Hochwasserschutz im Rems-Murr-Kreis Betonbau weist die Rems in die Grenzen

Von Claudia Leihenseder 

Mit Beton gegen Wassermassen: Der Wasserverband Rems baut derzeit das Hochwasserrückhaltebecken (HRB) 4, das bis Juni fertig werden soll. Es soll am Ufer gelegene Orte vor einem Hochwasser der Rems schützen.

Durch diese Tore soll die Rems bald fließen – und bei Hochwassergefahr aufgehalten werden. Foto: Frank Eppler
Durch diese Tore soll die Rems bald fließen – und bei Hochwassergefahr aufgehalten werden. Foto: Frank Eppler

Urbach - Die Anlage gleicht fast einer Trutzburg aus dem Mittelalter: Groß und klobig ragt der Bau mit der sperrigen Bezeichnung „Durchlassbauwerk“ direkt neben der B 29 bei Urbach in die Höhe. Nur ist er nicht aus gemauerten Steinen und hunderte von Jahren alt, sondern aus nagelneuem, modernen Beton. Schützen soll er die Bewohner im Remstal dennoch: und zwar vor volllaufenden Kellern und überschwemmten Straßen. Im Juni, noch vor der großen Remstal-Gartenschau, soll das Werk vollendet sein.

Mischa Allgaier ist stolz: „Beim Kostenrahmen sind wir im grünen Bereich“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer des Wasserverbands Rems. 16,9 Millionen Euro hat sein Verband für das Hochwasserrückhaltebecken 4 (HRB 4) eingeplant – und dabei wird es voraussichtlich auch bleiben. „Wir haben die Arbeiten vor der Gartenschau vergeben. So hatten wir kein Problem mit teureren Preisen“, erklärt Allgaier.

Der Bau ist kompliziert

Seit Ende 2016 wird nun zwischen Urbach und Plüderhausen am HRB 4 geschafft. Wenn es fertig ist, wird das Becken rund 36 Hektar Einstaufläche haben. „Der Bau ist ziemlich kompliziert“, sagt Hans-Peter Sieg, der technische Geschäftsführer des Wasserverbands Rems. Schließlich müssten Bahnschienen, Straßen, Häuser, Fabrikhallen vor den Fluten geschützt werden.

Doch wie kann man die Rems bei Hochwassergefahr stauen und dabei nicht selbst für Schäden sorgen? Zehn Jahre lang hat der Verband daran getüftelt – und nun eine Antwort gefunden. Das Durchlassbauwerk wird bei Hochwassergefahr die bei Urbach zurückhalten, damit Kommunen wie etwa Schorndorf oder Winterbach nicht untergehen wie einst Atlantis im Meer – oder Köln im Rhein. Rund 83 000 Kubikmeter Dammschüttungen, Schächte, Hochwasserschutzmauern und eine Notentlastungsscharte werden dabei helfen, das Wasser kontrolliert zu sammeln.

Der Eisvogel hat sich eingenistet

Kompliziert ist die Lage des HRB 4, weil das Staubecken in einer Kurve unter der vierspurigen B 29 hindurchführt. Das Durchlassbauwerk liegt westlich der Bundesstraße, das Rückhaltebecken zum größten Teil östlich davon. So müssen Dämme und Mauern die Straßenbrücke vor den Fluten schützen. Ein Seitendamm hält auch die Remstalbahn trocken. Das Industriegebiet „Im Rank“ samt Pferdebetrieb hat bereits eine Schutzmauer bekommen, die auch vor den Bärenbach eindämmen. Der Damm entlang der Schnellstraße bis nach Plüderhausen hält zudem das Industriegebiet Heusee trocken.

„Dort können wegen unseres Rückhaltenbecken mehr Flächen bebaut werden“, sagt Hans-Peter Sieg. Das habe viele Vorteile, auch für die Natur. Denn die Rems ist in Teilen renaturiert worden. Sie fließt nicht mehr eingezwängt in einer Rinne, sondern kann teilweise frei mäandern, Kiesbänke anhäufen und wieder abtragen. Bauarbeiter haben kleine Inseln angelegt, ebenso Ruhezonen mit flachem Wasser für die Nachkommen der Flussfische. Auf einer der künstlich angelegten Inseln gibt es eine Steilwand aus Lehm. Ein kleines Loch zeigt, dass die Renaturierung bereits funktioniert: Dort hat sich nämlich der Eisvogel schon eingenistet.