger wird. Foto: Steinert

Stuttgart-Uhlbach - Inmitten der Weinberge gelegen, mit einem 400 Jahre alten Rathaus, einer historischen Kirche und einer alten Fachwerkkelter, in der das Weinbaumuseum untergebracht ist: Uhlbach hat bis heute seinen dörflichen Charakter bewahrt. Diese Idylle wissen auch Uta und Elke Wagner zu schätzen.

Die Schwestern gehören zu Uhlbach – genau wie ihr Restaurant. Der Ochsen liegt im Ortskern und ist seit 1883 im Familienbesitz. Damals kaufte der Urgroßvater von Uta und Elke Wagner die Schankwirtschaft, zu der bis in die sechziger Jahre eine Metzgerei gehörte. Daher auch der Name: „Ochsen waren immer Metzgerei-Wirtschaften, so wie das Lamm üblicherweise den Bäckereien vorbehalten war“, sagt Uta Wagner. Über ihre Mutter wurde die Gartenwirtschaft schließlich an die 58-Jährige und ihre zwei Jahre jüngere Schwester vererbt.

Die beiden Frauen sind sehr unterschiedlich, nicht nur äußerlich. Während Elke Wagner schwerpunktmäßig für die Küche zuständig ist, gerne auch selbst hinter dem Herd steht, kümmert sich Uta Wagner eher um die Organisation. Eine Aufgabenteilung, die mit den unterschiedlichen Werdegängen zu tun haben dürfte. Elke Wagner hat eine klassische Gastronomieausbildung, während ihre ältere Schwester Betriebswirtschaft studiert hat. Doch so verschieden die Ochsenwirtinnen auch sind, bei der Ausrichtung ihres Restaurants sind sie sich einig. „Wenn man ein bisschen Zeit hat, schwätzt man mit den Gästen“, sagt Elke Wagner. Und Uta Wagner ergänzt: „Wir lassen die Gäste in unser Haus“, schließlich ist der Ochsen auch das Wohnhaus der Schwestern.

„Es wohnen wesentlich mehr Fremde hier als früher“

Ähnlich wie in Uhlbach ist in der Gartenwirtschaft die Zeit ein bisschen stehen geblieben. Der Gastraum ist rustikal eingerichtet. Die Gäste werden an den großen Holztischen einfach zusammengesetzt. Ein Konzept, das zwar nicht jedem gefällt, eingeschworene Stammgäste aber immer wieder in den Ochsen lockt. Ein Gast, der vor Jahren nach Südafrika ausgewandert ist, schaue zum Beispiel bei jedem seiner Deutschlandbesuche vorbei, erzählt Uta Wagner. Für ihn ist der Ochsen ein Stück Heimat.

Ein Gefühl, das die Schwestern ebenfalls mit Uhlbach verbinden. „Es ist ein wunderbarer Stadtteil“, schwärmt Uta Wagner. Dennoch blicken die Gastronominnen nicht durch die rosarote Brille auf ihren Heimatort. Auch wenn Uhlbach nach wie vor ein idyllisches Fleckchen Erde ist, der Ort hat sich verändert. Früher sei der Stadtteil in erster Linie ein beliebtes Ausflugsziel gewesen, heute sei er hingegen eher ein beliebter Wohnort. „Es wohnen wesentlich mehr Fremde hier als früher“, sagt Elke Wagner. Das Hauptproblem sehen die Frauen darin, dass sich die Bewohner des Ortes oft nicht mehr kennen. „Es gibt keinen automatischen Treffpunkt mehr“, sagt Uta Wagner. Natürlich würden sich die Menschen nach wie vor in Vereinen oder bei Dorffesten treffen, aber früher seien sie sich ständig bei ihren ganz normalen Alltagsbesorgungen über den Weg gelaufen. Doch der Lebensmittelladen am Uhlbach Platz hat bereits Anfang 2011 dicht gemacht, die Post ist weg, und im August dieses Jahres hat auch die Götzenberg-Apotheke geschlossen. Eine Entwicklung, die Uta und Elke Wagner mit Sorge beobachten. „Ich sehe das Gleiche für die Gastronomie auf uns zukommen“, prophezeit Uta Wagner. Schon jetzt gebe es im Ort nur noch vier Restaurants, allesamt Familienbetriebe – und die Nachfolgersuche könnte eines Tages nicht ganz leicht werden.

Ganz gleich, wie beschaulich ein Stadtteil durch seine schöne Lage und seine historischen Bauten auch ist, ohne Orte, an denen sich die Menschen begegnen, verliert er seinen dörflichen Charakter.