Heinz Strunk liest in Stuttgart Schräger Vogel, bunter Hund

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Heinz Strunk hat in Stuttgart sein neues Buch vorgestellt. Bei aller Schwermut geriet das erwartungsgemäß sehr lustig.

Spaßvogel mit Tiefsinn: der Bestsellerautor Heinz Strunk Foto: dpa
Spaßvogel mit Tiefsinn: der Bestsellerautor Heinz Strunk Foto: dpa

Stuttgart - Sonntagabend, „Tatort“-Zeit. Rund vierhundert Zuhörer im bestens gefüllten Alten Feuerwehrhaus in Heslach trotzen dem TV-Ritual, um sich stattdessen von einem besonders komischen Vogel unterhalten zu lassen. Heinz Strunk heißt er, beziehungsweise eigentlich Mathias Halfpape, Bestsellerautor ist er seit seinem Romandebüt „Fleisch ist mein Gemüse“. Sechs weitere tolle Romane hat er danach geschrieben, überdies Musik gemacht, Hörspiele, in Filmen mitgewirkt und sonstigen Schabernack fabriziert. Nicht nur ein komischer Vogel, sondern auch ein bunter Hund ist er.

Im klassischen schwarzen Anzug indes kommt er strammen Schrittes auf die Bühne geeilt, um nun seinen ersten Kurzgeschichtenband vorzustellen, genannt „Das Teemännchen“, gebunden erst vor zwei Monaten erschienen, aber jetzt schon in der zweiten Auflage gedruckt. „Nicht auf dem Dampfer der Heiterkeit, sondern auf dem Tanker der Schwermut“ sei man hier und heute zusammengekommen, juxt Strunk gleich zu Beginn der Lesung, die er abhalte, „weil wir das Prekariat nicht RTL 2 überlassen dürfen“. Wohl gesprochen und sogleich die Kernbotschaft des Strunk’schen Wirkens auf den Punkt gebracht. In seinen Romanen geht es fast immer um die gelinde gesagt Pechvögel, realistischer gesprochen die Loser des Lebens: Gestrandete, Gescheiterte, Benachteiligte. Und so in kondensierter Form auch im „Teemännchen“-Band, der gleich eine ganze Armada von ihnen in seinen Kurzgeschichten und Miniaturen versammelt.

Heiterkeit in Heslach kommt dennoch auf, weil der stets mit der arglosen Leutseligkeit kokettierende, aber gewitzt-gerissene Hamburger die Macken, Schrullen und Versehrungen seiner Protagonisten so punktgenau treffend und zugleich empathisch beschreiben kann, dass aus jedem Malus auch ein kleiner Bonus wird. Ehe er mit donnerndem Applaus verabschiedet wird, greift er schließlich zur Querflöte, spielt mit Aplomb „Griechischer Wein“, weil’s erstens zur vorgetragenen Geschichte passt und zweitens, wie Strunk bemerkt, „in Deutschland ja immer gerne gesehen wird, wenn einer auch ein Handwerk beherrscht“. So gesehen beherrscht Strunk also gleich zwei davon. Und zwar blendend.




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