Heinz Strunks neues Buch Der Autor und die Liebe

Heinz Strunk am 15. Juli mit seinem neuen Werk Foto: dpa/Marcus Brandt
Heinz Strunk am 15. Juli mit seinem neuen Werk Foto: dpa/Marcus Brandt

Das neue Buch des Satirikers Heinz Strunk ist soeben erschienen. „Es ist immer so schön mit dir“ bezeichnet er als „etwas andere Facette“ des Liebesromans.

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Hamburg - Nun hat der Hamburger Schriftsteller Heinz Strunk („Der goldene Handschuh“) also einen Liebesroman geschrieben. Seine Fans müssen sich aber keine Sorgen machen: Der 59-jährige Satiriker und Musiker bleibt sich und seinem Stil treu. Auch in „Es ist immer so schön mit dir“ herrscht die Strunk-typische Tristesse, er beschreibt er die katastrophale Liebesgeschichte eines vom Leben gezeichneten Musikers.

Er wolle „dem unendlichen Kanon der Liebesgeschichten im weitesten Sinne irgendwie eine Facette hinzufügen, die es so vielleicht noch nicht gegeben hat“, sagte Strunk in Hamburg. Schweigen, Ohnmacht, Verzweiflung und ewige Leidensverlängerung – er wollte das Innenleben einer Beziehung erzählen, wie sie gar nicht so unüblich sei.

Eine toxische Beziehung

Das Buch ist am 20. Juli bei Rowohlt erschien. Im Mittelpunkt steht wie schon in Strunks Roman „Fleisch ist mein Gemüse“ ein Musiker, dem der Erfolg versagt geblieben ist. Nun hält er sich mit seinem Ein-Mann-Tonstudio über Wasser. Doch es geht weniger um die totgelaufene Karriere des Musikers als um dessen Beziehungen zu Frauen.

Auch diese Herausforderung meistert er nur mäßig. Seine langjährige Beziehung zu Julia langweilt den Mann in seinen Vierzigern so sehr, wie er sich auch selbst langweilt. Und dann taucht plötzlich die jüngere Vanessa auf und eine toxische Verbandelung beginnt. Der Protagonist verstrickt sich mit ihr in eine durchaus ungesunde Beziehung voller Zweifel, Machtspiele, Unterwürfigkeit, Sehnsucht, Abscheu, unerwartetem Glück und totaler Zerrissenheit.

Strunk sieht sich nicht als Pessimist

Strunk spart nicht mit den für ihn üblichen Beschreibungen der Menschen, der Räume, der Gefühle und der dazugehörigen abgründigen Gedanken. Die sind vor allem düster, unschön bis hässlich und meist recht beklemmend. „Eigentlich ist meine Sicht auf die Menschen gar nicht so schlecht, sondern realistisch“, sagt Strunk auf die Frage, ob er Menschen vielleicht nicht so recht mag. Auch seine Grundeinstellung zum Leben sei nicht grundsätzlich negativ: „Obwohl ich ein grundsätzlich eher schwermütigeres Naturell habe, bin ich aber kein Pessimist.“

Er mache „ja mit jedem Buch irgendwie ein neues Fass auf“, sagt Strunk. Auch dieses trage zum Teil wieder biografische Züge – aber eben nur zum Teil. „Das ist im Grunde das komprimierte Erleben aus 40 Jahren Liebesleben und Beziehung.“ Bis 2012 habe er sich für seine Bücher noch aus seinem biografischen Fundus bedient. „Die Erlebnisdichte meines Lebens ist nicht sonderlich hoch. Da muss man dann eben auch in der Lage sein, das zu fiktionalisieren; sich was auszudenken.“ Auch die Frauen in seinem Roman haben deshalb keine konkrete Frau zum Vorbild. „Sie sind die Summe aus vielen.“

Disziplinierte Arbeit mit der Eieruhr

2014 hatte er bereits die erste Fassung des Buches geschrieben. Dann hielten ihn andere Projekte wie zum Beispiel Fatih Akins Verfilmung des „goldenen Handschuhs“ davon ab. Erst 2018 hat er sich an die Bearbeitung der Rohfassung gesetzt – mit der für ihn üblichen, disziplinierten Herangehensweise. „Ich stelle mir immer meinen digitalen Eierwecker. Der steht gerade auf genau 61 Minuten. Ich verordne mir genau vier Arbeitseinheiten à eine Stunde, wenn ich im Schreibmodus bin“, sagt Strunk. Dabei schreibe er am liebsten am Laptop in seinem braunen Wohnzimmersessel seiner Wohnung in Hamburg-Altona.

„Es ist immer so schön mit dir“ ist ein etwas anderer Liebesroman, der zu Strunk passt. Die Lektüre kann wie immer bei ihm emotional schmerzhaft sein, und die gesamte Zeit über droht Unheil. Der Autor macht das verlängerte Leiden eines mittelmäßigen Musikers gut nachfühlbar. Beim Zuklappen des Buches werden die eine oder der andere sich vielleicht freuen, dass sie es doch eigentlich ganz gut haben.




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