Richtfest für Neubau in Böblingen Das „Hospiz in der Mitte“ wird acht Zimmer haben

Die Vorstandssprecherin des Trägers, Andrea Thiele, sprach beim Richtfest. Foto: /Stefanie Schlecht

Menschen auf ihrem letzten Weg finden vom nächsten Jahr an in der Unterstadt einen neuen und zentralen Platz. Direkt daneben werden die neue Post und Sozialwohnungen gebaut.

Böblingen: Julia Theermann (the)

In etwas mehr als einem Jahr soll Böblingen einen Ort haben, an dem Menschen egal mit welchem kulturellen und nationalen Hintergrund in Würde sterben können. Am Mittwoch wurde für das „Hospiz in der Mitte – Region Böblingen-Sindelfingen“ Richtfest gefeiert, ein knappes Jahr nach der Grundsteinlegung auf dem ehemaligen Parkplatz.

 

Das Hospiz liegt in der Mitte der Stadt

Die Befürworter haben sich seit Jahren dafür eingesetzt, dass im Kreis Böblingen ein Hospiz entsteht – teils auch mit ihrem eigenen Geld. „Unsere Mitglieder haben die ersten sechs Jahre nach Gründung des Vereins nicht gewusst, was mit ihrem Geld passiert, aber uns immer wieder vertraut“, sagte Maria Dries-Koblowsky, Vorsitzende des Hospizvereins Region Böblingen-Sindelfingen, am Mittwoch. Rund 800 Mitglieder hat der Verein nach eigenen Angaben.

Mit bunten Osterfarben wurde der Richtbaum geschmückt. / Stefanie Schlecht

Sterben in der Mitte der Gesellschaft

Trägerin des Hospizes wird die St.-Elisabeth-Stiftung aus Bad Waldsee in Oberschwaben. Das Haus in Böblingen wird das siebte Hospiz, das die Stiftung führt. Erst in der vergangenen Woche hatte der Hospizverein sich auf den Namen für sein Herzensprojekt geeinigt. Er könne kaum passender sein, sagte Andrea Thiele, Vorstandssprecherin der Stiftung. „Nicht nur aufgrund der Lage mitten im Herzen Böblingens, sondern auch angesichts unserer Intention, das Sterben als Tabuthema zu brechen und dahin zu bringen, wohin es gehört – in die Mitte der Gesellschaft.“

Oberbürgermeister Stefan Belz (von links), BBG-Geschäftsführer Rainer Ganske, Architekt Roland Haehnel (Steinhoff|Haehnel Architekten), Andrea Thiele (Vorstandssprecherin der St.-Elisabeth-Stiftung) und Maria Dries-Koblowsky (Vorsitzende des Hospizvereins Region Böblingen-Sindelfingen) sprachen beim Richtfest. /Stefanie Schlecht

Da steht der Neubau in jedem Fall. An der Ecke Talstraße/Karlstraße bilden die beiden Gebäudekörper – das Hospiz an der Talstraße und das Wohn- und Geschäftshaus mit den zehn geförderten Mietwohnungen sowie der neuen Postfiliale an der Karlstraße – die neue Eckbebauung. Über den Platz für das Hospiz war seinerzeit heiß diskutiert worden. Er sei zu laut und zu zentral. Doch genau das will sich der Träger nun zunutze machen: „Gerade zum Lebensende verkleinert sich der Radius, in dem man sich bewegen kann. Die Wege müssen also kurz sein“, sagte Roland Haehnel von Steinhoff|Haehnel Architekten. Ein Ort, zu dem die Besucher mit der S-Bahn oder dem Bus fahren könnten, sei ideal. Eine Tiefgarage hat das Gebäudeensemble mit acht Patientenzimmern dennoch. 18 Parkplätze sind vorgesehen – sieben fürs Hospiz, einer für die Post, die restlichen zehn für die Wohnungen.

Arbeit weiter auf Spenden angewiesen

Knapp unter 20 Millionen Euro, so der Geschäftsführer der Bauträgerin Böblinger Baugesellschaft, koste das gesamte Projekt. Rund eine Million mehr als in der Grobschätzung. Unter anderem eine Verzögerung durch einen fehlenden Mietvertrag, aber auch die steigenden Zinsen und die höheren Baukosten hätten zu Mehrkosten geführt.

Knapp 20 Millionen für Ensemble

Um das Hospiz auf sichere Beine zu stellen, wird der Hospizverein sich weiter um Spenden bemühen müssen. „Der Aufenthalt in einem Hospiz wird von den Krankenkassen zu 95 Prozent übernommen“, sagte Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz. Die restlichen fünf Prozent – erfahrungsgemäß liegt die zusätzlich benötigte Summe bei 150 000 Euro im Jahr – müssten über Spenden finanziert werden. Für die ersten fünf Jahre hätten Sindelfingen und Böblingen sowie der Landkreis und die verschiedenen Kirchengemeinden eine Absicherungsregelung getroffen, um die Kosten aufzufangen, sollte die Spendensumme nicht erreicht werden.

Der Verkehr wird beeinträchtigt

Baustelle
 Für den Hospiz/Post-Neubau müssen Leitungen verlegt werden. Der erste Abschnitt geht von Montag, 25. März, bis Freitag, 5. April.

Einschränkungen
 In der Wilhelmstraße wird zwischen Karlstraße und Olgastraße von Hausnummer 27 bis 41 eine Einbahnstraße Richtung Karlstraße eingerichtet. Anlieger können über die Uhland- und die Olgastraße fahren. An der Kreuzung mit der Wilhelmstraße wird die Karlstraße halbseitig gesperrt. Zwischen Karlstraße und Austraße auf Höhe Karlstraße 23 wird die Wilhelmstraße voll gesperrt. Zu Fuß ist ein Durchgang gewährleistet.  

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