„Heute stirbt hier Kainer“ im Ersten Ein Killer im Dorf
Im Gewaltmärchen „Heute stirbt hier Kainer“ im Ersten spielt Martin Wuttke melancholisch den Killer kurz vorm Ende. Der fährt zum Sterben aufs Land und muss noch mal durchladen.
Im Gewaltmärchen „Heute stirbt hier Kainer“ im Ersten spielt Martin Wuttke melancholisch den Killer kurz vorm Ende. Der fährt zum Sterben aufs Land und muss noch mal durchladen.
Stuttgart - Auf das Gesicht des Mannes, der sich Ulrich Kainer nennt, wirft der Röntgenscanner rote Linien. Was der Untersuchte (Martin Wuttke) uns derweil als inneren Monolog vorträgt, zerstreut den Glauben, er heiße immer schon Herr Kainer. Und auch die Annahme, er habe eine in Berufsberatungen vorkommende Laufbahn hinter sich. „Ich dachte immer“, räsoniert Kainer, „ich würde in einem richtigen Fadenkreuz sterben.“
Aus Andeutungen im Fernsehfilm „Heute stirbt hier Kainer“ wird klar, dass dieser Mann, der mittlerweile unter Ohnmachtsanfällen leidet, als Auftragsmörder gearbeitet hat. Jetzt sieht er sein Ende kommen, besorgt sich noch mal eine Waffe und fährt aufs Geratewohl aufs Land. Irgendwo in der Provinz, wo ihn die Landschaft an seine Kindheit erinnert, will er sich erschießen.
Düstere Abenddämmerungen gewalttätiger Leben kennen wir aus großen Western. Wie diese Vorbilder hat auch Maria-Anna Westholzers „Heute stirbt hier Kainer“ nicht den Anspruch, porträtfotohaft Wirklichkeit wiederzugeben. Killerfilme und Western bewegen sich zwischen Mythos und Märchen, „Heute stirbt hier Kainer“ schwankt zwischen verschmitztem Märchen und wilder Farce.
Auf dem Dorf läuft alles anders, als Kainer das geplant hatte. Er landet bei einer freundlichen Alleinerziehenden (Britta Hammelstein), die auf ihrem Bauernhof ein Zimmer vermietet. Für sie ist er ein spannender Lichtblick im Einerlei des Dorfalltags. Viele andere halten ihn für den Killer, den der italienische Wirt am Ort geheuert hat, um einen Provinzbonzen zu beseitigen, der ihn übel geleimt hat. Kainer hat also Feinde, bevor er das erste Bier getrunken hat. Und es macht ihm keinen Spaß, sich umzubringen, solange Menschen ihn umbringen wollen, denen er Siege nicht gönnt.
Ein hochgerüsteter Trottelhaufen Neonazis mischt hier mit und ein rüder, korrupter, strafversetzter Großstadtcop (Justus von Dohnányi), der den Dorfschupos gegenüber seine Einstellung zu Land und Leuten nicht unnötig bemäntelt: „Euer Raubmörder ist wohl etwas unterbelichtet. Das macht praktisch jeden in dieser Gegend zum Verdächtigen.“ Die Konfrontationen arten aus, kurz vor Schluss sieht das aus wie eine kindische Quentin-Tarantino-Hommage in „Landlust“-Kulisse.
Aber Martin Wuttke ist eine solche Wucht als Kainer, er ist so leck-mich-doch-lakonisch, wenn es darauf ankommt, und dann wieder so das-war’s-jetzt-also-melancholisch, dass man ihm noch eine Stunde länger zuschauen würde. Aber keiner lebt ewig, auch Kainer nicht.
Ausstrahlung: ARD, Mittwoch, 21. April 2021, 20.15 Uhr. danach sechs Monate lang in der Mediathek des Senders abrufbar.