Hip-Hop Open in Stuttgart Volle Ekstase: K.I.Z und Sido begeistern die Fans

Sido zeigt, dass er in seiner langen Karriere jede Art des Genres beherrscht und auch hart im Nehmen ist. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Auch an Tag Zwei ist das Programm vollgepackt: Ob Juju, Sido, G-Eazy oder K.I.Z - die Stars der Szene begeistern das Publikum mit ihrer Rap-Kunst und sorgen für einen gelungenen Abschluss bei den Hip-Hop Open.

Der Samstag ist nochmal um einiges besser besucht als der Festival-Vortag, was zum einen am stabilen Wetter und Wochenendstimmung, zum anderen wohl an den Headlinern K.I.Z, Sido, G-Eazy oder Juju liegen dürfte. Dass am selben Tag auch die CSD-Parade in Stuttgart stattfindet, fällt auch auf dem Cannstatter Wasen auf, wo viele Besucher:innen mit ihrem Outfit und Regenbogen im Zeichen des Pride zu sehen sind. Gegen 18 Uhr performt die Berliner Rapperin Juju auf der kleineren der beiden Bühnen und zeigt einmal mehr, dass sie zu den Besten im Lande gehört. Sie trägt weißen Camouflage, rappt mit zweiter Rapperin, hat einen Schlagzeuger und einen Gitarristen dabei. Dem Publikum zugewandt, gibt sie neben ihren schnellen harten Versen auch ein paar Balladen zum Besten. Darunter etwa „High Babe“ oder das Henning May-Feature „Vermissen“. Sie singt Songs ihrer früheren Band SXTN wie „Von Party zu Party“ oder „Hass Frau“, bringt ein Feature-Meadley und dann noch einiges von ihrem Album „Bling Bling“ (2019).

 

Krachender Abschluss mit K.I.Z, Sido und Co.

Große bunte Bälle fliegen durch die Luft und hartgesottene Fans erfreuen sich an den Tornado-Moshpits, die sie initiiert. Juju sorgt dafür, dass der Tune so richtig Spaß macht, und als sie Fan Sarah auf die Bühne holt, um eines ihrer Lieder zu rappen, was diese ziemlich gut beherrscht, ist das Publikum komplett auf ihrer Seite. Eine ideale Ausgangslage um im Anschluss auf der Hauptbühne den amerikanischen Rapper G-Eazy zu bestaunen, der ein ganz anderes Programm zeigt. Der 34-Jährige, der aus Oakland, Kalifornien stammt und im normalen Leben Gerald Earl Gillum heißt, gilt als James Dean des Genres, der neben dem Rappen auch Wert auf die Optik legt. G-Eazy schaffte seinen Durchbruch bereits 2015 mit „Me, Myself and I“ und verzeichnet auf Spotify Milliardenstreams. Er hat schon mit keinen Geringeren als Britney Spears, A$AP Rocky und Cardi B zusammengearbeitet und dem Publikum beschert er sonnige Klänge mit Ausflügen in den Indie-Pop, vereint mit Trap und Synth.

Ein Schlagzeuger und ein DJ sind mit dabei und Letzterer ist ziemlich motiviert dem Publikum ordentlich einzuheizen: „Stuttgart make some Noise!“, heißt es da. G-Eazy spielt große Hits wie „He & I“ und „Moana“, verteilt zwischendurch Autogramme und feuert mit seinen Beats los. Pyrotechnik und Videos begleiten den Auftritt. Es wird gebounct und gefeiert.

Beat wummert wie ein Herzschlag übers Feld

Aber das ist noch nicht der Gipfel der Hip-Hop Freuden am Samstag, denn um kurz nach acht, schafft es Deutsch-Rapper Sido so ziemlich Jeden und Jede auf dem Feld mitzunehmen. Der Beat wummert wie ein Herzschlag übers Feld. Wer da noch still stehen bleibt, ist quasi selbst Schuld. Der 42-Jährige haut raus, spielt Hit auf Hit, oft auch nur an. Darunter etwa „Bilder im Kopf“, „Schlechtes Vorbild“ oder „Astronaut“. Sido zeigt, dass er in seiner langen Karriere jede Art des Genres beherrscht und auch hart im Nehmen ist. Er verteilt gerne Breitseiten, „Dissen“ nennt man das im einschlägigen Jargon. Einen Spruch bezüglich der Rammstein-Affäre, K.O.-Tropfen und Sex unter der Bühne, kann er sich nicht verkneifen, winkt dann aber ab, und meint: nur Spaß. Nun denn. Eher nichts für schwächere Gemüter und Hip-Hop Bombe des Tages ist dann aber der Hauptact am Abend: K.I.Z! Um 21.15 Uhr legen die vier Berliner Spaß-Ernst-Spaß-Rapper los mit ihrem Programm aus Persiflage und Pogorap aus der „Nervenheilanstalt Birkenhain“. Seit über 20 Jahren gibt es die Hip-Hop Formation nun schon, und der Abriss, den sie bei ihren Konzerten schaffen ist geradezu legendär. „VIP in der Psychiatrie“, „ein Affe und ein Pferd“ oder „Urlaub fürs Gehirn“ versetzen die Fan-Meute so richtig in Ekstase. Rapper Maxim frönt dem Bier und muss sich dann auch mal auf die Bühne legen, so überwältigt, oder auch verausgabt scheint er zu sein. Das Bühnenbild zeigt Späti, Kneipe oder das ehemalige Musiklabel Royal Bunker, wo K.I.Z ihre Anfänge nahmen. Eine große krachende Show zum Festival-Finale.

Feuerwerk am Ende der K.I.Z-Show

Dass die Bässe laut sind und gebraucht werden, gehört für ein Festival dieser Größenordnung sicherlich dazu. Manchmal hätten ein paar Dezibel weniger allerdings gutgetan. Der fliegende Wechsel zwischen den Auftritten sorgt zumindest nicht für Langeweile, wenngleich es gilt, schnell zu sein, um den nächsten Act sehen zu können. Für den krönenden Abschluss sorgt das Feuerwerk am Ende der K.I.Z-Show, mit einem Danke ans Publikum gerichtet. Die Neuauflage der Hip-Hop Open auf dem Wasen hat einen gelungenen Abschluss gefunden. Es stellt sich eigentlich nicht mehr die Frage, ob die Vorfreude aufs nächste Jahr denn schon groß ist, sondern nur, welche Acts dann zu sehen sein werden.

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