Eigentlich heißt er Manni. Doch bei Ungehorsam, Unartigkeit oder ungebührlichem Verhalten wurde er Manfred gerufen – und das war meistens der Fall. Denn der große Hund war kein angenehmer Zeitgenossen. Mäggi Hetzinger aber wollte Manfred dauerhaft in Manni verwandeln. Daher nahm sich die Hundetrainerin aus Baltmannsweiler-Hohengehren zuerst das Frauchen vor. Die Hundebesitzerin war eher ruhigen Gemütes und tat sich mit dem Loben von Manfred schwer. Da gab ihr Mäggi Hetzinger einen Tipp: Sie solle sich mental eine Sprechblase wie in einem Comic vorstellen, darin die Lobesworte für den Hund vorformulieren und sie dann aussprechen.
Dieser und weitere Tricks haben funktioniert: „Super“, kommt der jungen Frau jetzt leicht über die Lippen, und die schweren Zeiten mit Manfred sind vorbei. Das ist der Job von Mäggi Hetzinger: Sie sorgt dafür, dass sich Mensch und Tier nicht hundeelend, sondern pudelwohl fühlen.
Ein Hund war auch der Gründer von Mäggi Hetzingers Hundeschule. Schäferhund Giro gab den Anstoß. Er lebt zwar nicht mehr, doch sein Foto ziert noch immer ihren Geschäftswagen. Sie ist eigentlich Schriftsetzermeisterin von Beruf – und seit ihrem 18. Lebensjahr leidenschaftliche Hundehalterin. Viele waren problemlos. Dann kam Giro. Sein Besitzer wollte ihn aus privaten Gründen abgeben, Mäggi Hetzinger hat ihn im Alter von acht Monaten übernommen. Für eine Erziehung hatte der Vorbesitzer keine Zeit gehabt, so waren die Anfangszeiten schwierig: „Giro war ein Angstbeißer, und andere Hunde oder Menschen versetzten ihn in Stress“. Eine Hundetrainerin hat Mäggi Hetzinger bei der Arbeit mit dem Tier unterstützt, die Zusammenarbeit machte so viel Spaß, dass Mäggi Hetzinger selbst Hundetrainerin wurde. Doch damit ist ihre Berufsbezeichnung ungenau beschrieben. Denn die 54-Jährige kümmert sich vor allem um die Besitzer: „Das Problem befindet sich immer am anderen Ende der Leine.“
Nero war ein Tyrann
Nero hatte solche menschlichen Schwächen sofort erkannt. Der schwarze Pudel nutzte die Unsicherheit und Unerfahrenheit seiner Besitzer im Umgang mit ihm gnadenlos aus: „Er war der Rudelführer und hat alle tyrannisiert.“ Nero verfolgte die Familienmitglieder überall hin, behielt sie wachsam im Blick, und wenn die jüngste Tochter das Haus verlassen wollte, stimmte er ein wütendes Gebell an. Zuerst, berichtet Mäggi Hetzinger, wurde ein Ruhekissen angeschafft, zu dem Nero mit einer deutlichen Körpersprache hingeführt wurde. Dann bekam er ein Geschirr für das Gassigehen und eines für das Haus. Das waren klare Signale: Sobald er das Heimgeschirr angelegt bekam und zum Ruhekissen geführt wurde, blieb er längere Zeit an dem ihm zugewiesenen Platz.
Die Beziehung zwischen Besitzer und Tier darf nicht vor die Hunde gehen, meint Mäggi Hetzinger. Bei Lucy war das kein Problem. Die Chemie zwischen der Yorkshireterrier-Dame und Frauchen Anja Reinelt stimmte. Doch Lucy hatte Angst vor anderen Hunden. Also wurde sie langsam an die großen Tiere gewöhnt. Anja Reinelt nahm sie zu einer Trainingsstunde von Mäggi Hetzinger mit, und Lucys Zurückhaltung gegenüber großen Artgenossen schwand. Sogar Boxer Indi, der umtriebige Hund von Mäggi Hetzinger, ist zu einem guten Kumpel geworden. Verstimmungen sind dennoch nicht ganz ausgeschlossen. Dass Lucy über den Parcours mit Wippe, Röhre und Reifen auf dem Hundeübungsplatz von Mäggi Hetzinger am Ortsrand von Hohengehren rennen darf, während er ruhig daliegen muss, bereitet Indi Unmut. Eine gewisse Frustrationstoleranz müsse er aushalten, sagt sein Frauchen.
Hund sucht Schäfer
Und sie muss es wissen. Denn sie ist auch Verhaltensberaterin für Mensch-Hunde-Beziehungen. Manchmal aber rät selbst sie zur Trennung. Eine Familie mit zwei kleinen Kindern, berichtet sie, hatte sich einen Hütehund angeschafft. Das Tier war auf das Bewachen großer Herden trainiert und fing an, die Kinder zu hüten. Sie konnten fast keinen Schritt mehr ohne seine Begleitung machen. In einer Fachzeitschrift für Schäfer suchte Mäggi Hetzinger daher nach einem neuen Zuhause. Das hat geklappt. Ein Hobbyschäfer gab dem Hütehund eine neue Daseinsberechtigung. Bei Problemhund Manfred war eine Trennung unnötig. Er und sein Frauchen sind nun ein eingespieltes Team – und sie nennt ihn nur noch liebevoll Manni.
Von Beruf und Berufung
Person
Margarete (Mäggi) Hetzinger wurde 1968 in Baltmannsweiler-Hohengehren geboren. Nach dem Erwerb der Mittleren Reife an der Lerchenäckerrealschule in Oberesslingen absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Schriftsetzerin und schloss danach die Johannes-Gutenberg-Schule in Bad Cannstatt mit der Meisterprüfung Druckvorstufe ab.
Werdegang
Von 2012 bis 2014 absolvierte Mäggi Hetzinger neben ihrem Beruf als Schriftsetzerin eine Ausbildung zur Professionellen Hundetrainerin in Esslingen. Es folgten verschiedene Fachseminare etwa zum Thema „Die Mensch-Hund-Beziehung – Führung und Kommunikation“ oder „Wie tickt und lernt ein Hund“ und die fünfmonatige Weiterbildung zur„Verhaltensberaterin für Problemhunde“.