Heusteigschule in Stuttgart Unmut über Einteilung der Erstklässler

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An der Heusteigschule haben deutsche Eltern durchgesetzt, dass ihre Kinder in einer Klasse zusammen eingeschult werden. Das führte zur Aufspaltung in deutsche und Migrantenkinder und das gefällt nicht allen Eltern.

Die Frage der Klassenzusammensetzung bei den beiden ersten Klassen hat in der Heusteigschule Verwerfungen ausgelöst. Foto: Michael Steinert
Die Frage der Klassenzusammensetzung bei den beiden ersten Klassen hat in der Heusteigschule Verwerfungen ausgelöst. Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Kann es sein, dass sich eine Gruppe von Eltern durchsetzen darf, die ihre Kinder alle in derselben Klasse eingeschult haben wollen? Mit dieser schwierigen Frage befasst sich derzeit auch das Staatliche Schulamt. Der Anlass: an der Heusteigschule im Süden hat eine Gruppe deutscher Eltern, deren Kinder sich aus dem Kindergarten kennen, durchgesetzt, dass alle in dieselbe Klasse eingeschult worden sind. Im Ergebnis führte dies bei der Bildung der beiden ersten Klassen zu einer klaren Aufspaltung von deutschen und Migrantenkindern. Und zu Unmut aus den Reihen der Migranteneltern.

Ein Vater hatte zunächst sogar erwogen, sein Kind in die „deutsche Klasse“ hineinzuklagen, es dann aber gelassen, weil er Nachteile für sein Kind befürchtete. Eine Mutter berichtete, es habe sie gestört, dass sich eine Gruppe von Eltern zusammengetan und sich mit ihrem Klassenwunsch bei der Schulleitung durchgesetzt habe. Der Elternvertreter sehe dies zwar eher locker – „aber es gibt Eltern, die sagen, es war nicht korrekt, was die Schulleitung da gemacht hat – eine ausgewogene Zusammensetzung wäre angebrachter“. Doch es sei wohl darum gegangen, die Schülerzahl zu halten. Denn laut Schulamt sind an der Heusteigschule 33 Erstklässler angemeldet – also eine Zahl, die nur knapp über dem Klassenteiler liegt. Und es wird kolportiert, dass die Gruppe der deutschen Eltern die Schulleiterin damit erpresst haben soll, dass sie andernfalls ihr Kind woanders anmelden würde, etwa auf einer Privatschule.

Die Schulleitung war für eine Stellungnahme gegenüber der StZ nicht zu erreichen. Ulrike Brittinger, die Leiterin des Staatlichen Schulamts, bestätigte jedoch die Verwerfungen an der Heusteigschule. Die Situation dort sei „verzwickt“, so Brittinger. Mehrfach sei das Schulamt deshalb zu Gesprächen an die Heusteigschule gekommen. Brittinger betont: „Die Klassenzusammensetzung wurde nicht bewusst so gesteuert.“ Das Gleichgewicht sei auch dadurch verschoben worden, dass von den neun Migrantenkindern, die in die Klasse mit der großen deutschen Gruppe hätte kommen sollen, vier gar nicht erschienen seien. Laut Brittinger soll die Schulleiterin den unzufriedenen Eltern angeboten haben, in die andere Klasse zu wechseln, doch das sei nicht geschehen. Weder der eingangs erwähnten Mutter noch jenem Vater war dies allerdings bekannt – wieso hätte er sonst eine Klage in Erwägung ziehen sollen?

„Drohung mit der Privatschule kann ich nicht mehr hören“

Grundsätzlich, so Brittinger, versuche man schon, Kinder beieinander zu lassen, die sich aus dem Kindergarten kennen. Dieser Wunsch werde häufig an die Schulen herangetragen. Aber: „Klassenbildung ist Aufgabe der Schulleitung.“ Brittinger betont jedoch: „Kinder mit Migrationshintergrund haben nicht automatisch einen Sprachförderbedarf.“ Aber die Schulamtsleiterin räumt auch ein: „Unser Ziel ist schon eine gewisse Heterogenität.“ Deshalb werde es kein Schulleiter darauf anlegen, reine Migrantenklassen zu bilden. Im Übrigen, so Brittinger, sei die Frage des Milieus entscheidender als die der Migration. Und diese könne sich auch über die Wahl eines bestimmten Kindergartens ausdrücken. „Da müssen wir noch mal hinschauen.“

Inzwischen, so Brittinger, sei aber „ein großer Teil der Elternschaft mit der Situation zufrieden“ und wolle gar nicht mehr wechseln. Besonders positiv werde die erfahrene Lehrerin bewertet.

Sabine Wassmer vom Gesamtelternbeirat berichtet, immer wieder verlangten Eltern, dass ihr Kind in eine bestimmte Klasse eingeschult werde. Führe das jedoch zu einer Selektion, so fände sie das „bedenklich – wir sind schließlich Europa“. Im Übrigen sei sie „nicht davon überzeugt, ob es gut ist, große Gruppen aus einem Kindergarten in eine Klasse zu tun – sonst gibt es da die Kitagruppe – und die anderen“. Doch die Elternvertreterin sagt auch: „Die Drohung mit der Privatschule kann ich nicht mehr hören.“

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