Hollywood-Star Nick Nolte wird 80 Ambivalente Filmfiguren mit Heldenstatur

Nick Nolte 1991 in Barbra Streisands einfühlsamem Familien- und Beziehungsdrama „Herr der Gezeiten“ Foto: imago images/Mary Evans

Nick Nolte gehört zur Riege der Hollywood-Schauspieler, die wie echte Kerle auftreten können – mit all ihren Schwächen. Am 8. Februar wird er 80 Jahre alt.

Stuttgart - Nick Nolte ist nie zu übersehen – obwohl mit 1,85 Metern eher durchschnittlich groß, füllt er stets die Leinwand mit Heldenstatur. Dabei sind seine Figuren nie strahlende Helden, sondern unter der kraftstrotzenden Oberfläche oft ambivalente, verletzliche Typen mit Kratzern, gebeutelt vom Leben und eigenen Unzulänglichkeiten. Im kongenialen Duo mit dem Leinwand-Debütanten Eddie Murphy in Walter Hills harter Action-Komödie „Nur 48 Stunden“ (1982) bringt Nolte er die Figur des versoffenen, raubeinigen Polizisten mit Vorschriften-Allergie und locker sitzendem Colt auf den Punkt.

 

Der stattliche Blonde war vorher schon aufgefallen im Schatztaucher-Thriller „Die Tiefe“ (1977) an der Seite von Jacqueline Bisset und in „Dreckige Hunde“ (1978) als Vietnam-Veteran, dem ein Heroin-Schmuggel aus dem Ruder läuft. In der Komödie „Zoff in Beverly Hills“ (1986) spielt einen Obdachlosen und Menschenbetörer, der die neurotischen Mitglieder einer neureichen Familie kuriert und ihnen neue Lebensfreude einhaucht.

Sexy, aber nicht fürs Studium gemacht

Im Episodenfilm „New York Stories“ (1989) gibt Nolte in Martin Scorseses Drittel einen alternden Kunstmaler im Clinch mit seiner jungen Muse. Für seine Hauptrolle als innerlich zerrissener Mann in Barbra Streisands psychologisch einfühlsamem Familien- und Beziehungsdrama „Herr der Gezeiten“ bekam er eine Oscar-Nominierung. In Scorseses Remake von „Kap der Angst“ (1991) spielt Nolte den Anwalt, dessen Frau und Tochter von einem Haftentlassenen (Robert De Niro) bedroht werden, in Paul Schraders Drama „Der Gejagte“ (1997) einen abgehalfterten Sheriff, der durchdreht – was ihm eine weitere Oscar-Nominierung einbrachte.

Nolte war in der Highschool eine Sportskanone und spielte danach am College mit Stipendium American Football, Basketball und Baseball; alles andere ließ er schleifen und musste das Studium deshalb abbrechen. Er verdingte sich fahrender Schauspieler bei Regionaltheatern, arbeitete als Model, unter anderem für blonde Haartönung; 1992 kürte ihn das „People Magazine“ zum „Sexiest man alive“. Der Erfolg kam mit einer Rolle in der US-Serie „Rich Man, poor Man“ (1976) über zwei ungleiche Brüder, von denen Nolte den weniger erfolgreichen, rebellischen spielte.

Brillante späte Nebenrollen

Noltes Spätwerk ist geprägt von brillanten Nebenrollen. In Terrence Malicks radikalem Weltkriegsdrama „Der schmale Grat“ (1998) verkörpert er den charismatischen Kommandeur, der Erfolge braucht und seine Truppe (Sean Penn, Woody Harrelson, George Clooney) auf einer Pazifikinsel ins japanische MG-Feuer schickt. Im Völkermord-Drama „Hotel Ruanda“ (2004) spielt Nolte einen desillusionierten Blauhelm-Kommandanten, der kaum erträgt, dass er den Gewaltexzess nicht verhindern kann – wie Don Cheadle ohne Gage, um Geldgeber für den Film anzulocken.

Für seine Rolle als weiser Mentor eines zornigen jungen Sportlers in dem Drama „Peaceful Warrior“ (2006) bekam Nolte seine dritte Oscar-Nominierung. Durch Ben Stillers Satire „Tropic Thunder“ (2008) poltert er als treffsichere Karikatur eines eines Vietnam-Veteranen und Filmberaters. Der beherzigt eine Grundregel des Showbusiness: Wichtig ist nicht, ob es so passiert sein könnte, sondern dass man es glaubt. Dem Schauspieler Nick Nolte, der am 8. Februar 80 wird, glaubt man einiges. Wir gratulieren.

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