InterviewHubert von Goisern „Ich habe die Liebe gesucht, nicht den Puff“

Von Michael Werner 

Hubert von Goisern hat sich auf seinem neuen Album „Federn“ mit Amerika auseinandergesetzt. Mit der Platte ist er glücklich. Aber den Film über sein Leben hätte er verhindern sollen, findet der Musiker. Im Juli spielt er auf der Esslinger Burg.

Hubert von Goisern  ist ernüchtert aus den USA zurückgekehrt. Foto: Konrad Fersterer
Hubert von Goisern ist ernüchtert aus den USA zurückgekehrt. Foto: Konrad Fersterer
Stuttgart - - Der Musiker Hubert von Goisern hat seinen Welterkundungen ein Kapitel hinzugefügt – den Süden der USA. Er wollte Entfremdung überwinden. Doch er ist, sagt er, auf Ignoranz gestoßen.
Herr von Goisern, im Textheft Ihres neuen Albums schreiben Sie, dass Sie zu Inspirationszwecken den Süden der USA bereist haben. Diese Gegend stellt man sich weit weniger exotisch vor als Tibet oder Afrika, wo Sie sich früher schon inspirieren ließen.
Da muss ich widersprechen. Ich fand es in Afrika leichter, Kontakt mit den Menschen aufzunehmen und eine gegenseitige Neugier zu spüren, als im Süden der Vereinigten Staaten.
Auch während Ihrer Donau-Tournee durch Osteuropa vor ein paar Jahren haben Sie beklagt, dass sich manche Musiker vor Ort nicht für den kulturellen Austausch mit Ihnen interessiert hätten, sondern einfach über Sie in Westeuropa Fuß fassen wollten. Ist das der Fluch des Hubert von Goisern?
Nein, in Amerika haben sie nicht einmal daran gedacht, dass ich ein Sprungbrett oder Türöffner nach Europa sein könnte. Da ist mir einfach grundsätzliches Desinteresse und Ignoranz entgegengeschlagen – mit dem Zusatz, dass alle signalisiert haben, für Geld alles zu machen. Mir ging es aber darum, eine gegenseitige Zuneigung und Neugier zu spüren, das Leuchten in den Augen und das Interesse am Du. Ich habe die wahre Liebe gesucht – und nicht den Puff.
Waren Sie naiv?
Ich bin ein unverbesserlicher Romantiker: Wenn ich einen Rückschlag bekomme, ziehe ich mich zurück und nehme mir vor, so etwas nie wieder zu machen. Aber dann komme ich trotzdem wieder in dieselbe Situation, weil ich mir die Welt schönträume und an diese Träume glaube.
Was war überhaupt der Auslöser dafür, dass Sie sich die USA als Inspirationsziel ausgesucht haben?
Der Auslöser war diese Entfremdung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa: Ich verstehe nicht mehr, wie die ticken, obwohl das eine Kultur ist, die mich musi­kalisch sehr beeinflusst hat. Ich verstehe nicht, weshalb die USA zum Beispiel in Libyen oder im Irak verbrannte Erde hinterlassen. Trotzdem dachte ich, ich könnte unserer gemeinsamen Wurzeln wegen an die Country-Musik andocken. In der Handvoll Sessions, die ich dort gemacht habe, hat es auch sofort geflutscht. Aber die Gänsehaut habe nur ich bekommen, sie nicht. Die Amerikaner genügen sich selbst. Die wollen nicht raus.