Hoher VfB-Anteil bei den WM-Experten TV-Arbeit im Stuttgarter Takt

Von Dirk Preiß 

Das erste WM-Wochenende ist vorüber, fast alle Teams haben sich gezeigt. Alle TV-Experten auch. Es waren viele – vor allem aus Stuttgarter Sicht.

VfB-Nachwuchschef Thomas Hitzlsperger (li.) und der ehemalige Stuttgarter Trainer Hannes Wolf (re.) überzeugen bislang als TV-Experten bei der WM. Foto: Getty
VfB-Nachwuchschef Thomas Hitzlsperger (li.) und der ehemalige Stuttgarter Trainer Hannes Wolf (re.) überzeugen bislang als TV-Experten bei der WM. Foto: Getty

Stuttgart - Es war ein bisschen schade, dass er diesen Themenbereich nicht abdecken konnte. Aber bei Elfmetern, meinte Christoph Kramer, könne er nicht mitreden. Seinen letzten habe er in der U 14 geschossen, meinte der heutige Profi von Borussia Mönchengladbach, und gab zu: „Er ging vorbei.“ Danach war das Thema durch. Bis es in Baden-Baden eines wurde.

In Baden-Baden steht das WM-Studio von ARD und ZDF, weshalb Kramer nun zwischen Karlsruhe und Freiburg Dienst tut und sich sogar an einer Einschätzung der Argentinier versucht, obwohl er sich an die Gauchos doch eigentlich gar nicht erinnern dürfte. Im WM-Finale 2014 jedenfalls war Kramer kurzzeitig weg vom Fenster – samt Filmriss. Dem ZDF ist das egal.

Dem ZDF kann das auch egal sein, ebenso spielt es keine Rolle, dass der ansonsten wortgewandte Kramer nichts über Gefühle beim Elfmeter weiß. Denn: Kramer ist nicht allein. Neben dem Weltmeister reicht das Aufgebot von ARD und ZDF gut für einen Auftritt als Traditionsmannschaft. Das Zweite hatte am Samstag neben dem Stammkräften Kramer, Oliver Kahn („Ich finde die Hybridlösung am besten“), Schiri Urs Meier, Holger Stanislawski („Wir fliegen wieder ins Stadion“) auch noch Mladen Petric (wegen Kroatien), Bjarne Goldbaek (wegen Dänemark), Zé Roberto (wegen Brasilien) und Weltenbummler Lutz Pfannenstiel (wegen Nigeria) da. Das war viel Holz – und man hätte meinen können, das ZDF hätte damit alle Aspekte abgedeckt. Aber, das war ein Irrtum. Was dem Zweiten fehlt: das Stuttgarter Element. Aber davon gibt’s ja bei den Kollegen genug.

Wie eine verkappte VfB-Traditionself

Das WM-Team der ARD jedenfalls kommt als verkappte VfB-Traditionself daher – unklar ist, wie es Stefan Kuntz (Bochum, Kaiserslautern, Bielefeld) in den Kreis schaffen konnte. Und kein Wunder ist es, dass der Europameister darin nicht die Führungsrolle einnimmt. Die nämlich hat sich Thomas Hitzlsperger gesichert.

Die Online-Redaktion des „Focus“ jedenfalls hat den früheren VfB-Profi mit der Note 1 bedacht und nennt ihn den „besten Experten im deutschen Fußball“. Auf Twitter warf man dem Ex-Nationalspieler zwar auch „mangelnde Dynamik“ vor, die Fürsprecher sind aber in der Mehrzahl: Einen „klasse Job“ bescheinigt man ihm. Weil Hitzlsperger mehr und mehr an Profil gewinnt und klare Meinungen vertritt. Auch im kniffligen Fall Özil/Gündogan.

Gerade der noch immer schweigende Mesut Özil sei nicht in der Lage zu reagieren, „wenn es unangenehm wird“, meinte Hitzlsperger noch vor der WM und ergänzte: „Seine Persönlichkeitsentwicklung hat nicht Schritt halten können mit dem, was er auf dem Platz gezeigt hat.“ Kund tut er seine Meinung übrigens auch in einer Kolumne der britischen Zeitung „The Guardian“, wo der 36-Jährige den Engländern zudem klarmacht, welchen Job er selbst eigentlich inne hat. „Wir kennen Timo Werner gut in Stuttgart, wo ich Chef der Nachwuchsakademie bin“, schreibt er und erklärt, dass der deutsche Top-Stürmer schon in der E-Jugend beim VfB kickte.

Auch der Song kommt aus Stuttgart

Cheftrainer der Weiß-Roten war Hannes Wolf, von dem die TV-Zuschauer nun ebenso angetan sind („wortgewandt und sympathisch“). Auch er analysiert für die ARD. Philipp Lahm, einst Profi beim VfB, plaudert für das Erste auf der Couch am heimischen Tegernsee über die WM, Kevin Kuranyi redet ebenfalls in ein ARD-Mikrofon. Der frühere Stürmer kann bislang zwar noch nicht derart überzeugen wie Hitz, Lahm und Wolf. Ein logischer Experte sei er für diese WM dennoch, meinen viele Zuschauer. Kuranyi kennt das deutsche Team (er war Nationalspieler), die Brasilianer (er hat brasilianische Wurzeln), die Jungs aus Panama (seine Mutter kommt von dort), Russland (dort spielte er mehrere Jahre) – und natürlich den VfB. Was weniger wegen der WM wichtig ist, dafür aber für das Betriebsklima im VfB/ARD-Team.

Das nämlich arbeitet im Stuttgarter Takt, schließlich kommt auch der WM-Song des Senders aus dem Schwäbischen – von den Fantastischen Vier.