Hitze-Hotspots und der Kampf dagegen Wie die Klimakrise auf den Kreis Böblingen wirkt

Hitzetage von weit über 30 Grad – Wetterlagen, an die sich auch die Bewohner des Landkreises Böblingen im Sommer künftig gewöhnen müssen. Foto: Eibner / Jürgen Biniasch

Hitzeperioden und Hochwassergefahr. Die Folgen der Klimakrise machen auch vor dem Kreis Böblingen nicht Halt. Besonders in den verdichteten Innenstädten drohen im Hochsommer Hitzeinseln. Die Städte wappnen sich.

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Die Sonne brennt auf den Asphalt, eine unerträgliche Hitze hat sich breit gemacht. Bei Temperaturen von weit über 30 Grad verirrt sich kaum eine Person in die Innenstädte von Böblingen, Sindelfingen, Herrenberg oder Leonberg. In manchen Jahren war im Sommer in Gemeinden wie Weissach, Renningen oder Weil der Stadt aber auch ein anderes Bild zu beobachten: Menschen waten mit Gummistiefeln oder paddeln in Kanus auf überfluteten Straßen.

 

Durch den Treibhauseffekt werden sich auch im Kreis Böblingen nach Berechnungen der globalen Klimaforschung extreme Wetterereignisse wie Hitze und Starkregen verstärken. Die Folgen der Klimaveränderungen verursachen nicht nur immense Kosten, sondern kosten im Zweifelsfall auch Menschenleben. Kommunen und der Landkreis reagieren daher mit Klimaanpassungskonzepten.

Prognosen Modellierungen des Weltklimarats zeichnen ein bedrohliches Bild. Wie im kürzlich vorgestellten Klimaanpassungskonzept des Landkreises beschrieben, könnten in Steinenbronn 2080 ähnliche Wärmeverhältnisse wie in Norditalien oder Nord-Chile herrschen. Im schlimmsten Fall, bei einem Anstieg von 4,2 Grad Celsius, wären die Bedingungen ähnlich jenen in Lima, Peru.

Verdichtung im Kreis Versiegelte Flächen erhitzen sich stärker als Naturräume. Im Landkreis Böblingen sind laut „KlimaBB“ 77 Prozent der Bodenfläche nicht bebaut. 41 Prozent sind landwirtschaftliche Fläche und 34 Prozent sind Wald. Damit zählt der Kreis zum „Verdichtungsraum“, also einem Bereich mit hohem Siedlungs- und Infrastrukturanteil.

Hitzewellen Berechnungen sagen in etwa eine Verdoppelung der Hitzetage, also Tage, an denen es wärmer als 30 Grad Celsius ist, voraus. Bis 2050 könnte es rund 14 Hitzetage geben, 2100 sogar bis zu 36. Besonders heizen die Innenstädte auf, wie die Klimainitiative des Landkreises „KlimaBB“ aufzeigt.

Überhitzte Asphaltwüsten In den größtenteils asphaltierten Stadtzentren und Gewerbegebieten von Böblingen, Sindelfingen und Herrenberg mit Bebauung und versiegelten Oberflächen drohen Hitzeinseln. Ein Mangel an Grünstreifen, Bäumen und Wasserkorridoren sowie eine höhere Luftbelastung verstärken diesen Effekt. Bei Hitzetagen wie am 25. Juli, als das Thermometer in Böblingen 36 Grad anzeigte, kühlt sich die Luft auch nachts kaum ab. Die Temperaturen bleiben bei 20 Grad oder mehr. Die Wissenschaft spricht von einer „tropischen Nacht“.

Böblinger Hitze-Hotspots Als besonders hitzebelastet gelten das Gewerbegebiet Hulb, die bebauten Flächen beim Flugfeld sowie das Gewerbegebiet Röhrer Weg zwischen Eugen-Bolz-, Schönbuch- und Wilhelm-Maybach-Straße. Aber auch die Innenstadt rund um die Bahnhofstraße bis zum Schlossberg hinauf heizen im Hochsommer erheblich auf.

Sindelfinger Hitze-Hotspots Holger Kesten von der Stabstelle „Klimaschutz und nachhaltige Mobilität“ der Stadt erklärt, dass nach Untersuchungsergebnissen aus 2018 die Innenstadt, der Goldberg und der Maichinger Ortskern unter Hitzebelastung leiden. „KlimaBB“ schlüsselt die Hotspots exakter auf: Erhöhte Hitze-Belastung herrscht rund um das Stern-Center, beim „Grünen Platz“ bis zur Altstadt. Nur minder besser ist es an der verkehrsbelasteten Neckarstraße und auf dem Daimler-Gelände.

Herrenberger Hitze-Hotspots In der Innenstadt Herrenberg, um den Bahnhof herum bis zum Marktplatz und der Stiftskirche in der historischen Altstadt sowie in den Gewerbegebieten im Norden und Süden der Stadt beim Natur-Freibad staut sich die Hitze bei starker Sonneneinstrahlung besonders. Überall dort ist eine hohe Nutzungsdichte mit teils enger Bebauung und versiegelten Oberflächen zu finden.

Starkregen Während es insgesamt einen Trend zu trockeneren Sommern gibt, können lokale Unwetter Starkregen mit sich bringen – mit Überschwemmungen als Folge. Auf versiegelten Flächen können Überflutungen besonders Schaden anrichten, da das Wasser schlechter im Boden versickern kann. In Böblingen ist das vor allem in der Bahnhofstraße, in Sindelfingen im Dreieck zwischen Wettbach-, Markt- und Grünem Platz. Ebenfalls gefährdet sind Gemeinden wie Nufringen und Gärtringen.

Hochwassergefahr Hochwassergefahr ist dort gegeben, wo Flüsse nach starken und langen Regenfällen über die Ufer treten können. Im Kreis ist hiervon besonders Weil der Stadt bedroht. Dort könnte bei einem Hochwasserereignis der Würm auch die historische Altstadt unter Wasser stehen. Ebenfalls als stark betroffen zeichnet das Klimaanpassungsbuch des Landkreises auch Waldenbuch, Ehningen und Magstadt aus.

Maßnahmen Es bestehen Möglichkeiten, einige der negativen Klimaeffekte zu reduzieren. Dazu gehören Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen, die Errichtung von Grünflächen, die Pflanzung trockenresistenter Bäume oder dezentrale Rückhaltebecken bei Starkregen. Große Städte wie Böblingen und Sindelfingen sehen im Zuge ihrer städtebaulichen Vorgaben die Berücksichtigung solcher klimarelevanter Maßnahmen wie Baumpflanzungen vor. So sollen in der Stuttgarter Straße in Böblingen zum Beispiel schattenspendende Bäume und Grünstreifen den Wärmeeffekt abmildern und das Mikroklima verbessern.

Weitere Themen