Wenn am Freitag und Samstag um 0 Uhr die Zapfhähne versiegen und die Wasen-Besucher:innen die Festzelte auf dem Stuttgarter Volksfest verlassen müssen, ist für viele noch nicht Schluss. Schließlich ist Wochenende und noch längst nicht Zeit fürs Bett. Zudem hat die eine oder andere Maß voll Bier die Lust auf Feierei geweckt. Doch wo jetzt noch hingehen? Die Mono-Bar gibt es schließlich nicht mehr...
Nicht alle Stuttgarter Bar- und Clubbetreiber:innen sehen das Wasen-Publikum gerne bei sich. Gründe gibt es dafür unterschiedliche. „Das Phänomen, dass jetzt auch bei uns alle Dirndl und Lederhose tragen, ist ja erst so in den letzten zehn bis zwölf Jahren aufgekommen. Das sind ja alles bayrische Einheitstrachten und die haben nichts mit der schwäbischen Tradition zu tun“, merkt Frank vom Metal-Club Schwarzer Keiler an. Für viele seiner Gäste ginge diese „Verkleidung“ zu weit. Vor allem sei aber die Stimmung, in der viele Wasen-Gänger:innen ankämen, ein Problem: „Bevor die Leute zu uns kommen, waren sie oft schon mehrere Stunden im Festzelt und wollen dann bei uns weiterfeiern. Die anderen Gäste starten gegen 0 Uhr erst ihre Partynacht und sind noch relativ nüchtern.“ Da träfen zwei ganz unterschiedliche Pegel aufeinander, was schnell zu Stress führen würde. Schlechte Stimmung und Stress mag Frank in seinem Club nicht, daher weise die Security Dirndl- und Lederhosen-Träger:innen ab. Das gleiche gelte übrigens auch für Fußballtrikots.
Der Vibe stimmt nicht
Auch im Hip-Hop-Club Schräglage sieht man das Wasen-Publikum ungern. „Das passt einfach nicht zu unserem inhaltlichen Konzept und zudem sind die meisten, die vom Wasen kommen, in einem Zustand, der für die anderen Gäste unangenehm ist“, teilt uns Chris mit.
Trude-Betreiberin Lisa hat sich gemeinsam mit ihrem Team ebenfalls gegen Dirndl und Lederhosen in ihrer Bar am Hans-im-Glück-Brunnen entschieden. „Die Festzeltstimmung hat sicher ihre Daseinsberechtigung, deckt sich aber nicht ganz mit dem Vibe der Trude“, sagt sie. Es sei natürlich schwierig, dies nur anhand der Kleidung auszumachen. Viele Leute kämen ja vom Wasen und hätten keine Tracht an. So ganz differenzieren könne man da natürlich nie. Grundsätzlich findet Lisa aber: „Da Bierzelte eben sehr speziell sind und definitiv nicht jedermanns Sache, glaube ich, alle haben mehr Spaß, wenn man das ‚separiert’. Wasenparties für einen gelungenen Ausklang des Abends und wer keinen Bock auf Wasen-Stimmung hat, findet sein Refugium woanders.“ Wer zu betrunken sei, käme aber nie in die Trude – egal, ob Tracht oder nicht, ergänzt sie noch.
Extra Specials fürs Wasen-Publikum
Ganz anders ist die Haltung bei den Betreibern des Breitscheidstübles im Stuttgarter Westen: „Bei uns sind alle Gäste mit Dirndl und Lederhose herzlich willkommen“, sagt Betriebsleiter Kevin. Zur Wasen-Zeit gebe es sogar extra Specials, wie zum Beispiel einen Welcome-Shot aufs Haus für alle, die in Tracht kommen.
Auch Stuttgarts älteste Disco Boa in der Tübinger Straße heißt Wasengänger:innen herzlich willkommen. „Bei uns ist der Eintritt mit Trachtenkleidung während der Wasenzeit gar kein Problem“, sagt Henrik. Der Club kooperiert in diesem Jahr sogar mit dem Fürstenberger Zelt und bietet ein „After Wasen“-Programm an. Von „Freikarten, Shuttle Service von und zur Boa und einigem mehr“ ist auf der Instagram-Seite des Clubs die Rede.
Und auch David aus dem Classic Rock Café sieht keine Schwierigkeit darin, wenn Wasen-Fans und andere Gäste miteinander feiern. Seit eh und je seien Gäste in Dirndl und Lederhosen kein Problem bei ihnen und dürften gerne rein, so der Chef.