Hotels für Geflüchtete in Böblingen Unterbringung ist zweischneidiges Schwert
Horrende Mieten für Flüchtlingsunterkünfte sind eine unschöne Entwicklung. Dabei bieten gerade ehemalige Hotels eine gute Bleibe für Schutzbedürftige.
Horrende Mieten für Flüchtlingsunterkünfte sind eine unschöne Entwicklung. Dabei bieten gerade ehemalige Hotels eine gute Bleibe für Schutzbedürftige.
Wer denkt, die Flüchtlingskrise sei überstanden oder hätte sich normalisiert, irrt. Das zeigt der Blick auf die angespannte Lage in der Stadt Böblingen, die händeringend nach Wohnraum für geflüchtete Menschen sucht. Für viele verwirrend ist dabei der Umstand, dass der Landkreis Böblingen zuletzt Entwarnung gab: Tatsächlich schien es zum Jahreswechsel so, als würde sich die Lage bei der Erstunterbringung deutlich entspannen. Doch das ist nur eine Hälfte der Wahrheit.
Das Problem verlagert sich nach und nach in die Anschlussunterbringung – und die ist Sache der Städte und Gemeinden. Während der Landkreis also darüber nachdenkt, Notunterkünfte wieder zu schließen, suchen die Städte händeringend nach geeigneten Wohnungen. Dabei haben sie mittlerweile ihr Vorgehen angepasst. Wich man zunächst auf Turnhallen aus, kommen seit dem vergangenen Jahr mehr und mehr Menschen in nicht mehr genutzten Hotels unter. Das bringt eine Reihe von Vorteilen.
Die Gebäude sind für eine vorübergehende Belegung ausgelegt und bieten einen annehmlichen Standard. Die Bewohner haben ausreichend Privatsphäre und geraten längst nicht so leicht aneinander, wie in den spartanischen Sporthallen. Das Paradebeispiel dafür sei die Unterkunft Mönchäcker in Dagersheim, von der keinerlei Probleme bekannt sind, teilt die Stadt auf Nachfrage mit. Im November mietete sie Etagen im Hotel Mönig und brachte dort Geflüchtete unter.
In Sindelfingen ging man noch einen Schritt weiter und kaufte gleich ein ganzes Hotel, statt es anzumieten: Das Best Western in der Calwer Straße befindet sich seit diesem Jahr in städtischem Besitz. Schon seit dem vergangenen September steht das Hotel Wanner in der Tübinger Straße in Böblingen leer. Jetzt wurde gemunkelt, dort sollen bald ebenfalls Flüchtlinge einziehen und die Stadt das Gebäude erwerben.
Dies ist noch nicht offiziell bestätigt, offenbar laufen die Gespräche aber bereits seit einiger Zeit. Welcher Neu-Eigentümer dahinter steckt, ist bisher nicht bekannt. Doch in der Branche mehren sich die Stimmen, die hinter der Vermietung an die Städte zur Flüchtlingsunterbringung bei weitem nicht nur einen Akt der Nächstenliebe sehen, sondern vielmehr ein kühl kalkuliertes Geschäft.
Denn so vorteilhaft die Unterbringung in den nicht mehr genutzten Hotels für die Bewohner und die Städte sein mag, so einträglich ist sie für die Vermieter. Warum? Es besteht von öffentlicher Seite eine enorme Nachfrage aufgrund der gesetzlichen Regelungen – und die nutzen die Inhaber mitunter aus. Es ist zu hören, dass Quadratmeterpreise weit über dem marktüblichen Niveau von der öffentlichen Hand bezahlt werden.
Damit hat das Vorgehen politische Sprengkraft. Vor allem, weil jeder die überhöhten Preise unmittelbar einschätzen kann – und den Wucher als solchen erkennt. Man kann sich die bissigen Kommentare der Rechtspopulisten schon ausmalen. Zumal im Kampf um möglichst viele Stimmen bei der anstehenden Kommunalwahl. Wie hoch hingegen die Kosten für eine Turnhallenbelegung ausfallen, ist weniger bekannt und lässt sich kaum schlüssig auf den Quadratmeter herunterrechnen. Dabei taugen die Gelder, die die öffentliche Hand für die Schutzsuchenden ausgibt, nicht zur politischen Debatte.
Der Staat hat eine Verpflichtung gegenüber den Asylbewerbern, diese in menschenwürdigen Unterkünften unterzubringen. Punktum. Wer aber als Eigentümer die Not der Kommunen ausnutzt und die Hand aufhält, der darf sich über Häme nicht wundern. Aus dieser Krise Profit zu schlagen, ist nicht nur unfein – dem Vorgehen gehört gar ein rechtlicher Riegel vorgeschoben.