Projekt für Gartenschau im Remstal Ein quer über den Fluss gespannter Muskel

Von hll/lui 

Neue Holzbrücken über die Rems könnten für Fußgänger und Radler bessere Verbindungen schaffen. Geplant sind solche Konstruktionen in Weinstadt, Schorndorf und Plüderhausen – nach dem Modell der „Stuttgarter Brücke“.

So könnte in Weinstadt die  bessere Anbindung des Trappelers per Holzbrücke aussehen. Animation:Arge Stuttgarter Holzbrücke Foto:  
So könnte in Weinstadt die bessere Anbindung des Trappelers per Holzbrücke aussehen. Animation: Arge Stuttgarter Holzbrücke Foto:  

Rems-Murr-Kreis -

Eine Holzkonstruktion, die in einem eleganten Schwung zwei Remsufer miteinander verbindet und obendrein 60 Jahre und mehr haltbar ist? Peter Cheret, Architekturprofessor an der Universität Stuttgart, ist überzeugt davon, dass dies funktioniert. Sein Büro Cheret Bozic hat gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Knippers Helbig eine entsprechende Konstruktion aus Leimholz erdacht und damit einen von der Landesregierung ausgelobten Forschungsauftrag umgesetzt. Bei den Stuttgarter Holzbrückentagen im Juni wurde die sogenannte „Stuttgarter Brücke“ erstmals vorgeführt.

Zurzeit erwägen die Kommunen Schorndorf, Plüderhausen und Weinstadt, gemeinsam eine Arbeitsgemeinschaft zu gründen und die Brücken bis zur Remstalgartenschau im Jahr 2019 jeweils in ihren Orten zu verwirklichen. Ein gemeinsamer Auftrag würde die Kosten senken, sagt der Plüderhausener Bürgermeister An­dreas Schaffer. Er habe die Brücke ursprünglich am Remswehr östlich von Plüderhausen platzieren wollen, sie hätte dort den künftigen Radweg in Richtung Ostalbkreis mit den Anglerseen verbunden. In der Gemeinderatsdebatte sei dann aber beschlossen worden, mit der Holzbrücke einen alten innerörtlichen Steg zu ersetzen, der die Remsstraße mit der Mühlstraße verbindet. Dessen Sanierungskosten waren auf 100 000 Euro taxiert worden.

Zwei mögliche Standorte in Schorndorf

In Schorndorf sind zwei Standorte im Gespräch, sagt der Planungschef Manfred Beier. Zum einen ein Steg, der den geplanten Bewegungskindergarten im Sportpark Rems mit dem Gebiet Wiesenstraße verbinden könnte. Zum andern ein Steg, der für das Gebiet alter Baumwasen, das von der Rems umflossen wird, eine bessere Verbindung zum Remsradweg schafft. Zur Gartenschau müsste die Brücke allerdings umbenannt werden, schlägt Beier vor – und könnte künftig „Remstalbrücke“ heißen.

Wenn man die Möglichkeit habe, so etwas Neues zu bekommen, dann sollte man sie auch ergreifen, meint Thomas Deißler, der Erste Bürgermeister von Weinstadt zur Stuttgarter Brücke. „Das Schöne an ihr ist, dass sie aus Holz ist und andere Materialien wie Beton oder Naturstein fugenlos verbindet“, schwärmt er. Wie ein Muskel würden die kleinen, miteinander verleimten und von einer Abdeckplatte vor der Witterung geschützten Holzteile wirken, aus denen die Brücke besteht – und ihr eine enorme Spannkraft geben. „Ich finde es einen schönen Ansatz, dass so ein Muskel die Rems überspannt.“ Darüber hinaus biete das Brückenmodell einen Wiedererkennungsfaktor bei der Gartenschau.

Von der Birkelspitze ins Trappeler

Doch sind es letztlich auch ganz praktische Gründe, deretwegen der Bürgermeister den Bau einer solchen Brücke nach Weinstadt holen will. Die Birkelspitze, eine Landzunge beim ehemaligen Areal der Nudelfabrik Birkel in Endersbach, soll zu einer parkartigen Grünanlage werden. Ein wesentlicher Bestandteil der Planung für dieses Gartenschauprojekt ist eine Verbindung der Landzunge mit dem gegenüberliegende Remsufer. Zum einen, um den Remstalradweg an das innerörtliche Radwegnetz anzubinden. Zum anderen werde damit ein „ordentlicher Zugang“ für das Wohngebiet Trappeler zur Einkaufsstraße im Ortszentrum geschaffen. „Das ist eine wichtige Wegevernetzung und ermöglicht es, Fuß – und Radweg zu entflechten, so dass die Fußgänger auf der einen Seite der Rems sind und die Radfahrer auf der anderen.“ Somit sei es ohnehin „ziemlich sicher“, dass eine solche Anbindung komme. Vom Gemeinderat habe man grünes Licht bekommen, sie bis zum Entwurf zu planen. Zudem sei man derzeit in Gesprächen mit dem Regierungspräsidium und halte nach anderweitigen Fördermöglichkeiten Ausschau, berichtet Deißler.