Historisches Volksfest in Stuttgart Petra Spindler ist Königin Olga – das sind ihre Pläne

Petra Spindler tritt als Königin Olga im Park der Villa Berg auf. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Beim Historischen Volksfest waren die württembergischen Könige nicht mehr gerne gesehen. Königin Olga lässt sich davon nicht abschrecken und will vorbeischauen. Was sind ihre Pläne?

Stuttgart - Der Termin im Herbst ist im Kalender rot angestrichen. Königin Olga hat sich fest vorgenommen, zum Historischen Volksfest (26. September bis 3. Oktober) auf den Schlossplatz zu kommen. „Wenn meine Familie und Verwandtschaft schon nicht erwünscht ist, so werde ich es mir nicht nehmen lassen vorbeizukommen“, sagt sie. Samt Unterstützung vom Hochadel. Und in vollem Ornat. Darüber hinaus plant sie im Jahre ihres 200. Geburtstag noch mehr, sie sieht sich als Botschafterin des Landes Baden-Württemberg und bastelt an ihrer eigenen Marke. Mit Hilfe aus der Residenzstadt Ludwigsburg.

 

Alles begann im Wilden Westen

Nun ist Königin Olga ja 1892 gestorben, doch sie hat eine Wiedergängerin, die sie zum Leben erweckt. Petra Spindler (69) schlüpft schon seit etlichen Jahren in ihre Haut und ihre Kleidung. „Ich bin eine gespaltene Persönlichkeit“, sagt sie und lacht. Begonnen hat ihre Leidenschaft aber nicht in Russland, dem Geburtsland Olgas, die eine Tochter von Zar Nikolaus I. war. Sondern in der Westernstadt Pullman City in Bayern. Dort ist sie während eines Besuchs angesprochen worden, ob sie nicht bei einer Modeschau teilnehmen wolle. Sie wollte. Und trug als Siedlerin ein weißes Kleid, das sie der Modemacherin abkaufte.

Aufregung am Monrepos

Wieder zu Hause fand sie einige Gleichgesinnte, die ebenfalls historische Kostüme mochten. Eines Tages flanierten sie am Seeschloss Monrepos in Ludwigsburg. Das Aufsehen war groß, „die Leute waren hin und weg, wir sind kaum vorwärts gekommen, so sind wir umlagert worden“. Der Königin-Olga-und Hochadel-von-Württemberg-Verein war geboren worden. So nennen sie und ihre rund 15 Gefährten und Gefährtinnen sich rund 20 Jahre später nach mehreren Neuorganisationen und Umbenennungen.

Ihre Krönung erlebte Petra Spindler im Alten Schloss. Das Landesmuseum hatte angefragt, ob sie nicht als Königin Olga bei der Langen Nacht der Museen auftreten könne. Sie konnte. Und ließ extra dafür von ihrer Schneiderin deren berühmtes Tüllkleid in Weiß mit blauen Blumen und zarten Spitzen nachnähen. Als Vorlage diente das Gemälde von Franz Xaver Winterhalter von 1865. „Das war eine so anstrengende Arbeit, dass meine Schneiderin danach erst mal in Kur musste“, erinnert sich Spindler.

Kampf um die Villa Berg

Seitdem tritt sie als Königin Olga auf. Seitdem ärgert sie sich, dass „die Stuttgarter und Württemberger die Königin Olga vergessen haben“. Seitdem hat sie es sich zur Lebensaufgabe gemacht, an Olga zu erinnern und an ihre Verdienste. Etwa die Gründung des Olga-Hospitals und der Nikolauspflege. Dort unterstützt der Verein etwa einen sehbehinderten jungen Mann.

An der Villa Berg sieht man sie regelmäßig mit den Kollegen des Vereins. Als Olga hat sie dort schon Ministerpräsident Winfried Kretschmann empfangen, aber auch beim ehemaligen OB Fritz Kuhn darauf gedrungen, dass die Stadt die Villa kaufe und erhalte. Das geschieht nun auch. „Dass die Stadt beim Verfallen der Villa und des Parks zugeschaut und dann den Verkauf an einen Investor zunächst nicht verhindert hat, ist bezeichnend für den Umgang mit der Vergangenheit“, empört sie sich.

Süßes aus Stuttgart

Ähnlich sieht sie es beim Umgang mit der Königsfamilie beim Historischen Volksfest. Nach Kritik aus dem Gemeinderat sollten dort Schauspieler nicht mehr in die Rolle von Wilhelm I., seiner Gattin Katharina und von Wilhelm II. schlüpfen. Darüber wird neu debattiert, aber Petra Spindler will auf jeden Fall dort auftauchen. Als Olga natürlich. Womöglich hat sie dann Süßes dabei. Gemeinsam mit der Werbeagentur Baltner und Baumann aus Ludwigsburg arbeitet sie daran, „Königin Olga zur Marke zu machen“. Wenn man jemandem etwas aus Stuttgart mitbringen möchte, was gebe es da?, fragt sie. „Maultaschen? Riesling?“ Diese vermutete Lücke will sie schließen. So gibt es nun Pralinen, die Königin-Olga-Kugeln, und Königin-Olga-Seife aus einer Manufaktur aus Korntal-Münchingen. Offenbar wirkt Olgas Geist durchaus ansteckend, galt die Königin doch als sozial engagiert, handfest, energisch – und geschäftstüchtig.

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