Historie: VfB Stuttgart – FC Bayern München Pragmatismus in Stuttgart, bayerische Lebenskunst in München

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Zweimal war der VfB damals sogar in Führung gegangen, Hansi Müller verwandelte in seinem ersten Bundesligaspiel zwei Foulelfmeter. Mit dem Schlusspfiff erzielte aber Gerd Müller, der zuvor schon zum 2:2 getroffen hatte, den Ausgleich – zum Ärger des StZ-Autors Blickensdörfer, der über den sich im Herbst seiner Karriere befindenden Stürmer schimpfte: „Gerd Müller watschelte herum wie ein fetter Dackel, der beim Wurstschnappen immer zu kurz kommt. Aber plötzlich schlug er zweimal zu, und der Vorsprung war futsch.“

Trotzdem sicherten sich die Stuttgarter am Saisonende souverän den Klassenverbleib, sie landeten auf einem hervorragenden vierten Platz. Der Aufsteiger schnitt damit deutlich besser ab als die Bayern, die Jahre des Umbruchs erlebten und nur Zwölfter wurden – die schlechteste Platzierung, mit der die Münchener jemals eine Runde abgeschlossen haben.

Auch im Oktober 1997 zeigte der VfB gegen Bayern eine tolle Vorstellung, diesmal im Münchener Olympiastadion. Unter dem Trainer Joachim Löw verpassten die Stuttgarter nur knapp den vierten Sieg im 31. Spiel bei den Bayern; deren Verteidiger Sammy Kuffour erzielte in der 84. Minute das 3:3. Kuffours Teamkollege Markus Babbel, der später als Spieler wie auch als Trainer in Stuttgart tätig wurde, weilte da schon nicht mehr auf dem Platz: Babbel war nach vier Minuten wegen Handspiels vom Platz geflogen. Zusätzliche Brisanz hatte das Spiel gewonnen, weil Elber erst wenige Monate zuvor von Stuttgart nach München gewechselt hatte; die Bayern hatten damit das „magische Dreieck“, das der Brasilianer mit Fredi Bobic und Krassimir Balakov gebildet hatte, auseinandergerissen.

Die VfB-FCB-Geschichte wird am Samstag weitergeschrieben

Zehn Jahre später lief es für den VfB gegen die Bayern besser: Am 30. Spieltag der Saison 2006/2007 siegten die Stuttgarter zu Hause klar überlegen mit 2:0 – dank eines Doppelschlags von Cacau, der binnen zwei Minuten zwei Tore erzielte. „Die Lehrlinge sind plötzlich besser als der Meister“, titelte die StZ damals. Und tatsächlich: durch den Sieg rückte der VfB auf vier Punkte an Spitzenreiter Schalke 04 heran, am Ende der Saison feierten die Schwaben dann ihren bis dato letzten Meistertitel.

Aber nicht nur in der Bundesliga, sondern auch im Pokal gab es denkwürdige Duelle. So war der 9. November 1989 nicht nur der Tag, an dem die innerdeutsche Grenze fiel, sondern zugleich Datum eines 3:0 des VfB über die Bayern, für die damit im Achtelfinale Schluss war. Jürgen Hartmann und zweimal Fritz Walter schossen die von Arie Haan trainierten Stuttgarter in die nächste Runde. „Ist das die Wachablösung im Süden?“, fragte der Sportinformationsdienst. War es nicht, der Rekordmeister blieb auch im wiedervereinigten Deutschland das Maß aller Dinge.

Aber immerhin war es eine kleine Revanche für die 2:5-Niederlage des VfB im Pokalfinale 1986. Dieses war zwar ein unterhaltsames, aber auch einseitiges Spiel, da die Bayern dem VfB keine Chance ließen; Lothar Matthäus leistete sich sogar den Luxus einen – ohnehin unberechtigten – Foulelfmeter zu verschießen. Jedenfalls entschuldigte sich der VfB-Trainer Willi Entenmann nach der Klatsche bei den Fans, „weil wir wirklich eine ganz schwache Leistung geboten haben“. Bleibt aus Stuttgarter Sicht zu hoffen, dass nicht auch Bruno Labbadia am Samstagabend ähnliche Worte finden muss. Aufregender wäre doch ein weiterer Schwabenstreich – wie damals, am 15. März 1969.




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