Ludwigsburg - Weit mehr als 150 Menschen in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bayern sind bis Montagabend gestorben, Hunderte wurden verletzt, zig Häuser sind eingestürzt. Da erscheint es verwunderlich, dass eine Helfertruppe aus der Region Stuttgart nicht mehr im Katastrophengebiet benötigt und heimgeschickt wurde.
„Zu tun gibt’s da noch genug“, sagt ein Feuerwehrmann
Dementsprechend überrascht war Manfred Daub, einer der Abteilungskommandanten der Feuerwehr Bietigheim-Bissingen im Kreis Ludwigsburg. Er war am Donnerstagabend mit weiteren 26 Feuerwehrleuten aus Bietigheim-Bissingen, Marbach und Vaihingen an der Enz in den vom Hochwasser besonders betroffenen Ort Kordel in der Eifel gefahren. Eigentlich waren er und seine Kollegen davon ausgegangen, dass sie mindestens vier Tage im Einsatz wären. Doch schon am vergangenen Samstag hieß es, die Truppe aus der Region Stuttgart würde nicht mehr gebraucht und könne nach Hause fahren. Der Einsatz in Kordel war zwar beendet: „Wir haben die Verkehrswege geräumt und die Keller von etwa 30 Häusern leergepumpt. Damit waren wir mit unseren Aufgaben durch“, erläutert Daub. Allerdings sagt er auch: „Zu tun gibt’s da noch genug.“
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Die Helfer hätten damit gerechnet, dass sie von Kordel aus ins 90 Kilometer entfernte Ahrweiler verlegt würden, erzählt Mario Pflanz, der Einsatzleiter der Marbacher Feuerwehr. „Wir hatten alles dafür gepackt, und auch die Kollegen, die uns ablösen sollten, hatten sich vorbereitet.“ Als dann ohne Erklärung die Nachricht kam, der Hochwasserzug könne heimfahren, habe das für Verwunderung gesorgt. Denn Hilfe in der Region, das sagt auch er, werde nach wie vor dringend benötigt, was auch Bilder und Videos zeigen.
In Rheinland-Pfalz zeigt man sich dankbar für Unterstützung
Entschieden wurde der Rückzug von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Rheinland-Pfalz. „Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß, darüber sind wir dankbar, denn die Hilfe wird gebraucht“, sagt Miriam Lange von der ADD. Allerdings würden zurzeit viele Truppen angefordert – und diese müssten koordiniert werden. Die Helfer sollten sich gegenseitig abwechseln, „sodass der Einsatz lückenlos fortgesetzt werden kann“. Wenn mehrere Truppen mit demselben Schwerpunktbereich bereit stünden, müsse man einzelne heimschicken. Und weil die Feuerwehrleute aus dem Kreis Ludwigsburg ja bereits in Kordel im Einsatz gewesen seien, hätte man es wohl für sinnvoll erachtet, dass sich diese zunächst regenerierten.
Auch die etwa 500 Ehrenamtlichen des Deutschen Roten Kreuzes, die aus allen Ortsverbänden des Landkreises Ludwigsburg ins rheinland-pfälzische Grafschaft und von dort nach Ahrweiler geeilt waren, seien größtenteils wieder zu Hause, sagt Stefan Schassberger vom Kreisverband. „Nur ein Notfallkrankenwagen mit Besatzung ist noch dort.“
Aus Böblingen sind noch Helfer vor Ort
Andere Helfer aus der Region sind weiterhin im Katastropheneinsatz in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz – etwa aus dem Kreis Böblingen. „Wir werden weiterhin gebraucht“, sagt Guido Wenzel, der Krisenmanager des DRK-Kreisverbandes Böblingen. Das Technische Hilfswerk Leonberg hat seine Kräfte sogar noch aufgestockt.
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