Die Zwillingsbrüder Till und Felix Neumann von der HipHop-Band Zweierpasch wollen einen Rekord aufstellen und in Stuttgart in einer Stunde 50 000 Kippen einsammeln.

Architektur/Bauen/Wohnen: Andrea Jenewein (anj)

Stuttgart - Einen gehörigen Muskelkater zu bekommen, damit müsse man schon rechnen, sagt Till Neumann – und sein Zwillingsbruder Felix Neumann nickt zustimmend. Die beiden müssen es wissen, denn sie sind bereits neunmal in verschiedenen Städten in Süddeutschland unterwegs gewesen, um in einer Stunde möglichst viele Zigarettenstummel einzusammeln – nach dem Vorbild zweier Jungs, die diese Aktion in Paris gestartet hatten. Insgesamt haben die Brüder bei diesen Fill-the-Bottle-Challenges (Füll-die-Flasche-Mission) 80 000 Kippen eingesammelt – freilich nicht alleine, sondern mit Mitstreitern, in Kehl etwa waren es 50.

„In Stuttgart brauchen wir am Samstag 70 Helfer“, sagt Till Neumann. Schließlich hat man Großes vor: Die Brüder wollen mit dem Cleanup Network als Partner einen Rekord aufstellen und in einer Stunde 50 000 Kippen einsammeln. „Ich denke, am Schlossplatz sollte das ein Kinderspiel sein“, sagt Felix Neumann. Was aber treibt die Brüder – Familienväter aus Freiburg und der Region Straßburg Kehl und Musiker der HipHop-Band Zweierpasch? „Das ist unsere Art, positive Rebellion zu zeigen“, sagt Till Neumann. Auch ihre Songs hätten teils eine politische Botschaft, dennoch sei es ihnen ein Anliegen, die Menschen auch bei solchen Straßenaktionen aufzurütteln. Ihre Botschaft: „Dass Raucher ihre Kippen ordentlich entsorgen sollen.“ Die vollen Plastikflaschen werden fotografiert und bei Instagram und anderen sozialen Medien eingestellt – „das Ganze ist eine einfache, aber wirkungsvolle Methode“, sagt Till Neumann.

Etwa 40 Liter Wasser kann ein einziger Kippenstummel verunreinigen

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO werden rund zwei Drittel aller gerauchten Zigaretten in der Umwelt entsorgt. Weltweit landen täglich zehn Milliarden Kippenstummel in der Umwelt. Etwa 40 Liter Wasser kann ein einziger Kippenstummel laut Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) verunreinigen. Bis zu 15 Jahre braucht ein Zigarettenfilter, um zu verrotten. In den Kippenresten sind zahlreiche Giftstoffe enthalten, etwa Arsen, Blei und Chrom.

Die Brüder sammeln alle Kippen, wenn sie 100 000 Stück zusammen haben, möchten sie mit Hilfe eines Künstler ein Mahnmal daraus errichten. Welcher Künstler das sein wird steht noch nicht fest. Sicher ist nur: Unverpackt würde es zum Himmel stinken.

Start ist an diesem Samstag um 16 Uhr am Musikpavillon am Schlossplatz. Freiwillige sollten eine 1,5-Liter-Plastikflasche mitbringen. Handschuhe werden gestellt.