Wie in Zukunft heizen? Diese Frage dürften sich gerade Millionen von Menschen in Deutschland stellen – und Tausende in Stuttgart. Auch wenn der Bundestag erst nach der Sommerpause über das Heizungsgesetz abstimmen wird, so zeichnet sich ab, dass künftig klimafreundlicher geheizt werden dürfte. Nicht nur wegen des Gesetzes, sondern auch wegen der Preise. Fossile Energien werden teurer. Doch welche Heizung ist die richtige? Das können viele Stuttgarter heute gar nicht mit Sicherheit sagen, denn ihnen fehlt eine entscheidende Information.
Ende 2023 soll der Gemeinderat die Kommunale Wärmeplanung beschließen. Das klingt bürokratisch, hat aber genau mit dem zu tun, was Deutschland gerade umtreibt: die Heizung der Zukunft. Für die Stuttgarter ist entscheidend, ob künftig Fernwärmeleitungen vor ihrer Haustür vorbeiführen, oder ob bei ihnen Geothermie, also Wärme durch eine Erdbohrung, eine Option sein könnte. Dazu berichtete Jürgen Görres, Leiter der Energieabteilung der Stadt, kürzlich im Ausschuss für Klima und Umwelt. Zieljahr der Planung ist 2035, das Jahr, in dem Stuttgart emissionsfrei sein will.
Gutachten darüber, was möglich ist, liegen vor: für Solarenergie, für Nah- und Fernwärme, und eben für Erdwärme. Verglichen mit München ist Stuttgart kein Geothermie-Gebiet. Aber ein bisschen etwas geht, erklärte Görres. „Im südlichen Bereich, aber auch im nördlichen.“ Auf der Filderebene auf 200 bis 250 Metern unter der Erdoberfläche sei „das Hauptpotenzial“. Das wäre Oberflächen-Geothermie.
Weitere Erkundungen zu Geothermie geplant auf den Fildern
Auch tiefere Geothermie haben die Stadt und die Stadtwerke gemeinsam beforscht. Der Nachteil: Das Wasser aus 200 bis 1500 Metern komme oben mit nur 13 Grad an. Bei 200 bis 250 Metern seien es durch geringeren Wärmeverlust auf der Strecke immerhin 25 Grad, sagt Görres. In Plieningen sollen weitere Erkundungen folgen. Was Björn Peterhoff (Grüne) begrüßte. „Plieningen als typisches Ölgebiet“ eigne sich doch gut. In dem Filderbezirk hat ohnehin ein Projekt der Stadt und der Stadtwerke gemeinsam mit Beratern von Drees & Sommer begonnen. Ein Teil des Ortskerns soll Vorbild für die Wärmewende sein. Über die zeitliche Schiene bei der Erdwärme lässt sich wenig Konkretes sagen. Görres erzählte von Frankfurt, dort habe man vor anderthalb Jahren begonnen und bereits mehrmals das Bohrgerät wechseln müssen.
Geothermie ist nur für einen kleinen Teil der Stuttgarter eine Option. Quer durchs Stadtgebiet zieht sich ein breiter Streifen, in dem Erdwärme nicht möglich ist. Es ist das Schutzgebiet der Heilquellen. Für mehr, aber auch nicht für alle, könnten in Zukunft Wärmenetze die Lösung sein. Bisher ist die Fernwärme auf die Innenstadt begrenzt. Für die Wärmeplanung, die Ende 2023 beschlossen werden soll, wollen Stadt und Stadtwerke zeigen, wer mit einem Netzanschluss rechnen kann. „Wärme über Netze nimmt den Stress bei den Menschen weg“, sagte Michael Jantzer (SPD). Den Stress, eine Einzelentscheidung treffen zu müssen. Dennoch gibt es – mit Blick auf die Stuttgart-Karte – viele, die genau diese Einzelentscheidung treffen müssen. Hannes Rockenbauch (Linksbündnis) nannte sie „die Einzelkämpfer“. Wie gehe es für sie weiter? Die Stadt wolle, sagt Görres, die Stuttgarter im Herbst beteiligen und informieren.
Fördergeld gibt es auch
Richtlinien
Die Stadt versuche, die Wärmewende mit Förderungen zu unterstützen, sagte der Bürgermeister Peter Pätzold (Grüne). So gebe es Geld für den Anschluss ans Fernwärmenetz, für die Wärmepumpe, für den Heizungstausch oder die energetische Sanierung. Die Förderrichtlinien für den Strombereich sollen zeitnah erneuert werden.