Dies sind die Kernpunkte des Ergänzungstarifvertrags, den Heller mit Betriebsrat und IG Metall abgeschlossen hat. Der Hersteller von Zerspanungsmaschinen hat Ende 2020 weltweit 2600 Mitarbeiter beschäftigt, 130 weniger als im Jahr zuvor. Bis Ende 2021 soll die Zahl auf 2450 bis 2470 sinken. 1700 Beschäftigte sind derzeit am Firmensitz Nürtingen tätig.
Bei den Sparmaßnahmen setzt das Unternehmen auf ein freiwilliges Ausscheiden der Mitarbeiter, betriebsbedingte Kündigungen sollen möglichst vermieden werden, sagt Firmenchef Klaus Winkler in Nürtingen. Dabei geht es nicht nur um die üblichen Freiwilligenprogramme wie Abfindungen und vorzeitigen Wechsel in den Ruhestand. Bei Heller geht es auch um Qualifizierung.
Auszeit mit Jobgarantie
So wird Beschäftigten die Möglichkeit angeboten, zusätzliche Studien- und Fortbildungsmöglichkeiten zu nutzen. Sie können in dieser Zeit etwa Master-Titel erwerben oder eine zweite Fachausbildung absolvieren. Sie können aber auch schlicht eine Auszeit nehmen. Die Beschäftigten, die das Unternehmen durchaus für eine längere Zeit von zwei bis drei Jahren verlassen sollen, erhalten eine Rückkehrgarantie, betont Winkler. Schließlich wolle man zu einem späteren Zeitpunkt von ihrem neu erworbenen Wissen profitieren.
In diesem Zusammenhang suche man nun auch das Gespräch mit der Bundesagentur für Arbeit, sagt Heller-Betriebsratschef Bernd Haußmann. Winkler hofft, dass zwischen 30 und 40 Beschäftigte ein solches Qualifizierungsangebot annehmen werden.
Der Firmenchef weist auch auf die Bedeutung der Auszubildenden hin: „Wir werden trotz aller Kostenzwänge weiter ausbilden und müssen noch mehr Anstrengungen in der Fortbildung für künftige Kundenbedarfe unternehmen“, sagt er.
„Für die IG Metall war es wichtig, eine Regelung zu finden, die es ermöglicht, gemeinsam mit allen Beschäftigten durch die Krise zu kommen, die Übernahme der Auszubildenden und auch künftig qualifizierte Ausbildungsplätze zu sichern“, fügt Gerhard Wick, der erste Bevollmächtigte der IG Metall Esslingen, hinzu. Insgesamt hat Heller 200 Azubis.
Verzicht auf tarifliche Sonderzahlungen
Im Gegenzug müssen sich die Beschäftigten auf Zugeständnisse für die Jahre 2020 und 2021 einstellen. Die Mitarbeiter sollen teilweise oder komplett auf tarifliche Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten, steht in der Vereinbarung. Diese Zugeständnisse summieren sich pro Jahr auf etwa ein Monatsgehalt, schätzt Wick. Im Jahr 2019 hatte der Werkzeugmaschinenhersteller noch einen Bonus von 50 Euro pro Jahr Betriebszugehörigkeit überwiesen. Grund für die Zahlung war ein Jubiläum; 2019 wurde das Unternehmen 25 Jahre alt.
Das vergangene Jahr war „extrem“, begründet Winkler die getroffenen Maßnahmen. Nach dem Rekordumsatz im Jahr 2019 ist es massiv runtergegangen – die vorhandene Branchenkrise wurde durch Corona massiv verstärkt. Salopp formuliert war es eine Vollbremsung.
Um 40 Prozent seien Umsatz und Auftragseingang abgesackt. Der Umsatz im vergangenen Jahr habe nach vorläufigen Zahlen bei unter 400 Millionen Euro gelegen, im Jahr zuvor waren es noch 724,3 Millionen Euro. In der Folge rutschte das Unternehmen in die roten Zahlen. Die Eigenkapitalquote schrumpfte 2020 nach vorläufigen Zahlen leicht auf etwa 30 Prozent.
Seit November kommen wieder Aufträge
Mittlerweile habe sich der Markt wieder stabilisiert, so Winkler. Bereits November und Dezember seien „ordentliche Monate“ gewesen, was den Auftragseingang betreffe. Der Januar sei sogar noch besser verlaufen. In der Produktion sind die Aufträge allerdings noch nicht angekommen. Denn der zeitliche Vorlauf bei einem Werkzeugmaschinenhersteller wie Heller ist enorm lang. Derzeit seien die Konstrukteure noch mit den Bestellungen beschäftigt.
Deshalb müssen sich viele Beschäftigten vermutlich noch das gesamte Jahr auf Kurzarbeit einstellen. Derzeit liegt sie bei etwa 40 Prozent. Dennoch hofft Winkler, dass er das gerade begonnene Jahr mit einem Umsatz von mehr als 400 Millionen Euro und einem positiven Ergebnis abschließen kann.
Deutsche Autobauer investieren nicht in Verbrenner
Die Autoindustrie ist traditionell ein wichtiger Kunde der Nürtinger. Denn die Maschinen werden für den Antriebsstrang (einschließlich Motor) von Verbrennern benötigt. Doch zuletzt kamen die Aufträge vor allem von Kunden aus China, Brasilien und den USA. Die deutschen Autobauer hätten in diesen Bereich nicht mehr investiert.
Winkler befürchtet, dass diese Länder denn im Vergleich zu Deutschland auch technologisch aufholen. Der Werkzeugmaschinenhersteller, der ein starkes Standbein im Bereich Nutzfahrzeuge hat, baut zunehmend das Geschäft mit anderen Branchen aus – wie dem Maschinenbau oder der Energieerzeugung.