Hilfe für ukrainische Flüchtlinge Wie Integration in Weinstadt funktioniert

Die Integrationsbeauftragte Eleni Stubbe musste nach kurzer Einarbeitungszeit mit Volldampf loslegen. Foto: Gottfried Stoppel

Sachspenden akquirieren, Wohnungen finden – für die neue Integrationsbeauftragte in Weinstadt gibt es angesichts des Zustroms ukrainischer Flüchtlinge viel zu tun. Ein Beispiel, vor welchen Herausforderungen Kommunen derzeit stehen.

Kaum, dass Eleni Stubbe ihren neuen Posten als Integrationsbeauftragte Anfang Februar in Weinstadt angetreten hat, rollt mit der Flüchtlingswelle aus der Ukraine jede Menge Arbeit auf sie zu. Bereits 2016, als vor allem aus Syrien Menschen in Deutschland Zuflucht suchten, hat die Stadt die Stelle geschaffen. Im Jahr darauf installierte man zusätzlich in Kooperation mit dem Kreisdiakonieverband ein Integrationsmanagement, das mit drei Sozialarbeiterinnen besetzt ist.

 

Nach kurzer Einarbeitungszeit geht es mit Volldampf los

Durch diese in Weinstadt bestehenden Strukturen, zu denen Stubbe auch die Ehrenamtlichen des Integrationsvereins zählt, dem sie vorsteht, sehe sie für sich angesichts des aktuellen Flüchtlingsstroms „keine so große Herausforderung“, sagt die neue Integrationsbeauftragte. Gleichwohl sie nach nur kurzer Einarbeitungszeit mit Volldampf loslegen musste. „Ich bin ja zum Glück keine Berufsanfängerin“, sagt die 32-Jährige aus Mittelfranken dazu, die in Esslingen Soziale Arbeit studiert und danach in der Stuttgarter Wohnungsnotfallhilfe gearbeitet hat.

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Wohnraum für Geflüchteten zu finden, das ist aktuell auch in Weinstadt eine der vordringlichsten Aufgaben. 75 Menschen aus der Ukraine sind seit Kriegsbeginn in Weinstadt angekommen, überwiegend Frauen mit Kindern. Für sie habe der Oberbürgermeister Michael Scharmann aufgerufen, Wohnraum zur Verfügung zu stellen, berichtet Stubbe: „Die Resonanz war groß. Wir haben viele Angebote bekommen.“ Denn weil die Europäische Union die sogenannte Massenzustrom-Richtlinie für die Verteilung der Menschen aus der Ukraine aktiviert habe, kämen diese nun schneller in den Kommunen an und nicht wie die Flüchtlinge von 2015/2016 zunächst in Landeserstaufnahmestellen, erklärt Stubbe.

Daher müsse neben der Unterbringung der Geflüchteten auch ihre Grundversorgung sichergestellt werden. Dafür habe man Erstversorgungspakete gepackt, mit Essen sowie Hygieneartikeln – von der Damenbinde bis zur Windel. Derweil sei das Liegenschaftsamt und der Bauhof dran, die von Bürgern angebotenen Wohnungen zu besichtigen und in kürzester Zeit zu möblieren. Auch hierfür habe man durch Spendenaufrufe viele gute Sachen von Bürgern erhalten. Zudem habe man ein Spendenkonto eingerichtet. „So sind wir flexibler und können gezielt Sachmittel einkaufen.“ Zumal die Lagerkapazitäten der Stadt beschränkt seien.

Willkommensmappen mit wichtigen Informationen

Mit der Unterbringung in Wohnraum und der Erstversorgung mit dem Nötigsten fängt die Unterstützung der Geflüchteten in Weinstadt aber erst an. So finden sie bei ihrem Einzug Willkommensmappen vor, mit den wichtigsten Informationen in ukrainischer Übersetzung – von ärztliche Notversorgung über Corona-Impfung und örtlicher Nahversorgung bis hin zu den Schulen der Stadt – und dazu einen Termin beim städtischen Integrationsmanagement, um alle weiteren rechtlichen Schritte regeln zu können.

„Dabei sind wir auf sprachliche Vermittlung auf Ukrainisch und Russisch angewiesen, da Englischkenntnisse nicht vorausgesetzt werden können“, sagt Eleni Stubbe. Auch dazu habe man bereits einen Aufruf gestartet und Resonanz erhalten. „Ein sehr wichtiger Kooperationspartner ist der Integrationsverein“, berichtet Stubbe weiter. Von dieser Woche an hätten die Ehrenamtlichen etwa ein Willkommenscafé ins Leben gerufen. „Um Raum für Begegnung zu schaffen und zu schauen, was die Geflüchteten bewegt und was sie wollen“, erklärt Stubbe die Idee dahinter. Um noch weitere Freiwillige für die Flüchtlingshilfe zu gewinnen, habe man über die Unterstützung des Vereins hinaus ein Ehrenamtspool eingerichtet.

Deutschkurse als wichtiger Baustein für die Integration

Aber auch bei der Stadt ist man nicht untätig. „Wir bereiten Deutschkurse vor. Schließlich ist Sprache ganz entscheidend für die Integration“, sagt Stubbe. Weil unter den ukrainischen Geflüchteten auch viele Kinder sind, seien zudem Schule und Kinderbetreuung Themen, ergänzt Ulrich Spangenberg, der Leiter des städtischen Amts für Familie, Bildung und Soziales. Sechs der derzeit 36 Kinder seien im Kindergartenalter und 23 schulpflichtig. Für jene im Grundschulalter gebe es in Großheppach eine Vorbereitungsklasse, in die sie aufgenommen werden können, sobald die bisherigen Schüler darin in das Regelsystem wechselten. „Mit dem Staatlichen Schulamt arbeiten wir intensiv daran, weitere Vorbereitungsklassen einzurichten. Ein Hemmschuh dabei ist der Lehrermangel.“

Zudem sei auch eine personelle Verstärkung an der Gemeinschaftsschule geplant, weil diese sich mit ihren unterschiedlichen Lernniveaus am besten eigne, um ukrainische Schüler aufzunehmen. In Kitas dagegen sei eine direkte Aufnahme wegen diverser strenger Vorschriften nicht möglich. „Spielgruppen sind daher ein guter Weg, um zunächst an die Bedürfnisse der Kinder heranzukommen“, sagt Spangenberg. Gemeinsam mit der Sprachförderung und den Kitas sei man dran, hierfür Modelle zu entwickeln, und suche nach Räumen.

Wer die Stadt Weinstadt bei der Integration ukrainischer Flüchtlinge unterstützen möchte, kann sich unter der Telefonnummer 0 71 51/ 6 93 - 1 51 melden.

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