Helfenstein-Klinik in Geislingen Bürgermeister für Erhalt von Klinikgebäude

Der Oberbürgermeister sähe gern ein Zentrum für Operationen in der ehemaligen Helfenstein-Klinik in Geislingen Foto: /Markus Sontheimer

Nach der überraschend gestoppten Einrichtung eines Pflegestützpunkts im ehemaligen Krankenhaus von Geislingen steht der Abriss des Gebäudes im Raum. Der Bürgermeister der Fünftälerstadt und ein Bürgerbündnis befürworten ein Festhalten am bisherigen Konzept.

Die Sorgen werden wieder größer im oberen Filstal. Es ist noch immer unklar, was aus der ehemaligen Helfenstein-Klinik konkret werden soll. Wird das Gesundheitszentrum der starke ambulante Standort, von dem immer die Rede war oder droht dem alten Klinikgebäude sogar der Abriss – teilweise oder vollständig?

 

Von letzterem hält Geislingens Oberbürgermeister Frank Dehmer gar nichts. „Wir sollten uns eher darauf konzentrieren, das umzusetzen, was angekündigt wurde“, sagt er und meint damit ein Gesundheitszentrum „mit möglichst vielen guten Angeboten aus dem Gesundheitsbereich“. So sollte man die Immobilie beleben und parallel dazu auch sanieren. „Geld für die Sanierung wurde bereits vor einigen Jahren angekündigt und war eingeplant. Jetzt muss man diesen Schritt eben nachholen.“ Nun aber ein Gebäude abzureißen, dass eine gute Bausubstanz hat, wie er findet, um dann wieder etwas Neues zu erreichten, „halte ich nicht für den richtigen Weg“.

Spannung vor der Kreistagssitzung an diesem Freitag

Der Kreistag soll an diesem Freitag darüber entscheiden, ob eine neue bauliche Entwicklungs- und Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben wird. Das liegt vor allem daran, dass die Räume nicht vollständig vermietet sind und dass dies auch in Zukunft nicht der Fall sein dürfte. Entschieden ist noch gar nichts, aber laut Kreisverwaltung könnte es auf vier Optionen hinauslaufen: neben einem Teilabriss des Klinikgebäudes auch einen vollständigen Abriss samt Neubau, entweder am gleichen Ort oder an anderer Stelle des Campus. Vierte Alternative: ein vollständiger Umbau des früheren Krankenhauses.

Dehmer hält es für notwendig, dass das Gesundheitszentrum Helfenstein mehr biete als das Ärztehaus, „das wir ja schon seit einigen Jahren haben“. Da eine innovative und zukunftsweisende ambulante Einrichtung angekündigt wurde, müsse man diese nun auch schaffen. Dann kommt er auf ein Anliegen zu sprechen, dass er schon länger hat: Zu einem guten ambulanten Standort gehöre auch ein ambulantes OP-Zentrum. Bei der zunehmenden Ambulantisierung der Medizin sei es für ihn kein gutes Argument zu sagen, dass man ja bereits im neuen Ärztehaus in Göppingen ambulante OPs habe. „Es gibt solche Angebote auch in Ulm“, sagt Dehmer, „aber eben noch nicht in Geislingen“. Man sollte sich bemühen, Ärzte anzusprechen und für so ein Projekt zu gewinnen.

Dass der Umbau im dritten Obergeschoss des Klinikgebäudes für eine künftige Kurzzeitpflege-Station noch vor der Kreistagssitzung kurzerhand von den Alb-Fils-Kliniken (AFK) und der Kreisverwaltung pausiert wurde, sorgte für Irritationen im oberen Filstal. Unter anderem wurde dieser Schritt in den sozialen Medien im Internet teilweise sehr deutlich kritisiert. Dehmer versteht, dass von einer solchen Unterbrechung „zunächst einmal ein eher negatives Signal ausgeht“. Die Baupause hält er für bedauerlich und unerfreulich. „Ich hoffe sehr, dass die Arbeiten hier schnell wieder aufgenommen werden und das erste Projekt im alten Klinikgebäude Formen annimmt und eröffnet werden kann.“

Davon ist auch das Bürgerbündnis für Gesundheitsversorgung in der Raumschaft Geislingen (BBG) enttäuscht, wie der Vorsitzende Ludwig Kraus sagt. Er erinnert daran, dass noch im Herbst fast sicher gewesen sei, dass die Kurzzeitpflege auf alle Fälle kommt. AFK-Sprecherin Susanne Stiltz erklärte in der vergangenen Woche, dass man an dem Projekt weiter festhalte. Beim Neujahrsempfang der AFK hatte Landrat Edgar Wolff zudem betont, dass die Baupause kein Indiz für ein Aus sei. „Es geht nur um eine zeitliche Verzögerung“, sagte er dort. Der Kreistag kann den Beschluss zur Kurzzeitpflege am Freitag zudem auch bekräftigen, dennoch regt sich Skepsis. So sagt Ludwig Kraus vom BBG: „Versichert wurde, dass sie kommen soll, nur unklar ist, wann und wie.“ Ob der Kreistag eine Tendenz habe, wisse er nicht.

Ein Bürgerbündnis kämpft für die Zukunft der ehemaligen Klinik

Lässt er die vergangenen Jahre seit dem Kreistagsbeschluss zur Umwandlung des Geislinger Krankenhauses Revue passieren, dann „bleibt für mich nur Enttäuschung“, sagt Ludwig Kraus, denn am Anfang seien noch tolle Szenarien in den Modellen und Schaubildern vorgestellt worden. Nun aber fehle es ihm langsam an Vertrauen „für eine gute, zukünftige Entwicklung in der ehemaligen Helfenstein-Klinik“. In der Raumschaft dürfe sich kein medizinisches Konzept entwickeln, das auch nur im Ansatz eine Konkurrenz zur neuen Klinik am Eichert darstelle, glaubt er. Kampflos aufgeben will das Bürgerbündnis aus Geislingen aber nicht. „Wir haben für die Sondersitzung des Kreistags beim Landratsamt ein Rederecht beantragt“, sagt er. „Was wir wollen, ist klar: die bestmögliche Gesundheitsversorgung.“

Neuer Service nur für AOK-Mitglieder

Versorgung
 Die kurzstationäre allgemeinmedizinische Versorgung (KAV) ist Mitte Januar in Geislingen eröffnet worden. Sie befindet sich im Erdgeschoss des neuen Gesundheitszentrums in den Räumen der früheren Notfallambulanz und in Nachbarschaft zur neuen Allgemeinmedizinischen Notfallpraxis der Alb-Fils-Kliniken (AFK). Wie diese mitteilen, kümmern sich Ärzte und Pfleger in der KAV rund um die Uhr um Patienten, die zwar keine Behandlung in einem Krankenhaus benötigen, aber auch nicht nur ambulant von ihrem Haus- und Facharzt versorgt werden können. Die Einweisung erfolgt über den Haus- oder Facharzt.

Beschränkung
 Ausschließlich Versicherte der gesetzlichen Krankenkasse AOK können das Angebot in Anspruch nehmen. Eine kurzfristige Erweiterung des Modells auf weitere Krankenkassen sei in Arbeit.

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