Heimsheim Das Pferd hat niemals Schuld

Von Ulrike Amler 

Pferdetrainer Michael Geitner hat bei der Equinight über Erlebnisse aus 20 Jahren Trainerdasein geplaudert.

Michael Geitner hat mit vollem Körpereinsatz erklärt. Foto: Andreas Gorr
Michael Geitner hat mit vollem Körpereinsatz erklärt. Foto: Andreas Gorr

Heimsheim - Nicht der Hausfreund der eigenen Frau ist die größte Konkurrenz für einen in einer Beziehung lebenden Mann, sondern ein Pferd. Das konnte Michael Geitner, der renommierte Pferdetrainer aus dem oberbayerischen Rechtmehring, seinen zahlreichen reitenden Zuhörerinnen und ebenso vielen begleitenden Nichtreitern glaubhaft versichern. Vollgepackt mit Anekdoten aus mehr als 20 Jahren Trainererfahrung hat der Pferdemann einen unterhaltsamen Comedy-Abend gestaltet. Gespickt mit meist witzigen, teils bissigen Geschichten rund um das Pferd und seine zweibeinigen Familienmitglieder hat Geitner die Lachmuskeln von Insidern und stillen Beobachtern der Szene sowie die pferdegeschädigten Familienangehörigen strapaziert.

Neben seinen Frotzeleien über Schüler, Trainerkollegen und Pferde hat er auch sich selbst als Teil dieser, dem Pferd verfallenen Szene nicht ausgenommen. „Einen Schaden haben wir sowieso alle“, ist sein Fazit, und sein eigner Weg ins Rampenlicht der Gurus und Pferdeflüsterer führte, so Geitner, über ein Casting. „Man hat ein deutsches Gegengewicht zu Monty Roberts gesucht. Die Betonung liegt auf Gewicht“, verweist der Pferdemann lachend auf die eigene Statur.

Die Welt von Michael Geitner ist normalerweise blau-gelb. Auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse wie dem dichromatischen Sehvermögen von Pferden, die nur Graustufen sowie die Farben Blau und Gelb erkennen können, hat Geitner ein Trainingskonzept zur besseren Balance des Pferdehirns und -körpers entwickelt. Schon seit fast 20 Jahren wirbt er mit „Be strict!“ für einen pferdegerechten Umgang mit den Tieren. Der Pferdetrainer ist bekannt für seine klaren Ansagen. All seinen Trainingsprogrammen liegt ein Grundprinzip der klaren Rangordnung zugrunde.

Geht das Pferd für einen durchs Feuer?

„Wer bewegt wen?“, ist die entscheidende Frage um die Führungsposition in der Mensch-Pferd-Beziehung. Die sei nicht immer klar, vermittelt der Trainer und Kabarettist. Wer bewegt werde, habe nichts zu sagen. „Das Pferd steigt seiner Besitzerin auf den Fuß und bekommt ein Leckerli. Du fragst warum und erhältst zur Antwort, er sei ja nicht gebrochen“, bemerkt Geitner mit bissiger Ironie in Richtung der Kampfstreichler und Vertreter der Theorie, das Pferd sei niemals Schuld an etwas. „Ich glaube, Pferde sehen uns wie einen überdimensionierten Futtersack“, ist der Trainer überzeugt. So gebe es unter Pferdeleuten so manche gefährliche Fehleinschätzung wie die, dass das Pferd mit seinem Menschen durchs Feuer ginge. „Wenn es ernst wird, sagt dein Pferd, ich kann dich jetzt wirklich nicht gebrauchen“, entgegnet der mit Problempferden erfahrene Geitner.

Der Trainer zieht immer wieder zahlreiche Parallelen zur Beziehungswelt der Menschen, die nach Geitner durch ein Pferd erheblich in Mitleidenschaft gezogen werde. Insbesondere spätberufene Pferdenärrinnen änderten plötzlich ihre Prioritäten. Statt der Wertschätzung eines sportlichen Autos steht plötzlich die Frage nach „Was zieht der? im Fokus der Gattin. „Das ist unerotisch“, gibt der Pferdemann zu. „Dein Auto verändert sich“, sagt der Kabarettist , „vor allem innen!“

Elvira Höfer ist begeistert von der Show: „Es waren so viele Aha-Effekte. Wir haben auch Kinder und zwei Pferde. Mein Mann hilft, soweit er kann.“ „Für mich ist das Pferd ein Familienmitglied, und der Partner muss pferdekompatibel sein“, ist Judith Krummacker nach der Show überzeugt. Sie werde schon sehr mütterlich und übertreibe es manchmal. Da sei Michael Geitner so etwas wie ein Spiegel, erklärt die Trainerin, die selbst nach den Konzepten des Bayern arbeitet.