Nun sind weitere Details zum geplanten Hospiz in Filderstadt bekannt geworden. Darunter sind auch Ansätze, die einzigartig wären in der Region.

Im Jahr 1986 öffnete das erste Erwachsenenhospiz Deutschlands in Aachen. Inzwischen gibt es bundesweit 250 Einrichtungen dieser Art in der Region, zum Beispiel in Stuttgart, Tübingen und Reutlingen. Wer auf den Fildern lebt, muss sich bislang an diese Angebote halten, was zum einen bedeutet, dass sich die Zahl der Anwärter auf die raren Plätze erhöht. Zum anderen haben Angehörige vergleichsweise weite Anfahrtswege. „Es geht um die wertvolle Zeit von Menschen, die in ihre letzte Lebensphase eingetreten sind“, sagt Carola Riehm.

Deshalb gibt es die Idee, ein Hospiz auf den südlichen Fildern zu schaffen. Riehm, Fachkraft für Palliative Care in der Filderklinik, ist Vorstandsmitglied im Förderverein Hospiz auf den Fildern, der jüngst zu einer Infoveranstaltung geladen hat.

Kooperation mit der Filderklinik

Das Engagement des vor drei Jahren gegründeten Vereins für ein zentral gelegenes Filder-Hospiz hat erste Früchte getragen. Die Stadt hat zwei Grundstücke in Bonlanden in Aussicht gestellt. Sie befinden sich gegenüber des Pflege-Bildungszentrums der Filderklinik, am Rande des Landschaftsschutzgebiets, und sind durch den Bus angebunden. Er stehe voll hinter der Idee, sagt Christoph Traub, Oberbürgermeister von Filderstadt. Er sei froh, dass die Initiative ins Leben gerufen worden sei.

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Obwohl mit Stefan Hiller, dem Leiter der Palliativstation ein weiterer Vertreter der Filderklinik im Vereinsvorstand ist: Die Einrichtung, die Raum für acht stationär begleitete Gäste bieten soll, wird kein Ableger der Klinik werden, sondern einen unabhängigen Träger bekommen. Kooperation mit dem Nachbarn, etwa bei der Versorgung mit Mahlzeiten, ist dennoch angedacht.

Augenmerk auf Kunsttherapie und Heileurythmie

Neben Eckdaten wie geschätzten Kosten von sechs Millionen Euro, einer beplanbaren Nutzfläche von 1032 Quadratmetern und dem Ziel möglichst keine CO2-Emissionen zu verursachen, steht auch das Konzept für die Einrichtung: Eine Besonderheit ist die vorgesehene tageshospizliche Betreuung. Das Angebot zwischen dem bereits existierenden ambulanten Hospizdienst, der integriert werden soll, und der stationären Aufnahme wäre in der Region einzigartig. Auch das Augenmerk auf Kunsttherapie und Heileurythmie soll das Filder-Hospiz auszeichnen. Lebensqualität zu erhalten, ist zentrales Anliegen. Riehm nennt gutes Essen, Gartennutzung, Kreativität und Rückzugsorte als wichtige Komponenten.

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Wie sich der Hospizgedanke entwickelt und etabliert hat und welche Philosophie hinter dem Titel des Abends, „Letztverlässlichkeit für Menschen im Abschied und in der Trauer“, steht, beleuchtet Annette Riedel, Altenpflegerin, Gerontologin und Professorin an der Hochschule Esslingen. Palliative Care, die Begleitung und Versorgung von Schwerkranken und deren Angehörigen, bejahe das Leben und akzeptiere das Sterben, betont sie. Es gehe um Enttabuisierung des Todes, um einen Abschied in Würde und die Trauerbegleitung der Hinterbliebenen, etwa in Form von Gedenkgottesdiensten. Die Kirchenzugehörigkeit soll auf den Fildern keine Rolle spielen. Das Projekt ist überkonfessionell ausgerichtet.

Wenn alles gut geht, könnte der erste Gast 2026 im Hospiz eintreffen. Carola Riehm hofft auf eine Änderung des Bebauungsplans für die anvisierten Grundstücke bis 2023. 2025 könnte der Grundstein gelegt werden. Radiologe und Vereinsvorstand Friedhelm Roloff ist zuversichtlich: „Ich habe nicht den Eindruck, dass wir viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, was den Hospizgedanken angeht“, hält er fest. „Die gut besuchte Veranstaltung heute zeigt, dass das Interesse groß ist. Darauf können wir aufbauen.“