Auf eine Reise will Marco Bläsi diejenigen, die seine Songs hören, mitnehmen und dabei eine Geschichte erzählen, wie er sagt. Der 32-Jährige ist seit vielen Jahren in der Techno-Szene verwurzelt, legt als DJ SHDW – die vokalfreie Version des Worts Shadow – auf, betreibt ein eigenes Label und produziert Songs. Dabei ist er weltweit unterwegs, im Frühjahr geht es auf Südamerika-Tour: Uruguay, Argentinien und Kolumbien stehen auf dem Programm. Seine Musik, die er als „oldschool Techno, aber modern angehaucht“ beschreibt, produziert er in Plochingen. In seiner Wohnung hat er sich ein Studio einbauen lassen. Im Wohnzimmer wurde ein DJ-Booth, eine Art DJ-Pult, das Platz für Platten, Plattenspieler und weiteres Equipment bietet, installiert.
Auf das Romy S. folgte das Berghain
Zum Techno kam er mit 15 Jahren. „Der Freund meiner Schwester hat Mixes auf CD mitgebracht“, sagt er – und die haben ihn sofort in ihren Bann gezogen. „Ich wollte auch eigene Musik machen und auflegen“, erzählt er.
Wenige Monate später war es dann soweit, sein erster Auftritt als DJ stand an: In dem ehemaligen Club Suite in der Stuttgarter Theodor-Heuss-Straße. „Weil ich noch minderjährig war, hat mich meine Mutter dorthin begleitet“, erzählt er lachend. Auch heute spielt seine Familie, vor allem seine Eltern, eine wichtige Rolle in seinem Leben – doch dazu später mehr.
Weitere Auftritte folgten: ab 2014 zum Beispiel eine Party-Reihe im ehemaligen Stuttgarter Club Romy S.. In Hommage an diesen haben er und sein damaliger DJ-Kompagnon, mit dem er als Techno-Duo „SHDW & Obscure Shape“ bekannt wurde , Songs wie „Die Geliebte des Anderen“ oder „Nur die Sonne war Zeuge“, benannt nach Filmen mit Romy Schneider, veröffentlicht. In den folgenden Jahren standen der Berliner Club Berghain sowie Shows in Amerika, Australien oder eben jetzt in Südamerika auf dem Programm.
Heute ist Bläsi, der Textilmanagement studiert hat und bei einer Modeagentur tätig war, selbstständig und kann von seiner Musik leben. Bis vor wenigen Monaten hat er unter dem Label „From Another Mind“, das er gemeinsam mit seinem DJ-Kollegen „Obscure Shape“ betrieben hat, Platten und Mode vertrieben. Heute gehen die beiden getrennte Wege. Als DJ SHDW mischt Marco Bläsi nun die Techno-Szene mit seinem Label „Mutual Rytm“, auf dem bereits einige internationale Künstlerinnen und Künstler der Szene Songs veröffentlicht haben, auf. Mode ist ihm dabei weiterhin wichtig, wie er sagt. Der 32-Jährige entwirft derzeit unter anderem gemeinsam mit einem Grafiker Shirts, Schmuck und Accessoires, die bald unter „Mutual Rytm“ auf den Markt kommen. Und da kommt wieder die Familie ins Spiel: Seine Eltern unterstützen ihn dabei in vielen Bereichen, helfen unter anderem bei der Logistik und dem Versand.
Techno-Sampler auf „Mutual Rytm“
Darauf, sich alles selbst aufgebaut zu haben, ist Bläsi stolz: „Alles, was ich erreicht habe, habe ich aus eigener Kraft geschafft.“ Seinen Job in der Modeagentur hat er 2018 an den Nagel gehängt. Denn Musik und Beruf unter einen Hut zu bringen, sei immer schwieriger geworden. Als DJ reiste am Wochenende und während des Urlaubs um die Welt, von Auftritt zu Auftritt, verbrachte viel Zeit im Flugzeug. Das sei kräftezehrender als die meisten sich das vorstellen, sagt er. Und so fiel über kurz oder lang der Entschluss, sich vollständig auf die Musik zu fokussieren. Denn eines stand für ihn fest: „Wenn ich meinen Traum leben will, muss ich mich ganz auf die Musik konzentrieren.“ Einen Schritt, den er seither nicht bereut hat. Zumal er diese Entscheidung mit einer Reihe unvergesslicher Eindrücke verbindet: Im vergangenen November etwa hat er in einem Club in Georgien aufgelegt und zwar neuneinhalb Stunden lang. Als der Club zu machte, empfing ihn draußen das begeisterte Publikum. „Sehr bewegend“, fasst er dieses Erlebnis zusammen.
In Sachen Musik setze er bei dem Label „Mutual Rytm“ auf das Beste von heute und früher, bringt neue und bereits seit vielen Jahren etablierte Künstlerinnen und Künstler zusammen. Was ihn besonders stolz macht: Er habe so manchen Kollegen, der seit längerem nicht mehr aktiv Musik gemacht habe, überzeugen können, wieder aufzulegen und Teil einer der Schallplatten zu werden. Sein ehrgeiziges Ziel: Nahezu jeden Monat einen Sampler auf Vinyl zu veröffentlichen. Bislang geht dieser Plan auf, in regelmäßigem Turnus gehen die Aufträge an das Schallplattenpresswerk. Die Sampler sind meist kurz nach oder schon vor der Veröffentlichung via Vorbestellung ausverkauft, sagt er. Auch in Sachen Live-Shows ist der Terminkalender proppenvoll: mindestens 50 DJ-Auftritte stehen an, auch andere Veranstaltungen und längerfristig ein Festival sind in Planung. DJ SHDW wird also weiterhin in der Techno-Szene von sich reden machen.
Die Geschichte der Technomusik
Entstehung
In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre ist Techno entstanden, wobei dabei mehrere Musikstile verschmolzen sind. Grundlage ist der minimalistische, bassdrum-betonte Rhythmus der House-Musik, aber auch Synthiepop, EBM (Electronic Body Music) oder New Beat sind genreprägend.
Produktion
Techno wird unter anderem mit Hilfe von elektronischen Geräten erzeugt, dabei kommen neben Computern auch Drum-Maschinen, Synthesizer und Sequenzer zum Einsatz.
Begriff
Als „Techno“ werden verschiedene miteinander verwandte Stilrichtungen der elektronischen Tanzmusik verwendet. In diesem Zusammenhang knüpft der Begriff an das Verständnis der 1980er Jahre an, als in der Szene „Techno“ eine Funktion als Sammelbezeichnung für „technologisch-fortschrittliche Musik“ innehatte.