Wurde an der Heusteigschule bei der Zusammensetzung der beiden ersten Klassen gemauschelt? Die Schulleiterin sagt, dass in ihrem Haus weder Migrationshintergrund noch der Pass eine Rolle spielten.

Stuttgart - „Ich teile Kinder nicht nach Migrationshintergrund ein.“ Mit diesen Worten hat sich jetzt Petra Klingel gegenüber der Stuttgarter Zeitung geäußert. Die Leiterin der Heusteigschule im Stuttgarter Süden tritt damit Vorwürfen entgegen, sie habe bei der Einteilung der beiden ersten Klassen der Forderung einer Gruppe deutscher Eltern nachgegeben, die ihre Kinder alle in einer Klasse zusammen haben wollten (wir haben berichtet). Die Kriterien bei der Klassenbildung an der gebundenen Ganztagsschule seien völlig anders gelagert, versicherte Klingel der StZ. Die Entscheidung darüber erfolge seit langem im Team und werde gut abgewogen.

 

Zu Unmut hatte bei einigen Eltern geführt, dass in der Klasse 1a von den letztendlich 15 Kindern nur fünf einen Migrationshintergrund haben und eine Gruppe von neun Kindern, die sich bereits vom Kindergarten kannten, komplett dort landete. In der 1b hingegen sind es 17 Kinder, davon 15 aus Migrantenfamilien. Der ursprüngliche Plan der Schule sei gewesen, die 1a mit 19 angemeldeten Schülern als größere Klasse zu formen, getragen von der Vertrautheit der Kindergartengruppe. Doch vier Kinder seien zu Schuljahresbeginn nicht erschienen, berichtet Klingel. Der Vorwurf zweier Mütter jedoch, dass hier „aussortiert“ werde, habe sie „aus heiterem Himmel getroffen“, sagt Klingel.

Schule verfolgt seit Jahren einen integrativen Ansatz

Genau das Gegenteil sei der Fall, versichert die Schulleiterin: „Wir verfolgen einen integrativen Ansatz und haben darin langjährige Erfahrung.“ Die wichtigsten Kriterien bei der Klassenbildung seien deshalb eine gemischte Zusammensetzung nach Leistungsniveaus, die sich aus dem Schuleingangstest ableiten ließen, sowie das pädagogische Kriterium der Vertrautheit. „Ziel ist, dass die Kinder einen möglichst reibungslosen Übergang vom Kindergarten in die Schule haben“, so Klingel. „Das Zusammenbleiben in der vertrauten Gruppe hilft den Kindern beim Einstieg in den langen Ganztag“, erklärt Klingel. Denn die seien schließlich von 8 bis 16 Uhr in der Schule, manche sogar noch länger.

Von Erpressung, so die Schulleiterin im Blick auf die Klasseneinteilung, könne keine Rede sein. „Eltern haben das Recht, Wünsche zu äußern – aber die Entscheidung trifft die Schule.“ Förderbedarf gebe es in beiden Klassen, und dieser lasse sich keineswegs aus einem Migrationshintergrund ableiten. Dass einzelne Eltern dennoch kein Vertrauen hätten, kann Klingel nicht nachvollziehen, denn sie habe ihre Beweggründe in zahlreichen Gesprächen transparent gemacht.