Nach Eklat in Stuttgart Plieninger fordern vehement mehr Klarheit beim Heizen

Im Ortskern von Plieningen dominieren ältere Häuser, in denen großteils noch mit Gas und Öl geheizt wird. Foto: Torsten Schöll

Bei der Frage, wie Häuser klimafreundlicher werden, sollen die Bewohner einiger Quartiere in Stuttgart vorangehen – etwa in Plieningen. Doch bisher herrscht vor allem Verwirrung.

Klima und Nachhaltigkeit: Julia Bosch (jub)

Ein Dutzend Fragen sind es geworden. Ein Dutzend Fragen, auf die die Plieninger Antworten wollen, bevor sie weiter Ideen entwickeln, wie ihre Häuser künftig klimafreundlicher geheizt werden könnten statt wie bisher großteils mit Öl und Gas.

 

Die Stadt Stuttgart hat mehrere Straßenzüge ausgewählt, unter anderem in Plieningen, um dort energetische Quartierskonzepte zu entwerfen. Die jeweiligen Bewohner sollen sich Gedanken machen, welche Heizarten bei ihnen künftig Sinn ergeben und ob sie sich zusammentun könnten.

Veranstaltung lief aus dem Ruder

Doch bisher herrscht diesbezüglich zumindest in Plieningen maximale Verwirrung und Unmut. Evelyn Sindermann von der Energiegruppe der Initiative 70599_Lebenswert spricht von „großer Unsicherheit“ und „fehlenden Daten“.

Vor einem Monat gab es eine Veranstaltung in Plieningen, bei der diese Verunsicherung sehr deutlich wurde. Es kam zum Eklat. Eigentlich hatte die Stadtverwaltung gemeinsam mit der Firma Drees & Sommer zu einem Workshop eingeladen. Doch als der Workshop begann, war bereits ein großer Teil der gut 70 Menschen gegangen. Vorher war anderthalb Stunden diskutiert sowie Kritik gegenüber den Initiatoren geäußert worden – und das ganz schön heftig. Es fielen Sätze wie: „Das Vertrauen in Sie ist gleich null.“

Was ist mit der Kläranlage und Abwasserkanälen?

Der Unmut lag vor allem darin begründet, dass die Vertreterinnen von Drees & Sommer sowie der Mitarbeiter des städtischen Amtes für Umweltschutz kaum Antworten auf die Fragen der Bürger geben konnten. So wollten viele wissen, warum welcher Straßenzug für ein Wärmenetz infrage komme – oder auch nicht.„Den Leuten ist ihr eigenes Haus am nächsten“, erklärt Evelyn Sindermann von 70599_Lebenswert.

Nun will der Bezirksbeirat von Plieningen Infos von der Stadt einholen, um das Ganze doch noch in die richtige Bahn zu lenken. Um diese Informationen zu bekommen, hatten allen voran der SPD-Lokalpolitiker Ulrich Berger sowie Evelyn Sindermann in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats zwölf Fragen formuliert, die nun an die Verwaltung geschickt werden.

So wollen sie etwa wissen, wo Standorte für mögliche Wärmequellen sind und von welcher Art diese sind. Infrage käme nämlich unter anderem, die Kläranlage sowie die Abwasserkanäle in Plieningen in die Planungen einzubeziehen. Außerdem wollen sie geklärt wissen, wie viel Energie daraus gewonnen werden könnte. Ebenfalls unklar ist ihnen, mit welcher Temperatur die künftigen Wärmenetze „gefahren werden“. Dasselbe gilt für mögliche Betreiber oder Betreiberkonzepte der Energiezentralen, also zentralisierten Anlagen, die mehrere Gebäude mit Wärme und Warmwasser versorgen können.

Stadt hat Antworten versprochen

Ein großer Kritikpunkt in der Veranstaltung vor einem Monat war zudem, dass es beim energetischen Quartierskonzept nur um einen kleinen Teil Plieningens gehe; nämlich einige Straßen im Ortskern sowie das Quartier rund um die Sporthalle im Wolfer. Das ergebe keinen Sinn, sagten mehrere, man müsse auch die Umgebung betrachten. Zum anderen entspreche das Quartier, das Drees & Sommer ausgewählt habe, nicht jenem, das bei der kommunalen Wärmeplanung seitens der Stadt untersucht werde. „Das versteht kein Mensch“, sagt Ulrich Berger. Auch darauf wollen die Plieninger nun Antworten.

Vonseiten der Stadtverwaltung wurde immerhin bereits vor einem Monat versprochen, dass man Antworten auf die gestellten Fragen aus der etwas aus dem Ruder gelaufenen Veranstaltung liefern wolle. Man habe in Plieningen deutlich gespürt, wie groß die Verunsicherung in der Bürgerschaft sei, sagte damals eine Sprecherin.

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