Homeschooling in der Corona-Krise Die Schüler vermissen die Schule

Der Online-Unterricht bewährt sich. Doch nicht alle Schulen haben solch ein Angebot.

Die Schüler der Sindelfinger Gottlieb-Daimler-Schule sind daran gewöhnt,  online zu arbeiten. Foto: dpa/Wolfram Kastl
Die Schüler der Sindelfinger Gottlieb-Daimler-Schule sind daran gewöhnt, online zu arbeiten. Foto: dpa/Wolfram Kastl

Sindelfingen/Böblingen - Seit zwei Wochen sind die Schulen im Land geschlossen. Homeschooling heißt das neue Zauberwort. Doch funktioniert es auch? „Für einige Zeit sehr gut“, sagt Herbert Waldschmidt, der als Abteilungsleiter an der Sindelfinger Gottlieb-Daimler-Schule für das Technische Gymnasium zuständig ist. „Für unsere Schüler hat sich nicht so viel geändert, da sie ja als Tablet-Klassen das eigenständige Arbeiten gewöhnt sind.“

Schon bisher präsentierten viele Lehrer ihren Stoff in Erklär-Videos. Die Arbeitsblätter dazu finden die Schüler – jede und jeder hat ein eigenes Tablet – in für alle zugänglichen Ordnern. Dort laden sie diese herunter, bearbeiten sie und laden sie zum Begutachten wieder hoch. Geändert hat sich jedoch, dass die Lehrer momentan keine direkte Rückmeldung im Unterricht geben können. „Wir kommunizieren mit den Jugendlichen über E-Mail. Etwa einmal pro Woche hält jeder Lehrer eine Videokonferenz mit der Klasse ab“, sagt Waldschmidt. „Da können die Schüler Fragen stellen und es gibt Rückmeldungen.“ Fast alle Schüler nähmen an diesen Konferenzen teil. Doch es gebe vereinzelt auch Rückmeldungen von Schülern, die durch häusliche Aufgaben verhindert sind. „Ein Mädchen hat sich neulich von der Videokonferenz abgemeldet, weil sie auf ihre kleine Schwester aufpassen musste“, sagt Waldschmidt. Er versteht die Situation gut, muss er doch neben seinem Job als Lehrer im Homeoffice auch die Betreuung seiner vier Kinder im Homeschooling managen.

Schüler genießen das Ausschlafen

David Simovski aus Dagersheim aus der Jahrgangsstufe eins des Technischen Gymnasiums genießt die angenehmen Seiten des Homeschoolings, vor allem das Ausschlafen am Morgen. „Aber man muss schon etwas tun für die Schule“, sagt der 17-Jährige. Und es sei nicht ganz einfach, sich alleine zum Lernen zu motivieren. Vor allem aber vermisst David seine Freunde. „Das Gemeinschaftsgefühl in der Klasse fehlt mir. Auch den meisten meiner Freunde geht es so.“ Das beobachtet auch Waldschmidt. „Viele Schüler sagen: ‚Wir wollen wieder in die Schule.’“ Ganz ohne Online-Unterricht müssen die meisten Grundschulen zurecht kommen. Das Wochenende vor der großen Schulschließung beschreibt Sabine Mundle, die Rektorin der Sindelfinger Sommerhofenschule, als sehr hektisch, „Wir haben am Samstag und Sonntag für jedes Kind ein Paket gerichtet, mit Arbeitsblättern und Bastelanleitungen für die drei Wochen bis zu den Osterferien.“ Am Montag nahm dann jedes Kind sein Paket mit nach Hause.

Betreut werden die Grundschüler von den Lehrern per E-Mail und am Telefon. „Jeder Klassenlehrer ruft jedes Kind mindestens einmal pro Woche an und bespricht alle anfallenden Fragen“, erklärt Mundle. In der Schule selbst gebe es nur vier Schüler, die für die Notbetreuung angemeldet sind. Immer wochenweise übernehme ein Lehrer den Unterricht der Erst- bis Drittklässler.

Anmeldung für Erstklässler wurde verschoben

Das Lernen zuhause funktioniere unterschiedlich gut, sagt Mundle. „Bei Kindern, denen die Eltern helfen können, gelingt das gut. Aber nicht alle Eltern können eine solche Unterstützung leisten.“ Wenn die Kinder irgendwann wieder in der Schule zurück sind, werde man sich den individuellen Leistungsstand anschauen und dann die Kinder gezielt fördern. Wann das sein wird, steht für die Schulleiterin freilich noch in den Sternen. Kopfzerbrechen bereitet ihr auch die Anmeldung der neuen Erstklässler, die verschoben werden musste. „Ich hoffe sehr, dass wir den nächsten geplanten Termin am 7. Mai einhalten können. Sonst gibt es Probleme vor allem für die Sonderfälle.“

Sollte das Homeschooling länger als die drei Wochen bis zu den Osterferien dauern, sieht auch Ulrike Schäfer große Probleme. Ihr Sohn Lasse ist Siebtklässler am Böblinger Albert-Einstein-Gymnasium. „Dort gibt es keinen Online-Unterricht. Wir erhalten die Aufgaben und Arbeitsblätter über die Elternvertreter per E-Mail“, berichtet Schäfer. Für sie als Alleinerziehende sei die Situation schwierig. „Ich bin im Büro. Lasse ist den ganze Tag allein. Er lernt zwar, aber anders als ich mir das vorstelle.“ Auch sie hofft, dass das Homeschooling bald ein Ende hat.