Hobbybäcker aus Backnang Jedes Gutsle ist ein kleines Kunstwerk

Sandra und Thomas Häußer aus Backnang backen mit Leidenschaft. Foto: Ingrid Sachsenmaier

Hauptberuflich haben Sandra und Thomas Häußer aus Backnang das Bäckerhandwerk an den Nagel gehängt. Als Hobbybäcker legen sie dafür in der Weihnachtszeit umso mehr Sonderschichten ein. Und das Auge ist mit – jedes Gebäck ist bei ihnen ein Kunstwerk.

Ohne Waage geht nichts bei den Hobbybäckern Sandra und Thomas Häußer in Backnang-Heiningen. Das sieht man. Jedes Gutsle ist gleich groß, es gibt keine Ausreißer. Weder bei den gespritzten Haselnussmakronen noch bei den Ausstecherle. Die Weihnachtsplätzchen sehen aus wie gemalt. Man erkennt die Hand von Profis. „Glernt isch glernt.“ Thomas Häußer ist gelernter Bäcker, Ehefrau Sandra gelernte Bäckereiverkäuferin. Schon vor vielen Jahren haben sie jedoch den Beruf zum Hobby gemacht und die ebenerdigen Räume im elterlichen Haus in Heiningen zu ihrer Hobby-Backstube eingerichtet – mit zwei großen Backöfen, einer großen Arbeitsplatte aus Holz und genügend Platz und Maschinen für die Teigbearbeitung. Das ganze Jahr über werden die Öfen angeheizt, mindestens einmal in der Woche, in der Nacht von Freitag auf Samstag auf jeden Fall, denn am Samstag verkaufen sie in der Marbacher Straße morgens ab 7 Uhr frische Brötchen und Brot.

 

Teig wird exakt abgewogen

Der Umgang mit Mehl, Salz und Hefe, Butter, Hagelzucker und Quark, Haselnüssen und Mandeln macht den Eheleuten Spaß. Das sieht man den Produkten an. Das liegt auch daran, dass sie zum Beispiel die Teigstränge für Vanillekipferl nicht nur in gleich lange Teile schneiden, sondern zudem auch wiegen. Zwölf Gramm jedes einzelne, erst dann wird es sanft in ein Holzmodel gedrückt. Die Kipferlform hat Sandra vor ein paar Jahren per Zufall gefunden.

Auch bei den Zimtsternen ist die Glasur jedes einzelnen Sterns perfekt, kein Fingerabdruck, kein abgeknicktes Sternenohr beeinträchtigt die Optik. Für ihre Zimtsterne, Vanillekipferl, Haselnussmakronen, Spritzgebäck, Butter-S und Ausstecherle legen Sandra und Thomas Häußer gerne Sonderschichten ein. Seit 2005 betreiben sie die Hobby-Backstube in Heiningen.

Am ersten Advent ist das Sortiment komplett

Vor Weihnachten wird das Hobby zu einer zeitintensiven Tätigkeit. Spätestens am ersten Advent ist das gesamte Sortiment an Gutsle fertig, „damit die Brötle und der Stollen mürbe werden.“ Aber auch dieses Jahr muss bis kurz vor Weihnachten nachgebacken werden. Im November hat Thomas Häußer begonnen, Quarkstollen zu backen. Mit Rosinen. Oder mit Walnüssen und Aprikosen. Er hat den Teig abgewogen, runde Portionen gemacht, jeweils sanft ausgewellt und mit dem Wellholz in den Teig eine Kuhle gedrückt, damit er ihn gut zusammenklappen konnte. So entsteht die typische Stollenform. „Der Stollen wird, solange er warm ist, mit heißer Butter bestrichen und dann mit Puderzucker bestäubt.“ Das Ergebnis ist perfekt.

Hinterm Steuer statt in der Backstube

Sandra schwärmt von ihrem Lehrberuf Bäckereifachverkäuferin. „Es ist mein Traumberuf, ich würde ihn gleich wieder erlernen.“ Dennoch hat sie ihn nach der Geburt von Sohn Dominik vor 23 Jahren an den Nagel gehängt – wegen der Arbeitszeiten. Die haben auch Thomas Häußer dazu bewogen, auszusteigen und sich als Berufskraftfahrer hinters Steuer eines Lastwagens zu setzen. Täglich ist er zwischen Speyer und Backnang unterwegs, früh aufstehen muss er weiterhin. Der Bäckerberuf habe ihm gut gefallen, aber die Überstunden überhaupt nicht.

Wenn die beiden jetzt in ihrer „Hobby-Backstube“ stehen, haben sie einen vollen Arbeitstag hinter sich. Dann ist Backen „ein Ausgleich zum Alltag.“ Die Weihnachtsbäckerei ist sozusagen das i-Tüpfelchen.

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