Hip Hop aus Ludwigsburg Mit Gangsta-Beats auf die gerade Spur

In ihrem Domizil neben der Villa Barock trifft sich die Gruppe, feilt an Texten, Melodien und übt Freestyle: Sie rappen spontan und versuchen, Reime zu finden. Foto: factum/Bach
In ihrem Domizil neben der Villa Barock trifft sich die Gruppe, feilt an Texten, Melodien und übt Freestyle: Sie rappen spontan und versuchen, Reime zu finden. Foto: factum/Bach

Das soziale Hip-Hop-Projekt Lubu Beatz hat ein neues Musikvideo herausgebracht. Dafür gab es Unterstützung vom Europäischen Sozialfonds.

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Ludwigsburg - Augen zu und glaub an dich“: Die zehn jungen Hip-Hop-Künstler singen nicht nur in Deutsch, sondern in drei weiteren Sprachen vom Durchhalten und Durchstarten. Im neuen Musikvideo „Lubu Beatz All Stars“, das auf Youtube zu sehen ist, wollen sie höher hinaus als die Hochhäuser in Stuttgart, unter denen sie rappen. Das Ziel des Sozialprojekts, für das sie ihr Talent ausleben, ist es, jungen Menschen Halt und ein Ziel zu geben – vor allem denen, die es im Leben nicht immer ganz einfach haben.

Kein bisschen nett, aber authentisch, derb und rebellisch

Die Idee zum Video kam unter anderem beim Europäischen Sozialfonds so gut an, dass es einen Finanzzuschuss gab. Und dabei ist das Ergebnis kein bisschen nett, sondern authentisch, derb und rebellisch – so wie es Hip-Hoppern gefällt. „Brutale oder zu sexistische Texte sind bei uns aber nicht erlaubt“, sagt Christian Danneberg. Der Musikpädagoge hat das Projekt Lubu Beatz vor fünf Jahren initiiert – zunächst als AG an der Justinus-Kerner-Realschule. „Eigentlich habe ich gedacht, die jungen Leute rennen mir die Türe ein, wenn ich so etwas anbiete“, sagt er. Dann war es zunächst aber doch nur eine Handvoll.

Liebe, Aggression und Selbstfindung sind ihre Themen

Mit den Schülern entwickelte er eigene Texte in jeder erwünschten Sprache und mit den Themen, die sie berühren, wie Liebe, Aggression oder Selbstfindung. „Dann haben wir uns auf die Suche nach passenden Melodien, Beats und Instrumenten gemacht.“ Als die Gruppe den zweiten Platz beim Kunst- und Kulturpreis der örtlichen Sparkasse im Jahr darauf belegte, kam der Ansturm. Die Räume in der Schule wurden zu eng. Über die Jugendförderung wurde der neue Raum 2015 neben der Villa Barock gefunden: Die Remise. Mit Sofa, Graffiti, schallgedämmter Aufnahmekabine und Bildern vieler Auftritte an der Wand haben die jungen Leute ihr neues Domizil nach ihrem Geschmack gestaltet.

Inzwischen hat die Gruppe gut 80 Lieder in neun Sprachen produziert. Viele der Sänger und Rapper, die schon länger dabei sind, bekommen gar nicht mehr aufgezählt, wo sie schon überall auf der Bühne standen. „Heute ist das ein Selbstläufer“, sagt Danneberg. Die Gruppe bestimmt, wer aufgenommen wird. Wer dabei sein will, muss passen, soll Hip Hop, R&B und Soul so lieben und leben wie die 16- bis 25-Jährigen, die bereits dabei sind. Denn das ist der Nenner, der hier alle eint, obwohl sie aus ganz verschiedenen Kulturen stammen und verschiedene Religionen leben – oder gar keine. „Musik verbindet uns, es darf aber jeder glauben, was er will“, sagt der Rapper Taha Serhan. Dabei sind immer mittwochs Gespräche über Gott und die Welt bei einem Chai-Tee ein großes Thema. Schließlich gehören die Evangelische Seestraßengemeinde Ludwigsburg und die evangelische Liebenzeller Mission, die als freies Werk weltweit in überkonfessionellen Partnerschaften arbeitet, zu den Trägern. Dazu wurde 2015 ein Förderverein für die Lubu Beatz gegründet. „Das ist mehr als eine Durchlaufstation. Wir sind auch kein Sozial-Club, der Leute von der Straße holt“, sagt Danneberg. „Wir sind eine Familie.“ So gelingt es ihm, die jungen Menschen über Jahre zu begleiten, musikalisch zu fördern und das zu erreichen, worüber sie auch in ihrem neuen Video singen: „Wenn du stark sein willst, lerne alleine stehen.“

 




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