Hunter Biden Warum steht Bidens Sohn im Visier der Steuerfahnder?

Im November stand Hunter Biden zusammen mit seiner Frau Melissa und seinem jüngsten Sohn Beau auf der Bühne, als sein Vater Joe Biden seine erste Rede als „President-elect“ hielt. Foto: AP/Andrew Harnik 10 Bilder
Im November stand Hunter Biden zusammen mit seiner Frau Melissa und seinem jüngsten Sohn Beau auf der Bühne, als sein Vater Joe Biden seine erste Rede als „President-elect“ hielt. Foto: AP/Andrew Harnik

Gegen Hunter Biden wird ermittelt – offenbar wegen seiner Geschäfte in China. Einmal mehr droht Joe Bidens Sohn zur Belastung für die Politik seines Vaters zu werden.

Digital Unit : Theresa Schäfer (the)
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Wilmington - Wenn es stimmt, dass es in jeder Verwandtschaft ein schwarzes Schaf gibt, dann kommt diese Rolle in der Familie des zukünftigen US-Präsidenten Joe Biden seinem mittleren Sohn Hunter zu. Er ist das Kind, das seinen Vater immer wieder in Erklärungsnot bringt. Jetzt, nur wenige Wochen vor der Amtsübernahme seines Vaters, macht das Justizministerium publik, dass gegen Hunter Biden ermittelt wird.

Es gehe um seine „Steuerangelegenheiten“, teilte Hunter Biden in einer Stellungnahme mit, die das Büro seines Vaters am Mittwoch verbreitete. Details nannte er nicht, versicherte aber, dass er sich nichts zu Schulden kommen habe lassen. Die Nachrichtenagentur AP vermeldete, sie habe aus informierten Kreisen erfahren, dass es unter anderem um Hunter Bidens Geschäftsverbindungen nach China gehe.

Ermittlungen laufen bereits seit 2018

Die Untersuchung gegen Hunter Biden, die jetzt öffentlich gemacht wurde, läuft bereits seit 2018, ein Jahr bevor sein Vater seine Präsidentschaftskandidatur verkündete. Am Dienstag wurden er und andere zu Befragungen vorgeladen, wie aus Ermittlerkreisen verlautete. Das sei nicht vor der Wahl passiert, um keinen Einfluss auf deren Ausgang zu nehmen, hieß es.

Hunter Biden erklärte, er habe von den Ermittlungen gegen ihn am Dienstag erfahren. „Ich nehme diese Angelegenheit sehr ernst und ich bin zuversichtlich, dass eine professionelle und objektive Prüfung ... zeigen wird, dass ich meine Geschäfte legal und angemessen gehandhabt habe, auch mit der Unterstützung professioneller Steuerberater“, hieß es in der Erklärung.

Hunter war im Wahlkampf Trumps bevorzugtes Ziel

Joe Bidens „Transition Team“, das momentan den Übergang in seine Präsidentschaft vorbereitet, teilte mit, der gewählte Präsident sei sehr stolz auf seinen Sohn, der schwierige Herausforderungen durchgestanden habe, „darunter auch die bösartigen persönlichen Angriffe der vergangenen Monate“. Er sei stärker daraus hervorgegangen, hieß es in der Stellungnahme.

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Hunters Geschäfte hatten Donald Trumps Lager im Wahlkampf reichlich Munition geliefert: Rund um Hunters umstrittenen Posten im Verwaltungsrat des ukrainischen Gaskonzerns Burisma entwickelte sich ein handfester Politskandal. US-Präsident Donald Trump fror Militärhilfen ein, um den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj dazu zu bringen, die Geschäfte von Hunter zu untersuchen. Die Folgen sind bekannt: Trump musste sich einem Impeachment-Verfahren stellen, einer Amtsenthebung entging er, weil sich seine Partei im Senat vor ihn stellte.

Die ganze Sache ließ aber auch Joe Biden nicht glücklich aussehen. Trump warf seinem Konkurrenten vor, Biden habe damals seinen Einfluss als US-Vizepräsident spielen lassen, um Korruptionsermittlungen gegen seinen Sohn zu stoppen. Beweise für diese Anschuldigungen legte Trump keine vor. In den letzten Wochen vor der Wahl hatte Trumps Anwalt Rudy Giuliani Gerüchte befeuert, es gebe einen Laptop von Hunter Biden mit belastendem Material. Mit diesem Laptop habe die Untersuchung nichts zu tun, hieß es jetzt aber aus Ermittlerkreisen.

Hunters Privatleben war Futter für die Klatschspalten

Auch privat hat Hunter Biden dunkle Zeiten erlebt: Der frühe Verlust seiner Mutter Neilia und seiner Schwester Naomi wirkte bis ins Erwachsenenalter nach. Hunter machte öffentlich, dass er lange mit Drogenproblemen zu kämpfen hatte und mehrmals in Entzugskliniken eincheckte. „Wie jeder andere, den ich kenne, bin ich gestürzt und wieder aufgestanden. Ich habe wertvolle Dinge getan und Sachen, die ich bereue“, sagte Hunter im vergangenen Jahr in einem Interview mit ABC News.

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Hunters Liebesleben war lange Zeit das perfekte Futter für die Gazetten: 2015 trennte sich Hunter von Kathleen, seiner Frau und Mutter der drei Töchter Naomi, Finnegan und Maisy. Die Scheidung wurde zur hässlichen Schlammschlacht. 2016 machte die Familie öffentlich, dass Hunter mit Hallie, der Witwe seines 2015 verstorbenen Bruders Beau, liiert war. Joe und Jill Biden standen damals zu Hunter und veröffentlichten ein Statement: „Wir sind froh, dass Hunter und Hallie sich gefunden haben, als sie ihr Leben nach einer Zeit tiefer Traurigkeit wieder zusammensetzten. Sie haben unsere Unterstützung und wir freuen uns für sie.“

Hunters jüngster Sohn heißt Beau

Wann Hunter und Hallie sich trennten, ist unbekannt. Doch Hunter hat inzwischen eine neue Frau an seiner Seite: Im vergangenen Jahr heiratete er die Südafrikanerin Melissa Cohen – nur sechs Tage, nachdem sich die beiden kennengelernt hatten. Joe Biden dankte seiner neuen Schwiegertochter, „dass du meinem Sohn den Mut gibst, wieder zu lieben.“ Dieses Frühjahr brachte Melissa einen Sohn zur Welt. Beau, benannt nach seinem verstorbenen Onkel, den die Öffentlichkeit erstmals diesen November sah, als Joe Biden in seiner Heimatstadt Wilmington seine erste Rede als „President-elect“ hielt.

Hunter hat sich inzwischen der Malerei zugewandt. Die Kunst „hält mich gesund“, sagte Biden der „New York Times“ Anfang des Jahres. „Über Jahre hinweg hätte ich mich selbst nicht als Künstler bezeichnet. Jetzt fühle ich mich wohl damit, das so zu sagen.“

Trump sendet triumphierenden Tweet

Für Präsident Trump ist die jetzige Nachricht über die Ermittlungen gegen den Biden-Sohn ein kleiner Triumph: Am Mittwochabend twitterte er ein Zitat der „New York Post“-Kolumnistin Miranda Devine, die erklärte, zehn Prozent der Wähler hätten sich anders entschieden, „hätten sie über Hunter Biden Bescheid gewusst“. „Aber ich habe ohnehin gewonnen“, fügte Trump hinzu - Twitter versah den Tweet mit einem Warnhinweis.

“President-elect“ Joe Biden versprach indes in einem CNN-Interview in der vergangenen Woche, seine Kinder würden in seiner Amtszeit alles vermeiden, was als Interessenkonflikt aufgefasst werden könnte. „Mein Sohn, meine Familie wird an keinem Geschäft, keiner Unternehmung beteiligt sein, bei der ein Konflikt besteht oder der Eindruck eines Konflikts entsteht“.




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