Hermann-Hesse-Bahn im Kreis Böblingen Deutsche Bahn beteiligt sich

Von Florian Mader 

Das Stellwerk im Renninger Bahnhof muss wegen der Hesse-Bahn für fast drei Millionen Euro umgebaut werden. Die Deutsche Bahn bezahlt einen Teil davon.

Der Fahrdienstleiter regelt im Renninger Bahnhof den Bahnverkehr zwischen Renningen und Weil der Stadt. Foto: factum/Bach
Der Fahrdienstleiter regelt im Renninger Bahnhof den Bahnverkehr zwischen Renningen und Weil der Stadt. Foto: factum/Bach

Renningen - Durch die Hintertür beteiligt sich jetzt auch die Deutsche Bahn (DB) an der Hermann-Hesse-Bahn, jedenfalls mit einem kleinen Geldbetrag. Für die Bahn aus Calw wird künftig ein eigener Bahnsteig im Renninger Bahnhof (Kreis Böblingen) gebaut, und dafür muss man dann auch das dortige Stellwerk anpassen. 2,8 Millionen Euro kostet der Stellwerks-Umbau – und davon bezahlt die DB einen Teil. Wie hoch der Anteil der DB ist, steht noch nicht fest. Man müsse erst die Schlussabrechnung abwarten, heißt es dazu in einem Papier des Zweckverbands Hesse-Bahn. Die DB werde sich mit „maximal 1,3 Millionen Euro an den Kosten zum Umbau des Stellwerks in Renningen beteiligen“, sagt eine Sprecherin des Calwer Landratsamts auf Nachfrage.

„Die Bahn war ein sehr guter Gesprächspartner“, freut sich jedenfalls der Calwer Landrat Helmut Riegger (CDU), als er den Stellwerks-Umbau in einer Zweckverbands-Sitzung vorstellt. Er hat offenbar gut verhandelt, denn noch 2015 hatte die DB eine Beteiligung ausgeschlossen, berichtet uns ein Insider: „Die Calwer scheinen geschickt verhandelt zu haben, wenn sie eine Beteiligung der DB an diesen Kosten erreicht haben.“

Deutsche Bahn unterstützen gerne

Die Deutsche Bahn selbst erklärt auf Nachfrage, die Hesse-Bahn gerne zu unterstützen. „Mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern, ist ein erklärtes Ziel der Deutschen Bahn“, sagt ein Sprecher. Bei der Hermann-Hesse-Bahn habe man die Möglichkeit, diese „auch finanziell in entsprechendem Rahmen zu unterstützen“, erklärt er.

Der Umbau des Renninger Stellwerks ist einigermaßen kompliziert. Denn die Fahrdienstleiter, die dort den Bahnverkehr zwischen Renningen und Weil der Stadt regeln, arbeiten mit Technik aus den 70er Jahren. Die Gerätschaften hatte damals der Elektrotechnik-Hersteller Lorenz aus Stuttgart-Zuffenhausen eingebaut. Dessen Rechtsnachfolger ist der französische Konzern Thales. „Thales hat nach wie vor das Urheberrecht auf die Stellwerks-Technik“, sagt Holger Schwolow, der Infrastrukturplaner im Calwer Landratsamt. Relaisstellwerk heißt die alte Technik, bei der die Weichen noch nicht am Bildschirm, sondern auf großen Stelltischen mit vielen Knöpfen bedient werden. „Die Herstellung dieser alten Relais-Technik braucht Zeit“, sagt Schwolow.

Technik auf den 70er Jahren

Daher müsse man die Technik jetzt schon bei Thales bestellen, auch wenn der Umbau des Renninger Stellwerks erst für 2020 vorgesehen ist. Dass aber für die Hesse-Bahn in solch alte Technik investiert werde, das stand nie zur Debatte. „Die Relais-Technik ist robust, sie läuft und hält ewig“, erklärt Schwolow. Er rechne damit, dass die Bahn nicht vor 2030 in dieses Stellwerk modernere, digitale Systeme einbaut.

Der Calwer Landrat indes sieht in diesem Schritt, dass es mit der Hermann-Hesse-Bahn vorangehe. „Wir reden nicht mehr, wir bauen“, sagt Helmut Riegger.




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