Heroinabgabe in Stuttgart Suchthilfe sucht vergeblich nach Räumen

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Das Dimorphin-Projekt in Stuttgart ist ins Stocken geraten. Die Kriegsbergstraße 40 wäre optimal, daran hat aber auch das Klinikum Interesse.

Ein Drogensüchtiger nimmt sich in der staatlichen Heroinabgabestelle für Schwerstabhängige in Hamburg sein Tablett mit einer Spritze mit Heroin. In Stuttgart verzögert sich die geplante Einrichtung der kontrollierten Heroinabgabe immer weiter. Foto: dpa 2 Bilder
Ein Drogensüchtiger nimmt sich in der staatlichen Heroinabgabestelle für Schwerstabhängige in Hamburg sein Tablett mit einer Spritze mit Heroin. In Stuttgart verzögert sich die geplante Einrichtung der kontrollierten Heroinabgabe immer weiter. Foto: dpa

Stuttgart - Die geplante Einrichtung der kontrollierten Heroinabgabe an Schwerstabhängige wird immer mehr zu einem Problemfall. Nicht weil es an einem Konzept dafür mangeln würde, dieses ist weit gediehen. Aber bis jetzt haben sich keine Räume für die Abgabe des synthetischen Heroins Diamorphin gefunden. Ein Gebäude an der Kriegsbergstraße, das der Stadt gehört, wäre aus Sicht der Suchthilfeträger ideal. Dass es vor drei Jahren für das Klinikum erworben wurde und seither leersteht, jetzt aber kurzfristig als Standort für Klinikbüros auserkoren wurde, löst bei den Akteuren der Suchthilfe Verärgerung aus.

Andreas Zsolnai ist enttäuscht: "Die Kriegsbergstraße 40 ist meine einzige Hoffnung gewesen, dass es mit der Heroinabgabe in Stuttgart überhaupt noch etwas wird", sagt der Suchtmediziner, der eine Substitutionspraxis im Gesundheitsamt betreibt und zusammen mit der Stadt das Konzept für die Heroinabgabe erarbeitet hat. Zsolnais Stimmungslage hat eine Vorgeschichte: An seine Praxis im Westen soll die Einrichtung aus fachlichen wie städtebaulichen Gründen nicht angegliedert werden, unter anderem wegen der Pläne für das Olgaareal - und weil in diesem Teil des Gesundheitsamtes in absehbarer Zeit eine Kindertagesstätte eingerichtet werden soll. Zsolnai betreut dort rund 150 von etwa 900 Stuttgarter Heroinsubstituierten, eine spezielle Gruppe von 40 bis 50 Süchtigen soll Diamorphin erhalten. Auch Räume des Bürgerhospitals an der Türlenstraße waren danach im Gespräch, doch auch diese Möglichkeit hat sich zerschlagen.

"Wir beißen überall auf Granit"

Als "optimal" hat Ulrich Binder, der Sprecher des Stuttgarter Suchthilfeverbundes, die Kriegsbergstraße 40 schon bei einer Begehung 2009 bezeichnet, wegen der Lage nahe des Hauptbahnhofs und wegen des Raumangebotes. "Wir suchen doch alle seit Jahren nach Flächen", sagt Binder, der selbst die Drogenberatung Release leitet, über die Situation der Suchthilfeträger. "Aber wir beißen überall auf Granit." Auf dem freien Markt seien Räume für Suchthilfeeinrichtungen nicht zu bekommen, selbst Makler meldeten sich bei Anfragen nicht. In dieser Lage sei es "unmöglich", dass die Kriegsbergstraße 40 schon so lange leerstehe. Binder: "Wenn die Stadt will, dass wir unsere Arbeit gut machen, dann muss sie uns auch Räume anbieten."

Das ist leichter gesagt als getan. "In der Innenstadt hat die Stadt nicht viele eigene Gebäude", sagt der Leiter des Liegenschaftsamtes, Thomas Zügel. Man habe alle verfügbaren Gebäude durchforstet, aber kein geeignetes gefunden. Die Kriegsbergstraße 40 sei zuletzt noch das einzige gewesen, "das auf der Liste war", so Zügel.

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