HGBS Studio in Villingen Warme Töne

Der Tonmeister Marcus Zierle am Regiepult des Villinger Tonstudios: nur der Rechner für die digitale Abmischung ist hier neu. Weitere Bilder aus dem Studio zeigen wir in der folgenden Fotostrecke. Foto: Gottfried Stoppel 11 Bilder
Der Tonmeister Marcus Zierle am Regiepult des Villinger Tonstudios: nur der Rechner für die digitale Abmischung ist hier neu. Weitere Bilder aus dem Studio zeigen wir in der folgenden Fotostrecke. Foto: Gottfried Stoppel

Ein einzigartiges Tonstudio lockte in den sechziger und siebziger Jahren die großen Jazzer nach Villingen. Jetzt wird das schwäbische Kulturdenkmal wiederbelebt: Der Schwarzwald swingt wieder.

Reportage: Robin Szuttor (szu)
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Villingen - Die Telefunken-Tonbandmaschine läuft an, die Zeiger am Regiepult zittern, die Geithain-Lautsprecherboxen ertönen. Man kann sagen: Der Sound ist so gegenwärtig, dass einem der Jazzbesen förmlich im Ohr herum streicht, die Hammerköpfchen des Bösendorfer-Imperial-Flügels einem auf den Hörnerv klopfen und die summenden Kontrabass-Saiten das Zwerchfell vibrieren lassen. Man kann auch sagen, der Sound ist so raumgreifend wie eine bolivianische Salzwüste, so rein wie ein Bergkristall, so wärmend wie das Kaminfeuer in einer eingeschneiten Alphütte. Wer nicht ganz so dick auftragen möchte, kann sagen: Der Klang in diesem Tonstudio ist von herausragender Qualität. Mehr denn je.

Von der Richthofenstraße am Villinger Stadtrand rechts in einen schlecht einsehbaren Innenhof: Hier warten marode Fabrikgebäude, alte Garagen, ein Abfallhaufen mit Welchblechen und fauligen Holzbalken. Wo ist das Studio? „Da müssen Sie außenrum, dann im zweiten Stock, wo die Fenster zugemauert sind.“ An der Hinterfassade lehnen speckige Matratzen und eine ausrangierte Kloschüssel. Die Tür ist offen. Eine Holztreppe hoch. Ein Schild neben der Metalltür: „HGBS-Studio.“

HGBS steht für Hans Georg Brunner-Schwer, Jahrgang 1927, Spross der Saba-Dynastie, Klangtüftler, Tonmeister, Musikproduzent. In den 60er und 70er Jahren holte er die instrumentale Weltelite an die Brigach, er machte den Schwarzwald zum Jazzland.

Friedrich Gulda, Aufnahme im MPS-Studio 1972:

Das „Grove Dictionary of Jazz“ würdigte die Aufnahmen aus Villingen als die abwechslungsreichsten in ganz Europa. Viele LPs bekamen Auszeichnungen wie den „Grand Prix du Disque“ oder den „Preis der Deutschen Akademie für Schallplatte“. Heute klettern die Euro-, Yen- und Dollarkurse solcher Scheiben auf Allzeithochs. Das liegt an der musikalischen Qualität. Das liegt auch an der Technik in einem der innovativsten Tonstudios jener Zeit. 50 Jahre später laufen hier wieder die Aufnahmemaschinen. Es geht weiter in alter Frische.

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